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21. Dezember 2009, 16:16 Uhr

Millionenstrafen

Kartellamt knöpft sich Kaffeebranche vor

Die 160-Millionen-Euro-Strafe gegen Tchibo, Melitta und Dallmayr war offenbar erst der Anfang. Das Kartellamt hat die drei großen Kaffeeröster wegen illegaler Preisabsprachen zu einer hohen Geldbuße verurteilt - doch Verfahren gegen weitere Anbieter laufen noch.

Bonn - Illegale Preisabsprachen statt Konkurrenz: Das Bundeskartellamt hat wegen unerlaubter Preisabsprachen Geldbußen von knapp 160 Millionen Euro gegen drei Kaffeeröster verhängt. Das Bußgeld richtet sich gegen Tchibo (Hamburg), Melitta Kaffee (Bremen) und Alois Dallmayr (München) sowie sechs verantwortliche Mitarbeiter, wie das Kartellamt am Montag mitteilte.

Seit mindestens Anfang 2000 bis zu einer Durchsuchung der Unternehmen im Juli 2008 seien mehrfach Preiserhöhungen abgesprochen worden - zu Lasten der Endverbraucher. Dadurch kletterten die Preise wichtiger Produkte wie Filterkaffee, Espresso, Kaffeepads und Kaffeebohnen teilweise drastisch.

Nach Erkenntnissen des Kartellamtes agierte über viele Jahre hinweg ein "Gesprächskreis" aus Geschäftsführern und Vertriebsleitern der Kaffeeröster. Die Betroffenen sprachen "Zeitraum, Höhe, Umfang, Zeitpunkt der Bekanntgabe sowie das Inkrafttreten beabsichtigter Preiserhöhungen miteinander ab", so die Behörde.

Weitere Untersuchungen bis ins kommende Jahr

Diese Verfahren hätten zu fünf Preiserhöhungen zwischen 2003 und 2008 geführt, die mit einer Ausnahme - im März und April 2008 - auch alle im Markt durchgesetzt wurden. Der Lebensmitteleinzelhandel habe die Preiserhöhungen in der Regel unmittelbar an die Endkunden weitergegeben: Allein die Preisanhebungen, die Ende 2004 und im April 2005 angekündigt worden waren, verteuerten den Röstkaffee um durchschnittlich mehr als einen Euro pro 500-Gramm-Packung.

Allerdings seien die Geldbußen noch nicht rechtskräftig, erklärte das Bundeskartellamt. Die Unternehmen und betroffenen Manager können noch Einspruch einlegen. Dann müsse das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden.

Grund zur Entwarnung gibt es für die Branche nach der Verhängung der Geldbußen gegen die drei großen Anbieter aber nicht: Bei der Behörde liefen Verfahren gegen zahlreiche weitere Kaffee-Röster wegen des Verdachts auf Preisabsprachen für den Verkauf von Kaffee an die Gastronomie und andere Großabnehmer. Dabei gehe es unter anderem um Preisabsprachen für Cappuccino. Diese Untersuchungen sollten in der ersten Hälfte 2010 abgeschlossen werden. Nähere Angaben könnten bis dahin nicht gemacht werden.

böl/dpa/AFP

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