Milliardenplan Chemie-Dickschiff Evonik drängt an die Börse

Am Aktienmarkt bahnt sich ein Riesengeschäft an: Der Chemiekonzern Evonik prüft nach Informationen von SPIEGEL ONLINE einen Börsengang. Das Volumen der Ausschüttung könnte mehrere Milliarden betragen - das Unternehmen gilt als möglicher Dax-Kandidat.

Evonik-Chef Engel: Der Manager hat das Unternehmen für den Kapitalmarkt fit gemacht
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Evonik-Chef Engel: Der Manager hat das Unternehmen für den Kapitalmarkt fit gemacht

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Hamburg - Evonik hat schon früher mit einem Börsengang geliebäugelt - jetzt wird die Idee konkret: Die Haupteigentümer prüfen derzeit gemeinsam mit dem Vorstand den Gang an die Börse, sagte Ulrich Winkler, Sprecher der RAG-Stiftung, SPIEGEL ONLINE. Die RAG-Stiftung hält rund drei Viertel der Evonik-Anteile, der Rest gehört dem Finanzinvestor CVC.

Auch einen Zeitplan gibt es schon. "Der Vorstand der RAG-Stiftung wird seinem Kuratorium in der April-Sitzung über das Prüfergebnis berichten; dann soll im Aufsichtsgremium über das weitere Vorgehen beraten werden", sagte Winkler. Sobald die Gremien den Plan abgesegnet haben, können die Vorbereitungen starten. Diese dauern normalerweise sechs bis acht Monate - ein Börsengang wäre also Ende des Jahres möglich, spätestens im Frühjahr 2012.

Zum Volumen des möglichen Börsengangs sagte Winkler nichts. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es beträchtlich wäre: Evonik gilt als Anwärter für den Dax. Als CVC 2008 rund 25 Prozent der Evonik-Anteile kaufte, wurden 2,4 Milliarden Euro erlöst. Würden nun noch einmal die Hälfte der Unternehmensanteile verkauft, wäre der Deal rasch mehrere Milliarden schwer - der Börsengang wäre damit einer der größten der vergangenen Jahre.

Konzernchef Klaus Engel hat Evonik für den Kapitalmarkt fit gemacht. Er fokussierte den einstigen Mischkonzern auf sein größtes Geschäftsfeld, die Spezialchemie, und verkaufte zahlreiche andere Geschäftsbereiche. Schon vor gut einem Jahr bezeichnete er das Unternehmen als börsenfähig. Doch damals war es zu unsicher, den Kapitalmarkt anzuzapfen: Zu stark schwankten die Aktienmärkte, viele Anleger verkauften eher Papiere als neue zu erwerben. Jetzt ändert sich die Stimmung. Neben Evonik streben noch andere Großkonzerne an die Börse - unter anderem die Reederei Hapag-Lloyd.

Für die RAG-Stiftung wäre der Evonik-Börsengang ein wichtiger Schritt. Sie hatte sich 2008 im Rahmen eines zweigleisigen Verfahrens auf einen Börsengang als auch auf einen Anteilsverkauf vorbereitet. Die Organisation soll den Ausstieg aus der deutschen Kohleförderung so gestalten, dass er die Gesellschaft nicht belastet.

Die letzten Zechen schließen 2018, die RAG-Stiftung soll ihre Folgekosten zahlen. Dabei geht es unter anderem um die Kosten für die Sanierung alter Schächte - und für das Abpumpen von Wasser, damit das durch die Kohleförderung abgesenkte Land nicht absäuft. Rund sieben Milliarden Euro soll die RAG-Stiftung insgesamt bereitstellen.

