Klotzen oder kündigen Mitarbeiter verlassen Twitter nach Musks »Hardcore«-Ultimatum

Elon Musk stellte die verbliebenen Twitter-Angestellten vor die Wahl – und viele entscheiden sich offenbar gegen ihn. Mehrere US-Senatoren wollen die Turbulenzen bei dem Netzwerk nun untersuchen lassen.
Elon Musk: Chaotischer Konzernumbau

Elon Musk: Chaotischer Konzernumbau

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OLIVER CONTRERAS / AFP

Elon Musk verfährt bei Twitter nach der Devise: Nur Druck macht aus Kohle Diamanten. Er forderte von den noch verbliebenen Mitarbeitern des sozialen Netzwerks, sich dazu zu bekennen – oder zu kündigen. Nun sind einige gegangen, die sich dem nicht aussetzen wollen.

»Ich bin vielleicht außergewöhnlich, aber verdammt – ich bin ganz einfach nicht hardcore«, schrieb eine Twitter-Angestellte in Anspielung auf Musks Ankündigung, wonach das Unternehmen »extrem hardcore« sein müsse, um im Wettbewerb zu bestehen.

Die Mitarbeiter sollten sich auf »lange Arbeitstage mit hoher Intensität« einstellen, hatte Musk in einem Memo an seine Angestellten geschrieben. »Nur außergewöhnliche Leistung wird als ausreichend bewertet.« Den Mitarbeitern setzte er eine Frist bis Donnerstagnachmittag (Ortszeit), online ein entsprechendes Arbeitsbekenntnis abzulegen. Wer das nicht tue, werde mit drei Monaten Gehalt als Abfindung gefeuert.

Bürotüren angeblich verriegelt

Jeder, der so rausgedrängt wird, dürfte Musk freuen. Der Unternehmer und Tesla-Chef hatte Twitter Ende Oktober für 44 Milliarden Dollar übernommen und umgehend die Chefetage gefeuert. Eine Woche später entließ er rund die Hälfte der 7500 Angestellten.

Ihr fehlten die Worte, um auszudrücken, wie dankbar sie dafür sei, dass sie bei Twitter den »Job meiner Träume« hatte, schrieb eine weitere scheidende leitende Angestellte. »Es war eine wilde Fahrt.«

Laut der Branchenjournalistin Zoe Schiffer teilte das Twitter-Management den Mitarbeitern mit, dass die Büros am Donnerstag vorübergehend geschlossen und selbst mit einem elektronischen Türöffner nicht zugänglich seien. Eine Bestätigung hierfür gibt es bislang nicht.

Der von Musk vorangetriebene Umbau des Kurzbotschaftendienstes verläuft äußerst chaotisch. Am Dienstag verschob der reichste Mensch der Welt das neue Abomodell mit dem blauen Verifizierungssymbol auf Ende November. Er reagierte damit auf eine Flut von gefälschten Profilen auf Twitter. Mehrere große Konzerne haben wegen Bedenken über die Entwicklung von Twitter ihre Werbung in dem Netzwerk ausgesetzt.

Der Umbau ruft inzwischen auch die Politik auf den Plan. Sieben Senatoren haben die US-Verbraucherschutzbehörde FTC aufgerufen, die jüngsten Vorgänge bei Twitter zu prüfen. Der Kurznachrichtendienst gehe ohne Rücksicht auf die Nutzer vor, hieß es am Donnerstag in dem Schreiben der Demokraten an die FTC-Vorsitzende Lina Khan.

»In den vergangenen Wochen hat der neue Twitter-Chef Elon Musk alarmierende Schritte unternommen, die die Integrität und Sicherheit der Plattform untergraben haben«, teilten sie mit. Die FTC soll zudem prüfen, ob Musk mit seinem Vorgehen eine im Mai geschlossene Vereinbarung mit der Behörde verletzt habe. Dabei ging es unter anderem um den Datenschutz. Weder Twitter noch die FTC nahmen zunächst zu dem Brief Stellung.

apr/AFP/Reuters
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