Gegen Milliardenzahlung Deutsche Bank vor Einigung im Rechtsstreit mit den USA

Die Deutsche Bank steht nach Informationen von manager-magazin.de kurz davor, ihren mutmaßlich größten noch ausstehenden Rechtsstreit mit den US-Behörden zu lösen. Für das Geldinstitut dürfte das teuer werden.

Deutsche Bank (in Frankfurt)
REUTERS

Deutsche Bank (in Frankfurt)

Von manager-magazin.de-Redakteur


Deutsche-Bank-Chef John Cryan kommt seinem Ziel näher, die größten ausstehenden Rechtsstreitigkeiten seines Instituts noch in diesem Jahr zu beenden. Mit den USA steht eine Einigung kurz bevor. Nach Informationen von manager-magazin.de will das amerikanische Department of Justice (DoJ) Anfang kommender Woche dem Frankfurter Konzern sein schriftliches, rund hundert Seiten langes "Statement of Facts" übermitteln.

Darin will das Justizministerium die Verstöße der Bank gegen den Financial Institutions Reform, Recovery and Enforcement Act (Firrea) im Geschäft mit hypothekenbesicherten Wertpapieren auflisten. In dem Statement sollen auch Mitarbeiter der Bank namentlich genannt werden, die für die dubiosen Geschäfte mit den sogenannten Residential Mortgage-Backed Securities (RMBS) verantwortlich sind - sowie die Summe, die das Geldhaus zahlen muss, um den Rechtsstreit beizulegen.

Alle großen US-Banken haben bereits Milliardensummen wegen Verstößen gegen das Firrea-Gesetz an die Staatskasse überwiesen. Allein die Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigen musste in diesem Frühjahr 2,385 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) zahlen.

Milliarden-Bußgeld dürfte höher liegen als bei Goldman Sachs

Das Bußgeld der Deutschen Bank soll darüber liegen, kann aber im Zuge von Verhandlungen in den kommenden Wochen noch gedrückt werden. Bereits 2013 hatte die Bank wegen falscher Angaben beim Verkauf von verbrieften Hypothekenpapieren an die staatlichen US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac 1,9 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) gezahlt.

Seit 2012 mussten die Frankfurter für die Aufarbeitung von Skandalen mehr als 12 Milliarden Euro aufwenden. Für die Beilegung weiterer Rechtsstreitigkeiten hat der Konzern 5,5 Milliarden Euro beiseitegelegt.

Wie sich die Summe auf die einzelnen Rechtsfälle verteilt, ist unklar. Die Deutsche Bank sagt dazu aus verhandlungstaktischen Gründen nichts - legt sie einzelne Rückstellungsposten offen, könnte sie ihre Position gegenüber den Behörden schwächen. Schließlich will die Bank möglichst weniger zahlen als zurückgestellt sind.

Neben dem Skandal um US-Hypothekengeschäfte ist die Geldwäscheaffäre in Russland der prekärste, noch ungelöste Fall. Das Frankfurter Geldhaus soll Kunden geholfen haben, Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar zu waschen.

Konzernchef Cryan hat angekündigt, die größten noch ausstehenden Rechtsstreitigkeiten im Laufe dieses Jahres beilegen zu wollen. Zumindest mit Blick auf den RMBS-Fall könnte ihm das nun gelingen, sofern er sich rasch mit den US-Behörden einigt. Sollte die Buße allerdings höher als budgetiert ausfallen, dürften sich die ohnehin enormen Kapitalprobleme der Deutschen Bank Chart zeigen weiter verschärfen.

Freuen kann sich in jedem Fall der US-Finanzminister. Schließlich, so heißt es in Finanzkreisen, werde das DoJ in Kürze auch mit der britischen Barclays Bank sowie der Schweizer Credit Suisse einen Vergleich schließen. Insgesamt, so schätzen Beobachter, sind bereits rund 200 Milliarden Dollar in die US-Staatskasse geflossen, die Banken für Verfehlungen aus der Zeit vor der Finanzkrise entrichten mussten.

Die Deutsche Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.

insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Motorkopf 09.09.2016
1. Na toll!
der amerikanische Fiskus treibt nebenbei (Stand heute) Ü 17 Mrd. Dollar von der deutschen Industrie ein... Würde sich die ach so hoch angesehene Elite lediglich an Recht und Gesetz halten, könnte sie dieses Geld durchaus sinnvoller in Europa angelegt werden...!
minsk60 09.09.2016
2. begrüßenswert
Sehr gut, wenn eines der teuersten Verfahren endlich abgeschlossen wird. Das verringert die Unsicherheiten über die noch anstehenden Kosten. Die Aktie der Deutschen Bank reagiert auch entsprechend mit Kursgewinnen von aktuell fast 5%.
cum infamia 09.09.2016
3. systemrelevant ?
Wenn die Deutsche Bank erst von der BK als "systemrelevant" erklärt wird, weiß ich wenigstens, woher das Geld kommt. Daher steigen auch jetzt schon die Aktienkurse der DB um ca. 5 % .
stefan.mahrdt 10.09.2016
4. 2020
Ein wichtiger Schritt in Richtung des 150igsten Jubiläums der Deutschen Bank in 2020, wenn diese Odyssee ins anglo-amerikanische Bankwesen beendet sein sollte und als dreißigjährige Episode großer Herausforderungen in Erinnerung bleiben wird. Bis dahin viel Arbeit auf einem steinigen Weg für Aktionäre, Gesellschaft, MitarbeiterInnen und Kunden. Haben wir Vertrauen in die Stärke der dazu erforderlichen Kräfte. Am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. Oscar Wilde
eckawol 11.09.2016
5. Stille Reserven in Sicht,
weil aus verhandlungstaktischen Gründen nicht die einzelne Rückstellungsposten offengelegt werden? Jedenfalls beflügelt es die Fantasie, dass nicht alle Rückstellungen aufgewendet werden müssen und somit ev. auch die Aktionäre aus der Auflösung der Rückstellungen etwas erhalten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.