Millionen-Diebstahl Russische Cyber-Bande soll Citibank gehackt haben

Hacker haben nach Informationen des "Wall Street Journal" ein IT-System der amerikanischen Citibank geknackt - und viele Millionen Dollar geklaut. Die digitalen Bankräuber kamen offenbar aus Russland. Das Finanzinstitut dementiert den Vorfall.
Citigroup: Einst der größte Finanzkonzern der Welt

Citigroup: Einst der größte Finanzkonzern der Welt

Foto: A2800 epa Justin Lane/ dpa

Hamburg - Es klingt nach einem schlechten Krimi, ist aber offenbar russisch-amerikanische Gegenwart: Das FBI untersucht offenbar eine Hacker-Attacke auf die US-Niederlassung der Citibank, die zum Diebstahl einer mindestens zweistelligen Dollar-Millionensumme führte. Die Täter stünden in Verbindung zu einer russischen Cyber-Gang, berichtet das "Wall Street Journal" ("WSJ").

Unklar ist noch, ob die Diebe direkten Zugang zum Citibank-System bekamen oder Dritte mit im Spiel waren. Die genaue Schadenssumme wurde nicht bekannt.

Der Mutterkonzern Citigroup wies den Bericht zurück. "Wir hatten keinen Einbruch in unser System und es gab keine Verluste, keine Verluste bei den Kunden, keine Verluste bei der Bank", sagte Joe Petro, Direktor der Sicherheitsabteilung des Unternehmens. "Alle Berichte, dass das FBI an einem Fall bei der Citigroup arbeitet, bei dem es um Millionenverluste geht, sind falsch."

Über die angebliche Attacke sind nur wenige Details bekannt. Offenbar wurde sie im Sommer entdeckt - die Ermittler schließen dem Bericht zufolge nicht aus, dass sie schon vor Monaten oder sogar Jahren geschah. Neben dem FBI waren auch der Geheimdienst National Security Agency und das US-Heimatschutzministerium eingeschaltet, um die Attacke zu kontern.

Große Sorgen bei den Ermittlern

Ursprünglich wurde die Bedrohung der Zeitung zufolge von US-Ermittlern entdeckt, die verdächtigen Verkehr von Internetadressen beobachteten, die dem sogenannten Russian Business Network zugeordnet wurden. Dabei handelt es sich um eine russische Bande, die Hacker-Werkzeuge und Software verkaufte, um auf US-Regierungssysteme zugreifen zu können. Eigentlich verschwand die Gruppe vor zwei Jahren - Sicherheitsexperten vermuten aber, dass sich die Ehemaligen mittlerweile in kleineren Hacker-Gruppen zusammengefunden haben.

Die vom "WSJ" beschriebene Attacke auf die Citibank macht den Ermittlern große Sorgen. In dem Bericht werden FBI-Schätzungen zitiert, denen zufolge die Verluste wegen Online-Kriminalität in den USA im vergangenen Jahr mehr als 260 Millionen Dollar betrugen. Die ehemalige Cyber-Sicherheitsbeauftragte des Weißen Hauses, Melissa Hathaway, vertritt sogar die Meinung, die Attacken auf Konzerne hätten inzwischen "epidemische Ausmaße" erreicht.

Die Citibank ist Teil der Citigroup, die vor nicht allzu langer Zeit noch das größte Finanzkonglomerat der Welt war - der Angriff gefährdete also die IT-Sicherheit eines der wichtigsten Finanzkonzerne überhaupt. Die Sorge ist nun, dass die Hacker, die ein solches System knacken können, wohl auch vielen anderen Unternehmen gefährlich werden können. Sie könnten neben Geld womöglich auch Daten klauen oder manipulieren und damit zum Beispiel Chaos in der IT-Vernetzung der Finanzindustrie auslösen.

Der Angriff auf die Citibank macht Experten zufolge klar, wie die kriminellen Banden inzwischen auch die nationale Sicherheit bedrohen. Denn neben dem Finanzinstitut waren noch zwei andere Websites ins Visier der Hacker geraten - bei mindestens einer handelt es sich nach Informationen des "WSJ" um die einer Regierungsstelle.

böl