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Neue Muttergesellschaft: Googles Alphabet

Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Neue Dachfirma Alphabet Google räumt auf

Der Web-Gigant Google erfindet sich neu: Unter einer Holding namens Alphabet spaltet es sich in Tochterfirmen auf. Damit eifern Gründer Larry Page und Sergey Brin ihrem Idol nach - Star-Investor Warren Buffett.

Sie könnten kaum gegensätzlicher sein. Der eine, gerade erst 42, ist ein Innovator, der den weltgrößten Internetkonzern miterfand. Der andere, genau doppelt so alt, ist ein ebenso kauziger wie legendärer Investor, der an den Ideen anderer verdient und nicht mal eine E-Mail-Adresse hat.

Dabei haben Larry Page und Warren Buffett so viel gemein. Seit Jahren verehrt der Google-Chef den 84-jährigen Patriarchen des Industriekonglomerats Berkshire Hathaway. Als Page und sein Partner Sergey Brin Google 2004 an die Börse brachten, schrieben sie einen blumigen Brief an ihre Aktionäre  - mit einer einzigen Fußnote: "Vieles hiervon ist inspiriert von den Essays Warren Buffetts."

Jetzt imitieren sie dessen seit mehr als einem halben Jahrhundert selten fehlgehenden Geschäftssinn völlig: Über Nacht haben sie Google in ein gigantisches Firmenkonglomerat à la Berkshire verwandelt - und sich selbst damit in die Warren Buffetts der Silicon-Valley-Generation.

"Der Name steht für eine Sammlung von Buchstaben"

Page verkündete die News am Montagabend erneut in einem Schreiben an die Aktionäre . Das bisherige Google geht in einer neuen Holding-Gesellschaft namens Alphabet auf. Als Google firmiert fortan nur noch das traditionelle Web-Geschäft, während der oft obskure Rest des Google-Reichs sich zu unabhängigen Firmen wandelt - etwa der Thermostathersteller Nest oder das Biotech-Startup Calico, das die Verlängerung der menschliche Lebenserwartung erforscht.

"Unser Konzern läuft heute gut, aber wir denken, dass wir es sauberer und verantwortlicher machen können", schrieb Page. Der Brief strotzte nur so vor jugendlichem Hype ("superbegeistert") und Silicon-Valley-Wortgeklingel: "Wir mögen den Namen Alphabet, denn er steht für eine Sammlung von Buchstaben, die Sprache repräsentieren." Er hoffe, spottete Tech-Kolumnist Rob Pegoraro daraufhin auf Twitter, dass Googles Cafeteria "morgen Buchstabensuppe serviert".

Auf den ersten Blick steckt hinter all diesen Sprechblasen ein rein organisatorischer Umbau: Das immer verzweigtere Google-Imperium - das seine Urvision längst aus den Augen verloren zu haben scheint - wird auseinanderklamüsert in getrennte Firmen mit getrennten Aufgaben und getrenntem Management, zwecks besserer Übersicht und, so verspricht es Page jedenfalls, transparenterer Finanzbuchhaltung.

Sundar Pichai wird Google-Chef

Unter dem neuen Dachkonzern Alphabet nimmt, quasi als interne Auslagerung, ein "etwas verschlanktes" Google den größten Platz ein. Dazu gesellen sich all die "entfernteren" Firmen, die Google über die Jahre gesammelt hat. Etwa Nest, Calico, Google Fiber (Internet- und Kabeldienste), Google Ventures und Capital (Investments), Life Sciences (Gesundheitsinnovationen) und, unter Führung von Brin, die schlagzeilenträchtige Ideenfabrik Google X (selbstfahrende Autos).

Im Video: Aus Google wird Alphabet

Auch personell wird verschlankt. Page und Brin leiten Alphabet. Neuer Vorstandsvorsitzender von Google - das weiter Suche, Maps, YouTube und Gmail umfasst - wird Sundar Pichai. Der 43-jährige Inder ist ein stiller Szenestar, der bei Google steil aufgestiegen ist und angeblich viele Abwerbeangebote bekommen hat. Nun hat ihn Google gebunden.

Nicht nur darüber freut sich die Wall Street. Analysten wie Anleger waren zusehends besorgt über die Unübersichtlichkeit des Molochs Google, die Vermischung von traditionellem Geschäft und neuen Ideen wie die Suche nach einer Krebspille, wie sie Google X betreibt. Wer finanziert was? Wer managt wen? Die neue Struktur beantwortet das.

Zumindest im Ansatz. Die Bilanzergebnisse für Alphabet und Google werden ab dem vierten Quartal dieses Jahres separat bekannt gegeben, die Zahlen der anderen Tochterfirmen aber nicht. So sprachen Skeptiker wie Analyst Brian Wieser (Pivotal Research) zunächst auch nur von "schrittweiser Transparenz" und enthielten sich eines Urteils.

Für Page und Brin erfüllt sich jedoch ein Traum: Sie sind ihrem Idol Buffett einen großen Schritt nähergekommen. So war die jetzige Umstrukturierung - die von den US-Medien als "große Überraschung" verkauft wurde - denn auch seit langer Zeit vorherzusehen.

Vorbild Buffett

"Wird Google das Berkshire Hathaway der Tech-Branche?", fragte das "Wall Street Journal" schon voriges Jahr in Anspielung auf Buffetts Firmenkollektion, die alles Mögliche verkauft - von Autos und Versicherungen über Schmuck, Ketchup, Backsteine, Möbel, Zeitungen, Batterien und Eis bis zu Unterwäsche (Fruit of the Loom). Buffett sitzt ganz oben und verteilt das Kapital - je nach Erfolg.

"Konglomerate haben einen schrecklichen Ruf", gab er 2014 zu. "Und den verdienen sie." Trotzdem habe ihm diese Unternehmensform "enorme und dauerhafte Vorteile" gebracht - so könne sie "eine ideale Struktur" sein, "um langfristiges Kapitalwachstum zu maximieren".

Das hoffen nun auch Page und Brin. Im Dezember riefen sie die Top-Aktionäre von Google zusammen und bereiteten sie schon mal vor - unter anderem, indem Page nach Informationen des "WSJ" Buffett hochpries: Berkshire Hathaway sei sein "Modell" für das neue Google.

Nicht Google, sorry - Alphabet.

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