Milliardendebakel in Österreich BayernLB-Chef Kemmer tritt zurück

Das 3,7-Milliarden-Euro-Debakel bei der BayernLB hat Folgen: Vorstandschef Kemmer tritt wegen der Krise um die österreichische Tochterbank zurück. CSU-Ministerpräsident Seehofer gab nach einer Krisensitzung der Landesregierung bekannt, Finanzvorstand Ermisch übernehme das Amt.

BayernLB-Chef Kemmer (2008): Rückzug nach Milliardenverlust der Landesbank
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BayernLB-Chef Kemmer (2008): Rückzug nach Milliardenverlust der Landesbank


München - Nach dem Milliardendebakel der BayernLB in Österreich räumt Landesbank-Chef Michael Kemmer mit sofortiger Wirkung seinen Posten. Kemmer habe den Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Staatsminister Georg Fahrenschon, gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, teilte die BayernLB am Montagabend mit. Finanzvorstand Stefan Ermisch wird laut bayerischem Ministerpräsidenten Horst Seehofer kommissarisch neuer Bankchef.

Der Vorstandschef zieht damit die Konsequenzen aus der Verstaatlichung der BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria (HGAA) in Österreich. Das Problemengagement in Österreich kostet die bayerischen Steuerzahler nach Angaben der Staatsregierung mehr als 3,7 Milliarden Euro. Kemmers Rücktritt vorangegangen war eine kurzfristig einberufene Kabinettssitzung in der Staatskanzlei. Ministerpräsident Seehofer hatte seinen Finanzminister Georg Fahrenschon (beide CSU) in Schutz genommen und "personelle Konsequenzen" angekündigt.

Während der Sonderkonferenz am Montag sagte Seehofer, man müsse jetzt prüfen, wer welche Rolle als Eigentümer gespielt habe. Daraus würden sich dann die Konsequenzen ergeben. "Wir müssen jetzt schnell und mit Nachdruck einen neuen Vorsitzenden finden."

Die Suche wird nicht einfach sein. Schließlich gilt die BayernLB nun als Chaos-Bank. Zudem sind - bedingt durch den Staatseinstieg - die Vorstandsgehälter auf 500.000 Euro begrenzt.

Regierungserklärung am Dienstag

Der 52-jährige Kemmer stand seit Frühjahr 2008 an der Spitze der staatlichen BayernLB. Allerdings war er zum Zeitpunkt des Kaufs der HGAA im Mai 2007 auch schon Mitglied des Bankvorstands und dort für den Bereich Finanzen zuständig. Inzwischen gilt der Kauf der HGAA, die am Montagmorgen von Österreich komplett verstaatlicht wurde, um sie vor dem Untergang zu bewahren, als großer Fehler.

Die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel hält den Rücktritt des Kemmers für nicht ausreichend. Die Bundestagsabgeordnete sagte, die Verantwortung für den umstrittenen Kauf der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) liege nicht allein beim Vorstand der Landesbank. Vielmehr müsse auch die Rolle der beteiligten Politiker umfassend aufgeklärt werden. Scheel forderte den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) auf, in seiner Regierungserklärung am Dienstag auf diese Frage einzugehen.

In seiner kurzen Zeit an der Spitze der BayernLB stand Kemmer schon einmal vor dem Rauswurf. Seehofer (CSU) empörte sich über ihn, weil er sich im Oktober 2008 über die Belastungen der Bank falsch informiert gefühlt hatte. Kemmers Rücktritt galt damals als besiegelte Sache. Aber die Mitarbeiter der BayernLB kämpften um ihren Chef und protestierten in einer beispiellosen Aktion gegen die bayerische Staatsregierung. Die Bilder von dem übernächtigten, aber glücklich lächelnden Bankchef inmitten der Belegschaft gehörten zu den ungewöhnlichsten Szenen des Finanzjahres 2008.

Erst im Sommer Befürchtungen vor weiteren Risiken zurückgewiesen

Das Milliardendebakel bei der österreichischen Hypo Alpe Adria hat allerdings inzwischen so große finanzielle und politische Ausmaße angenommen, dass Kemmer nun doch seinen Stuhl räumen muss. Nochmals dürften die BayernLB-Beschäftigten für den Chef kaum auf die Straße gehen. Denn der Zwei-Meter-Mann Kemmer schwenkte zur Rettung der Bank in den vergangenen Monaten auf einen harten Sanierungskurs ein, dem 5600 Arbeitsplätze zum Opfer fallen; zahlreichen BayernLB-Mitarbeitern werden die Pensionsansprüche gekürzt. Die Stimmung in der BayernLB-Zentrale rutschte in den Keller, als vor wenigen Wochen die neuen Probleme durch die österreichische Tochter bekannt wurden. Dabei hatte Kemmer erst im Sommer Befürchtungen vor weiteren Milliardenrisiken zurückgewiesen.

Kemmer sollte sich auf diesem Gebiet eigentlich auskennen: Mehrere Jahre lang war der gebürtige Nördlinger bei der HypoVereinsbank Vorstand für Risikomanagement. Als die HVB 2005 von der italienischen Großbank UniCredit übernommen wurde, bekam er das Angebot, das Risiko-Management der Bank in Mailand zu verantworten. Doch angeblich wegen des schwierigen Klimas und der Ausgestaltung seines Aufgabenbereiches blieb er lieber in München. Im Juni 2006 trat er dann bei der BayernLB an. Als sein Vorgänger Werner Schmidt über eine Informationspanne stürzte, übernahm er am 1. März 2008 den Chefposten bei der BayernLB.

fro/dpa/ddp/Reuters



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lupenrein 14.12.2009
1.
Zitat von sysopChaos bei der BayernLB: Das Institut hat sich in der Finanzkrise schwer verspekuliert - jetzt muss der Steuerzahler Milliardenrisiken übernehmen. Wer trägt die Verantwortung?
Man sucht 'verweifelt' Schuldigen, findet aber keine
Sapientia, 14.12.2009
2. BayernLB-Chef Kemmer tritt zurück
Zitat von sysopChaos bei der BayernLB: Das Institut hat sich in der Finanzkrise schwer verspekuliert - jetzt muss der Steuerzahler Milliardenrisiken übernehmen. Wer trägt die Verantwortung?
Dann hat er schon die Kohlen im eigenen Keller.
Interessierter0815 14.12.2009
3.
Zitat von sysopChaos bei der BayernLB: Das Institut hat sich in der Finanzkrise schwer verspekuliert - jetzt muss der Steuerzahler Milliardenrisiken übernehmen. Wer trägt die Verantwortung?
Bis die Stimmung im Land kippt...
Cienne 14.12.2009
4.
WOllte gerade sagen... Als ob das dem etwas ausmacht. Der wird genügend Geld auf Halde haben für den Rest seines Leben... :/
malbec freund 14.12.2009
5. Wie gehts weiter ?
na, bei der BayernLB gehts halt genau so weiter wie bei der LBBW,HSH,WestLB,BerlinerLB. Es werden 1-3 mindere unschuldige Vorstände gekündigt, die Schuldigen lachen sich eins, und der Bürger zahlt. Frohe X-mas.
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