Misstrauen der Investoren Belgien und Italien müssen hohe Zinsen zahlen

Es gibt noch frisches Geld für klamme Euro-Staaten: Mit Italien und Belgien zapften am Montag gleich zwei hochverschuldete Länder erfolgreich die Kapitalmärkte an. Doch die Zinsen, die sie den Anlegern zahlen müssen, sind extrem hoch - und der wirkliche Test steht noch bevor.
Italiens Ministerpräsident Mario Monti: Hohe Zinsen für neue Schulden

Italiens Ministerpräsident Mario Monti: Hohe Zinsen für neue Schulden

Foto: ANDREAS SOLARO/ AFP

Brüssel/Rom - Aufatmen in Italien und Belgien: Die hochverschuldeten Länder haben sich am Montag frisches Geld am Kapitalmarkt beschafft - allerdings zu sehr hohen Zinsen.

Belgien musste den Investoren bei einer Auktion zehnjähriger Staatsanleihen so viel bieten wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Die Rendite lag bei 5,66 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit Anfang 2000. Mit den Anleihen nahm der belgische Staat 450 Millionen Euro ein.

Ende Oktober hatte die Rendite bei einer ähnlichen Auktion noch deutlich niedriger bei 4,37 Prozent gelegen. Neben der zehnjährigen Anleihe versteigerte Belgien am Montag weitere Papiere mit Fälligkeiten von 2018 bis 2041. Das Gesamtvolumen lag bei rund zwei Milliarden Euro.

Die Auktion fand in einem schwierigen Umfeld statt: Am Freitagabend hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonität Belgiens herabgestuft - unter anderem wegen politischer Unwägbarkeiten. Nur wenige Stunden später hatten sich dann mehrere Parteien auf ein milliardenschweres Sparpaket sowie Strukturreformen geeinigt. Damit scheint ein Ende der schweren politischen Krise Belgiens nahe. Das Land ist seit rund eineinhalb Jahren ohne Regierung.

Ein bisschen Hoffnung für den Euro

Auch Italien war mit einer Auktion erfolgreich. Das Finanzministerium begab Anleihen mit einer Laufzeit bis September 2023 im Volumen von 567 Millionen Euro und musste Anlegern eine Bruttorendite von 7,3 Prozent bieten. Zinsen über der Marke von sieben Prozent gelten für die Refinanzierung der Schulden als mittelfristig untragbar.

An den Finanzmärkten entspannte sich die Lage am Montag minimal. Der Kurs des Euro   stieg um etwa eineinhalb Cent auf knapp unter 1,34 Dollar. Auch die Kosten für die Kreditausfallversicherungen (CDS) italienischer, belgischer, spanischer, französischer und auch deutscher Anleihen gaben wieder etwas nach.

Händler erklärten, viele Marktteilnehmer setzten trotz aller Widrigkeiten auf eine Lösung der Euro-Krise. "Die Medienberichte vom Wochenende deuten darauf hin, dass Deutschland und Frankreich strengere Stabilitätskriterien vorstellen wollen, die eine Änderung der Verträge umgeht", sagte Markit-Analyst Gavan Nolan.

Der nächste Test für das Vertrauen der Investoren in die Sparpläne der neuen italienischen Regierung folgt bereits am Dienstag: Dann will Italien Staatsanleihen über bis zu acht Milliarden Euro begeben.

Am Montag dementierten sowohl die EU als auch der Internationale Währungsfonds (IWF) Berichte, wonach es internationale Hilfen für das angeschlagene Land geben solle. "Italien hat nicht um Geld gebeten, es gibt bisher keine Anfrage", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Zuvor hatte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Pressebericht über angebliche Milliarden-Hilfe für Italien zurückgewiesen.

stk/Reuters/dpa
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