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insgesamt 7 Beiträge
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la borsa, 09.03.2011
1. Ehrlicher Startwert ist wichtig.
Zitat von sysopAm Aktienmarkt bahnt sich ein Riesengeschäft an: Der Chemie-Konzern Evonik prüft nach Informationen von SPIEGEL ONLINE derzeit einen Börsengang. Das Volumen der Ausschüttung könnte mehrere Milliarden betragen*- das Unternehmen gilt als möglicher Dax-Kandidat. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,749824,00.html
Derzeit ist die RAG-Stiftung und ein Finanzhai Anteilseigner. Durch den Börsengang wird es möglich, dass beide Hauptanteilseigner Kasse machen können. Deshalb ist es für künftige Anleger wichtig, den Ertragswert der Evonik abzuprüfen, um einen angemessen Kurswert bei Börseneinführung zu bestimmen. Es wäre fatal, wenn es so käme wie damals bei der Telekom, die mit einem zu hohen Startwert an die Börse ging, und diesen nie wieder aufgeholt hat. Die Verlierer waren damals die Erstanleger. Will die Evonik ein langfristig gutes Standing im DAX haben, dann dürfen die Alteigner nicht gierig sein.
CapHad 09.03.2011
2. Boom
Gerade wenn die Börsen boomen, die Wirtschaftsanalysten sich vor guten News überschlagen und die Anleger anfangen blind zu kaufen, ist ein Engagement für Kleinanleger riskant. Die Kurse müssen doch früher oder später fallen! Rein aus Instinkt würde ich sagen (zerfleischt mich ruhig für mein Halbwissen;) Aktien zeichnen, maximal 1-2 Monate halten und mit Gewinn verkaufen. Später die Konsolidierung abwarten und dann vielleicht einen Wiedereinstieg erwägen.
Crom 09.03.2011
3. ...
Zitat von la borsaDerzeit ist die RAG-Stiftung und ein Finanzhai Anteilseigner. Durch den Börsengang wird es möglich, dass beide Hauptanteilseigner Kasse machen können. Deshalb ist es für künftige Anleger wichtig, den Ertragswert der Evonik abzuprüfen, um einen angemessen Kurswert bei Börseneinführung zu bestimmen. Es wäre fatal, wenn es so käme wie damals bei der Telekom, die mit einem zu hohen Startwert an die Börse ging, und diesen nie wieder aufgeholt hat. Die Verlierer waren damals die Erstanleger. Will die Evonik ein langfristig gutes Standing im DAX haben, dann dürfen die Alteigner nicht gierig sein.
Die Telekom-Aktie stieg seinerzeit zur erst, ehe es dann den raschen Abschwung gab. Verlierer waren die, welche sich nicht frühzeitig genug von der T-Aktie trennen wollten und nach noch höheren Kursgewinnen schielten.
fatstrat 09.03.2011
4. Genau, ein Finanzhai, oder auch Carcharodon-Heuschrecke ;-)
Zitat von la borsaDerzeit ist die RAG-Stiftung und ein Finanzhai Anteilseigner. Durch den Börsengang wird es möglich, dass beide Hauptanteilseigner Kasse machen können. Deshalb ist es für künftige Anleger wichtig, den Ertragswert der Evonik abzuprüfen, um einen angemessen Kurswert bei Börseneinführung zu bestimmen. Es wäre fatal, wenn es so käme wie damals bei der Telekom, die mit einem zu hohen Startwert an die Börse ging, und diesen nie wieder aufgeholt hat. Die Verlierer waren damals die Erstanleger. Will die Evonik ein langfristig gutes Standing im DAX haben, dann dürfen die Alteigner nicht gierig sein.
Lesen Sie bitte den Artikel nochmal, da steht drin, was mit dem Erlös passiert: Er geht ungebremst an die Bundesregierung bzw. einen Treuhandfonds, der wiederum damit die Schäden aus dem sogenannten schwarzen Geschäft des Evonik-Vorgängers Ruhrkohle AG beseitigen wird, die aus Evonik bei Gründung ausgegliedert wurden, um dem Unternehmen eine Lebenschance zu geben. Und es gibt eine Vorgabe, wonach m.W. (kann man ergoogeln) knappe 7 Mrd. Euro MINDESTmasse erlköst werden müssen, was für einen Börsengang, trade sale oder sonstige Veräusserung eine gewisse Untergrenze für die Anteilspreise legt. Das Gierargument ist demnach hier fehl am Platze, es wird quasi nur die Hypothek zurückgezahlt, die man Evonik bei Gründung erspart hat. Genau zu diesem Zweck wurde übrigens auch CVC an Bord genommen, die 2 Mrd. Euro für 25,01% der Anteile gezahlt hatten, wohlgemerkt NACH dem Platzen der ersten Börsengangpläne von Evonik. Mit diesem Erlös wurde dem Treuhänder eine erste Anzahlung auf Bergschadensbeseitigung geliefert, nicht mehr und nicht weniger. Und dass CVC bei Ausstieg auch etwas Geld verdienen möchte (durch einen höheren Ausstiegspreis bei Börsengang), sollten Sie ihnen nachsehen...tun wir das nicht alle irgendwie? Also Geld verdienen wollen?
Medevac 09.03.2011
5. Kohlepfennig
...moment mal, wie, die Aktien sollen verkauft werden ? Das ist unser Unternehmen, jeder der mit dem "Kohlepfennig" zwangsbeglückt wurde, müsste jetzt Aktien gratis erhalten. Wenn schon der politische Zwang da war und ist die überaus unzeitgemäße Energieform Steinkohle einzusetzen, dann ist es selbstverständlich, daß die in Tochterunternehmen erwitschafteten Gewinne wieder an die geschöpften Stomkunden zurückfließen. Und zwar vollständig !
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