Milliarden-Deal Deutschland steigt bei Airbus-Mutterkonzern ein

Es geht um mehr als eine Milliarde Euro: Über die Staatsbank KfW steigt die Bundesrepublik beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ein, zu dem auch Airbus gehört. Der Deal soll die deutsch-französische Machtbalance in dem Unternehmen sichern.

Airbus-Produktion in Hamburg: Die Suche nach privaten Investoren geht weiter
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Airbus-Produktion in Hamburg: Die Suche nach privaten Investoren geht weiter


Berlin - Deutschland nimmt Daimler die Hälfte seiner EADS-Anteile ab: Die Bundesrepublik wolle über die Staatsbank KfW mit 7,5 Prozent beim Airbus-Mutterkonzern EADS einsteigen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Ein weiterer 7,5-Prozent-Anteil von Daimler war bereits vor einigen Jahren unter Vermittlung des Bundes bei Banken geparkt worden.

Der Anteil soll einen Marktwert von etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro haben. Die Übernahme wird laut Wirtschaftsministerium nicht vor dem 30. Juni 2012 erfolgen, weil es noch offene rechtliche Fragen in den Niederlanden gebe. Der Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern hat seinen offiziellen Sitz in Amsterdam.

EADS wollte zu dem Verkauf zunächst nicht Stellung nehmen. "Es ist schon länger bekannt, dass wir Gespräche mit der Bundesregierung führen, wir werden uns zu gegebener Zeit dazu äußern", sagte ein Daimler-Sprecher.

Heikle Machtbalance im Unternehmen

In Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums wurde betont, mit dem Modell werde die deutsch-französische Machtbalance beim Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS gewahrt. Die KfW werde nicht dauerhaft an EADS beteiligt sein. Die Suche nach privaten Investoren werde fortgesetzt.

EADS entstand 2000 aus der Fusion von Luftfahrtunternehmen aus Deutschland, Frankreich und Spanien. Franzosen und Spanier sind bereits über Staatsholdings an EADS beteiligt. Die Machtbalance der einzelnen Länder spielt seit jeher eine große Rolle. Im März zeigten von der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlichte US-Botschaftsdepeschen, wie konfliktbeladen die Zusammenarbeit von deutschen und französischen EADS-Mitarbeitern zeitweise war.

Zur Grundsatzeinigung in der Bundesregierung gehört den Angaben zufolge auch, dass der Bund - je nach Börsenlage - Verkäufe von Aktienpaketen an Unternehmen wie Post und Telekom verstärkt prüfen wird. Der EADS-Deal soll bereits am Donnerstag im Haushaltsausschuss des Bundestags erörtert werden.

Die Regierung stand unter Zeitdruck, weil der Deal noch in dieser Woche in den Abschlussberatungen für den Bundeshaushalt 2012 erörtert werden soll. Auch machte Daimler Druck, weil die Stuttgarter bis Jahresende Klarheit haben wollten. Der Autokonzern nimmt aber weiter die deutschen Interessen für alle 22,5 Prozent bei EADS wahr.

Ein alternativ geprüfter Einstieg des Staatsfonds des Emirats Katar bei EADS war verworfen worden. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte mit dem arabischen Wüstenstaat verhandelt. In Regierungskreisen wurde betont, der Einstieg eines ausländischen Staatsfonds wäre "industriepolitisch schwer vermittelbar" gewesen. Das Kanzleramt favorisierte seit langem eine KfW-Lösung, weil sich kein überzeugender privater Investor fand.

In Regierungskreisen hieß es weiter, der Bund wolle keinen direkten Einfluss auf die EADS-Geschäfte nehmen. So werde die Bundesregierung wohl keinen Vertreter im Aufsichtsrat beanspruchen. Damit der KfW künftig durch Kursschwankungen der EADS-Aktien keine Nachteile für ihr Kreditgeschäft entstehen, soll im Bundeshaushalt entsprechend Vorsorge getroffen werden, hieß es.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 31 Beiträge
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teenriot 09.11.2011
1. .,-
Ich denke der Markt regelt alles und führt uns in alle ins Paradies. Was mischt sich der Staat ein? Das ist doch Sozialismus. Kann mal bitte jemand Strauss - ach 'ne geht ja nicht mehr - dann eben Stoiber anschreiben.
Umbriel 09.11.2011
2. selbstverständlichkeit
Da EADS stretegisch wichtig ist eine Selbstverständlichkeit. Aber fast schon verwunderlich, ich dachte nämlich, daß Merkel das an die Griechen verschenkt.
oldharold 09.11.2011
3. Bravo!
Wertloses Papiergeld in Sachwerte umtauschen. Weiter so!
lupenrein 09.11.2011
4. ................
Wieder eine 180 Grad Wende ? Lautet nicht das Credo der Regierung alle Staatsbetriebe ( Post Bahn usw.) 'privatisieren '? Dass EADS in finanziellen Schwierigkeiten steckt, pfeifen doch die Spatzen von den Dächern ! Die private Daimler AG stösst also schlechte Anlagen ab. Und wieder die verdammte Lüge von 'mehr Einfluss'. In Wirklichkeit handelt es sich um die Sozialisierung von schlechten defizitären Anlagen von Privaten. Hat Schäuble plötzlich überflüssiges Geld ? Nein. Er muss die Schulden wieder einmal erhöhen. Die Menschen werden von Merkel & Co ständig schamlos belogen
christiane006, 09.11.2011
5. schlau
Zitat von sysopEs geht um mehr als eine Milliarde Euro: Über die Staatsbank KfW steigt die Bundesrepublik beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ein, zu dem auch Airbus gehört. Der Deal soll die deutsch-französische Machtbalance in dem Unternehmen sichern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796842,00.html
sehr kluge Entscheidung, gerade jetzt, wo man gerade die Stabilität des Geldes vernichtet, wird in Sachwerte investiert und man erhält von einem gesunden Unternehmen auch noch Dividenden. Sehr schlau. Jetzt sollten wir auch noch die Versorger aufkaufen, das ist ebenfalls eine sichere Investition und man könnte vermeiden, dass wir von den 4 Großen ständig über den Tisch gezogen werden.
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