Übernahmepläne Mitsubishi an Bombardiers Regionaljets interessiert

Mitsubishi hat mit Problemen bei seinen eigenen Regionaljets zu kämpfen. Nun will der japanische Mischkonzern das Geschäft des kanadischen Herstellers Bombardier übernehmen.

CRJ-1000 der spanischen Fluggesellschaft Iberia in Südfrankreich
REUTERS

CRJ-1000 der spanischen Fluggesellschaft Iberia in Südfrankreich


Der japanische Industriekonzern Mitsubishi Heavy Industries will dem kanadischen Flugzeug- und Zughersteller Bombardier dessen Regionaljet-Segment CRJ abkaufen. Das teilte Mitsubishi Heavy mit. Von Bombardier war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Mitsubishi hat in dem Segment mit einigen Problemen zu kämpfen. Der Mitsubishi Regional Jet (MRJ) ist das erste japanische Verkehrsflugzeug seit den Sechzigerjahren. Für Bombardier wäre ein Verkauf der Sparte ein weiterer Schritt beim Ausstieg aus dem Flugzeugbau.

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist den Japanern zufolge aber noch offen. Zuvor hatte das Luftfahrtportal "Air Current" berichtet, die Gespräche zwischen den beiden Unternehmen seien bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Ein Abschluss könnte bereits Mitte Juni auf der weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget verkündet werden.

Noch klagen die Unternehmen allerdings gegeneinander: Die Kanadier reichten gegen Mitsubishi Heavy Ende 2018 Klage ein, weil angeblich ehemalige Bombardier-Mitarbeiter Firmengeheimnisse über das Jet-Programm weitergegeben hätten. Die Japaner reagierten mit einer Gegenklage.

Probleme mit dem MRJ

Mitsubishi könnte mit dem CRJ-Deal zum wichtigsten Rivalen des brasilianischen Herstellers Embraer aufsteigen. Bei ihrem eigenen MRJ hatten die Japaner mit überbordenden Kosten und dem Abbruch von Testflügen zu kämpfen. 2018 stornierte eine US-Fluglinie einen Großauftrag über 40 Jets des Typs. Den ersten MRJ soll die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) Mitte 2020 erhalten.

Regionaljets sind kleiner als Mittelstreckenjets wie beispielsweis der Airbus-Verkaufserfolg A320neo und Boeings 737 Max. Bombardiers CRJ-Maschinen bieten Platz für gut hundert Passagiere. Der CRJ brachte Bombardier einst den größten Umsatzanteil, rund 1500 Maschinen der Reihe sind weltweit im Einsatz. Allerdings bescheren die Regionaljets dem Konzern inzwischen Verluste. Deswegen hatte der kanadische Staat Bombardier bereits finanziell unter die Arme gegriffen. Der Hersteller strich Tausende Arbeitsplätze.

Fusionswelle setzt sich fort

Der Konzern hatte im November den Verkauf seiner Turboprop-Sparte mit den als "Dash 8" oder "Q-Serie" bekannten Maschinen angekündigt. Schon damals sprach das Management davon, dass auch das defizitäre Geschäft mit den CRJ-Regionaljets auf dem Prüfstand stehe.

Mit einem Verkauf an Mitsubishi würde sich die Fusionswelle unter den großen Flugzeugherstellern fortsetzen. So hatte sich Bombardier bereits bei der Entwicklung eines ersten Mittelstreckenjets, der C-Serie, finanziell übernommen und die Mehrheit an dem Projekt Mitte 2018 an Airbus verkauft. Der Flieger wird seitdem unter dem Namen Airbus A220 vermarktet.

Der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing , der gerade mit einem Flugverbot für seinen modernisierten Mittelstreckenjet 737 Max zu kämpfen hat, will sich bis Jahresende einen Anteil von 80 Prozent an der Verkehrsflugzeugsparte des brasilianischen Herstellers Embraer einverleiben.

brt/dpa

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