Minus-Märkte Anleger bekommen es wieder mit der Griechen-Angst zu tun

Die Sorge vor dem finanziellen Zusammenbruch Griechenlands ist wieder da: Versicherungen gegen den Zahlungsausfall des Staates sind so teuer wie nie zuvor. Investoren schätzen das Pleite-Risiko des Landes nun auf deutlich über 50 Prozent.

Frankfurter Börse: Der Dax gab am Donnerstag um 1,4 Prozent nach
dpa

Frankfurter Börse: Der Dax gab am Donnerstag um 1,4 Prozent nach


Frankfurt am Main - Es ist, als hätte es das gigantische Rettungspaket für den Euro nie gegeben. Die Finanzmärkte machen sich wieder Sorgen um den finanziellen Zustand Griechenlands. Entsprechend gerieten die Anleihen- und Devisenmärkte am Donnerstag erneut unter Druck.

Die europäische Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,2263 Dollar, erholte sich am Nachmittag aber wieder. "Die Sorge um die europäischen Peripherieländer hat heute morgen zugenommen, und der Markt ist darauf stärker fixiert als auf die US-Daten", sagte Anleihe- und Devisenstrategin Jessica Hoversen von MF Global.

Besonders griechische Staatsanleihen gerieten unter Verkaufsdruck. Analysten zufolge lag das vor allem daran, dass viele Indexfonds die Titel zum Monatsende abstoßen werden, da diese nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's nur noch "Ramsch-Status" besitzen.

Rendite deutlich höher als bei Bundesanleihen

Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei den Versicherungen, mit denen sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall griechischer Staatsanleihen absichern können. Sie waren am Donnerstag so teuer wie nie zuvor: Um Papiere über zehn Millionen Euro zu versichern, waren 1,085 Millionen Euro fällig. Am Mittwochabend waren es 934.200 Euro gewesen. Dem Datenanbieter CMA zufolge wird die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls innerhalb von fünf Jahren an den Finanzmärkten mit 56,5 Prozent eingestuft.

Investoren verlangten bei zehnjährigen griechischen Papieren zeitweilig eine rund acht Prozentpunkte höhere Rendite als für Bundesanleihen gleicher Laufzeit. Die Risikoprämie stieg auch bei den Papieren anderer Staaten an, die mit der Schuldenkrise zu kämpfen haben. Gefragt waren bei Anlegern hingegen Bundesanleihen.

Die Angst vor einer griechischen Staatspleite machte sich auch an den europäischen Börsen bemerkbar. Der Dax Chart zeigen verlor 1,4 Prozent auf 6115 Zähler. Der EuroStoxx Chart zeigen gab bis zum Handelsschluss sogar um 2,2 Prozent auf 2.645 Punkte nach.

Griechenland will Sparziele übertreffen

Die griechische Regierung verwies auf die stabile Entwicklung der Finanzlage im laufenden Jahr. "Wir haben die gut begründete Hoffnung und sind optimistisch, dass die Haushaltsziele erreicht oder sogar übertroffen werden", sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am Donnerstag auf einer Bankenkonferenz.

Griechenland peilt im Gegenzug für ein Hilfspaket von der EU und dem Internationalen Währungsfonds eine Reduzierung des Haushaltsdefizits auf 8,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr an. 2009 lag der Fehlbetrag bei 13,6 Prozent.

Papakonstantinou appellierte an die Geldinstitute des Landes, "große Schritte" zu unternehmen, um die Zukunft des Bankensystems zu sichern. Die Geldhäuser müssten Wege finden, die Kreditvergabe an die Wirtschaft zu maximieren und die Bezahlung ihrer Manager überprüfen.

fdi/Reuters/dpa-AFX



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