Missbrauch von Marktmacht Google kontert Vorwürfe der EU

Händler, die bei Google Anzeigen schalten, landen in den Suchergebnissen ganz weit oben. Missbrauch der Marktmacht, wettert die EU-Kommission. Ein Vorwurf bar jeder Realität, hält der Suchmaschinenkonzern dagegen.

Googles-Europazentrale in Dublin
AFP

Googles-Europazentrale in Dublin


Google hat die Vorwürfe der EU-Kommission, in seinen Suchergebnislisten Wettbewerber zu benachteiligen, erneut zurückgewiesen. In einer Antwort an die Brüsseler Behörde bekräftigte Google, das Vorgehen sei im Interesse der Nutzer und verzerre den Wettbewerb nicht. Die Kommission wirft Google Chart zeigen vor, in der Shopping-Suche eigene Dienste zu bevorzugen. Konkurrenten wie Preissuchmaschinen hätten das Nachsehen. In letzter Konsequenz können am Ende des Verfahrens eine Milliardenstrafe und Auflagen für das Geschäftsmodell stehen.

Google kritisiert unter anderem, die Kommission berücksichtige nicht die Rolle des weltgrößten Online-Händlers Amazon Chart zeigen und missachte damit, wie die meisten Menschen tatsächlich online einkauften. So habe eine jüngste Studie ergeben, dass in Deutschland ein Drittel der Online-Shopper zunächst bei Amazon suche - unabhängig davon, wo sie am Ende kauften. Nur 14,3 Prozent schauten zunächst bei Google nach und lediglich 6,7 Prozent bei Preisvergleichs-Portalen.

In der Shopping-Suche von Google werden prominent die von Händlern beim Internet-Konzern platzierten ausführlichen Anzeigen mit Fotos, Preisen und Links präsentiert. Das betrachten EU-Kommission und einige Preissuchmaschinen als Bevorzugung eigener Dienste. Google kontert, diese "verbesserten" Suchergebnisse erleichterten den Nutzern die Auswahl und den Kontakt zu Händlern. "Das ist keine Bevorteilung, sondern wir hören unseren Kunden zu", erklärte der Internet-Konzern in einem Blogeintrag am Donnerstag.

Kunden kämen auf verschiedensten Wegen zu Online-Händlern, argumentierte Google: "Über allgemeine Suchmaschinen, spezialisierte Suchdienste, Händlerplattformen, soziale Medien und Online-Anzeigen." Außerdem erreichten die Händler die Kunden immer mehr auch direkt, zum Beispiel über Apps auf mobilen Geräten.

Das Verfahren ist eines von drei, in denen die EU-Kommission Google vorwirft, den Wettbewerb zu verzerren. In einem weiteren geht es um das führende Smartphone-System Android. Hier steht Mitte November die Antwort von Google auf die Vorwürfe der Wettbewerbshüter auf dem Plan. Im Sommer nahm die Kommission erstmals auch das Google-Kerngeschäft mit Suchmaschinenwerbung ins Visier. Dabei geht es um den Teildienst "AdSense for Search", bei dem andere Websites Google-Suchmasken einbinden können.

mik Reuters



insgesamt 6 Beiträge
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a.peanuts 03.11.2016
1. Da muss ein Whistleblower her
Ein paar Milliönchen zur Belohnung,könnten nachhelfen. In jeder Firma gibt es Machtkämpfe,wiso nicht dort.
Sepp1966 03.11.2016
2. Interessant.
Woher hat den Google diese Zahlen?
pepe-b 03.11.2016
3. Ich verstehe es nicht
Google ist ein Privatunternehmen und es steht ihm frei sein Angebot zu gestalten wie es will - genau wie es jedem Kunden frei steht das angebotene Produkt bzw. den Dienst zu nutzen. Es gibt viele verschiedene Suchmaschinen und jeder entscheidet selbst, welche er benutzt. Missbrauchen Fernsehsender eigentlich auch ihre Marktmacht, nur weil wir dort nur bezahlte Werbung sehen? Ich meine im TV sieht man unbezahlte Werbung überhaupt nicht - bei Google wenigstens etwas später. Ich finde das völlig legitim.
spon-facebook-10000220808 03.11.2016
4.
@Sepp beobachte mal deinen Internet Traffic - vor allem in die Richtung was alles (automatisch) aufgerufen wird. Google Analytics ist hier von Interesse. Als Beispiel nenne ich mal das Programm "Battle.net" von der Firma Blizzard - ein Launcher um die ganzen Spiele der Firma zu starten. Eigentlich nix besonderes, aber das ERSTE was das Programm aufruft ist ein Google-Analytics Link(natürlich bekommt der Nutzer davon nix mit..). Das selbe gilt für nahezu jede größere Seite im Internet. Ich glaube Google Analytics ist sogar #1 Weltweit wenn es um Web-Analyse geht. Von daher - die wissen ALLES ;)
crazy_swayze 04.11.2016
5.
Ich habe noch nie bei Google Shopping nach Artikeln gegoogelt. Ich denke vielen geht es hier ähnlich. Viel eher schon bei amazon, wo man mal eben schnell einen ersten Preischeck macht. Von daher blamiert sich mMn die EU abermals als eine Institution, die eigentlich keine Ahnung hat aber gerne laut rumnölt.
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