Mittelstandsbank Ex-IKB-Chef muss vor Gericht

Der Absturz der Mittelstandsbank IKB wird in einem Strafprozess aufgearbeitet. Das Düsseldorfer Landgericht ließ nach monatelangem Zögern die Anklage der Staatsanwaltschaft zu. Damit muss sich der ehemalige Bankchef Stefan Ortseifen vor Gericht verantworten.

Ex-IKB-Chef Ortseifen (Archivbild): Vorwurf der Börsenmanipulation und Untreue
dpa

Ex-IKB-Chef Ortseifen (Archivbild): Vorwurf der Börsenmanipulation und Untreue


Düsseldorf - Zweieinhalb Jahre nach dem Milliardendebakel der Mittelstandsbank IKB muss sich der ehemalige Vorstandschef Stefan Ortseifen wegen des Vorwurfs der Börsenmanipulation und Untreue vor Gericht verantworten. Das Düsseldorfer Landgericht ließ die Anklage nach monatelanger Prüfung zu, wie ein Gerichtssprecher am Montag mitteilte. Mit einer Eröffnung des Prozesses ist laut Sprecher nicht vor Mitte April zu rechnen. Genaue Termine stünden noch nicht fest.

Der ehemalige Bankmanager soll kurz vor der Beinahepleite der Bank im Juli 2007 in einer Pressemitteilung die Lage bewusst zu positiv dargestellt und Anleger damit zum vermehrten Aktienkauf verleitet haben. Zudem wird Ortseifen von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft Untreue in vier Fällen zur Last gelegt. Unter anderem soll er das von ihm bewohnte Vorstandshaus auf Bankkosten umgebaut und sein Institut damit um mindestens 120.000 Euro geschädigt haben.

Nur eine Woche nach der Herausgabe der laut Anklage beschönigenden Pressemitteilung des Vorstandes stand die einst solide Mittelstandsbank vor dem Aus. Am 30. Juli 2007 sei es wegen ihrer Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt zu erdrutschartigen Kursverlusten gekommen, heißt es in der Anklageschrift. Für zahlreiche Anleger und Investoren entpuppte sich der Kauf der IKB Chart zeigen-Aktien als großes Verlustgeschäft. Ortseifen nahm Ende Juli 2007 seinen Hut.

Die einst solide Mittelstandsbank war im Sommer 2007 nach massiven Fehlspekulationen als erstes deutsches Geldinstitut in den Sog der US-Immobilienkrise geraten und hängt seitdem am Staatstropf. Nur durch ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket ihrer damaligen Hauptaktionärin, der Staatsbank KfW, des Bundes und privater Banken, war sie vor dem Zusammenbruch bewahrt worden.

Im August 2008 wurde die Bank dann vom US-Finanzinvestor Lone Star für gut 100 Millionen Euro übernommen. Vier Monate später griff der Bankenrettungsfonds Soffin dem Institut mit Garantien in Höhe von fünf Milliarden Euro erstmals unter die Arme. Im Juli wurde der Garantierahmen um weitere sieben Milliarden auf insgesamt zwölf Milliarden Euro angehoben.

luk/apn/dpa-AFX/Reuters



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