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14. November 2010, 12:27 Uhr

Milliardenspekulation

Kerviel erhebt schwere Vorwürfe gegen Bank

Der Börsenspekulant Jérôme Kerviel hat massive Vorwürfe gegen die französische Großbank Société Générale und die französische Justiz erhoben. "Man wollte offenbar die Bank und den Pariser Finanzplatz schützen", sagte er dem SPIEGEL im ersten Interview nach seiner Verurteilung.

Durch Fehlspekulationen in Milliardenhöhe trieb der Börsenhändler Jérôme Kerviel die Bank Société Générale fast in den Ruin - und war im Oktober zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und einer Schadensersatzzahlung von 4,9 Milliarden Euro verurteilt worden. Diese Summe entsprach dem Schaden, den Kerviel mit seinen Wetten auf die Entwicklung des Deutschen Aktienindex verursacht hatte.

Doch Kerviel will sich damit nicht abfinden, sieht eine Mitschuld bei der Bank und hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Er habe dem Gericht viele Beweise geliefert, "dass viele Händler ähnlich vorgingen wie ich und dass meine Chefs wussten, was da lief", sagte er dem SPIEGEL im ersten Interview nach seiner Verurteilung.

Seine Vorgesetzten hätten die Sicherheitssysteme an seinem Computer deaktiviert. Er habe innerhalb von zwei Jahren Wertpapiere in Höhe von 400 Milliarden Euro mit fiktiven Gegenparteien gehandelt. Die Kontrolleure der Bank hätten all das gesehen, aber nie etwas gesagt, so Kerviel im SPIEGEL.

Ausführlich schildert der Ex-Aktienhändler zwei Interventionen der deutschen Derivatebörse Eurex bei der Société Générale im Jahr 2007, die in Bezug auf Kerviel den Verdacht der Marktmanipulation äußerten. "Später sagte mir mein Chef, dass ich mir eine nichtssagende Antwort auf die Fragen der Deutschen ausdenken und auf keinen Fall meine Handelsstrategie offenlegen solle", beschreibt Kerviel die Reaktion.

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