Mietwagen-Knappheit Mobilitätsdienstleister schickt Taxis

In deutschen Großstädten tobt ein Kampf um die Mobilität der Zukunft. Eine Tochter von Daimler und BMW vermittelt auch Mietwagen - und schickt manchmal Taxis zum Kunden, um die Nachfrage bedienen zu können.

Ein Taxifahrer in Berlin (Archiv)
DPA

Ein Taxifahrer in Berlin (Archiv)

Von


Der Mobilitätsdienstleister Free Now muss aufgrund knapper Mietwagen auf Taxis zurückgreifen. Hintergrund ist der neue Service "Ride", den das bis vor Kurzem unter dem Namen MyTaxi operierende Unternehmen in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München anbietet.

Dabei wird, wie etwa auch bei Uber in Deutschland, ein lizenzierter Mietwagen samt Fahrer gebucht. Die Preise für eine Fahrt liegen unter denen eines Taxis. Um in Stoßzeiten die Wartedauer für die Fahrgäste gering zu halten, schickt Free Now in Hamburg und Frankfurt auch Taxis los, wenn gerade kein Mietwagen verfügbar ist.

Free Now subventioniert die Touren

Weil Taxifahrer an die Tarifpflicht gebunden sind, übernimmt Free Now, das zu Daimler und BMW gehört, die Differenz und subventioniert damit die Touren. Die Kunden zahlen den niedrigeren Preis, der Taxifahrer bekommt, was auf der Taxiuhr steht. Free Now teilt mit, das Ride-Angebot werde "sehr gut" angenommen. In Berlin habe man binnen einer Woche ein Buchungsplus von 30 Prozent verzeichnen können.

Manche Taxifahrer kritisieren, dass sich Free Now mit "Ride" teilweise vom Taxigeschäft distanziere. Free Now sieht das anders. Zusätzlich zum Wachstum bei dem neuen Angebot steige auch die Zahl der klassischen Taxifahrten. Das zeige, "dass es genug Touren für beide Produkte" gebe und man mit Ride "eine komplett neue Zielgruppe" anspreche.

Neben dem "Ride"-Service gibt es bei Free Now auch das Angebot "Match". Hier werden Taxi-Touren, die in die gleiche Richtung gehen, gebündelt und mehrere Menschen teilen sich unter Umständen ein Taxi.

Fotostrecke

12  Bilder
VW-Dienst Moia im Preisvergleich: Wer zwischen Elbphilharmonie und Partyviertel am billigsten fährt

Volkswagen experimentiert in Hamburg mit einem ähnlichen Modell: Dafür nutzt der Konzern bei seiner Tochter Moia Elektrofahrzeuge auf Basis des VW Crafter. Auch Konkurrenten wie CleverShuttle arbeiten nach diesem Prinzip. Uber betreibt etwa in den USA ein vergleichbares Angebot unter den Namen Uber Pool und Express Pool.

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eckawol 21.09.2019
1. Dem Fahrdienst-Nutzer
kann es egal sein, wer ihn faährt; Hauptsache pünktlich, preiswert , sicher und sauberes Fahrzeug. Das Taxi-Gewerbe kann sich u.a. wehren, indem es keine Fahrzeuge mehr bei Daimler bestellt und zu besseren oder geichwertigen Konditionen bei der Konkurrenz ( Toyota ? ) Bestellungen plaziert.
Rosenhag 21.09.2019
2.
Das heutige Mietwagensystem funktioniert nur weil der Staat die Einhaltung der Mindestlöhne nicht kontrolliert. Die Vermittlungsdienste der Großkonzerne reden sich damit heraus, dass sie nur mit Mietwagenunternehmen zusammenarbeiten die ihnen die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen schriftlich garantieren. Was allerdings praktisch unmöglich ist. Gelingt dieser Nachweis einmal und es geht vor Gericht wird das Subunternemen aufgelöst ...
hansmichl 21.09.2019
3.
"Free now" ist eine 100% Kopie von Uber - das nur mal vorweg. Mietwagen unterliegen bestimmten Gesetzen, die der Journalist recherchieren kann, zum Beispiel bei der Hamburger Verkehrsbehörde. Dort kann man auch erfahren, warum die Behörde die von Mietwagen-Unternehmern, die für Free Now und Uber fahren wollen, verlangt, dass sie einen wirtschaftlichkeitsnachweis erbringen müssen. Und warum die Behörde den Einbau eines Wegstreckenzähler verlangt. Und warum die Behörde die Einhaltung des Gesetzes überprüft. Aus diesem Recherche-Ergebnis kann man einen interessanten Artikel für ein Qualitätsjournalismusprodukt machen. Dies kann man dann noch mit der finanziellen Sítuation von Uber in Zusammenhang bringen und schon hat man einen super interessanten Artikel für ein Qualitätsjournalismusprodukt. Wenn man dann noch weiter recherchiert - z.B. in dem man bei der Hamburger Verkehrsbehgörde eine einfache Frage stellt - dann erfährt man wieviele Mietwagen Freenow in Hamburg am Start hat. Kleiner Tipp: Die Zahl ist einstellig. Wenn man dann 1 + 1 zusammen rechnet ergibt das einen relevanten Artikel zum Thema, denn dann ist man bei der Frage, wie billige Preise zustande kommen und wer die Zeche bezahlt. Dass Daimler und BMW zusammen den Verlust ausgleichen, der sich aus der Unterschreitung des Taxi-Tarifs ausgleichen, sollte bei einem Spiegel-Journalisten eine gewisse Neugier auslösen und die Frage nach dem "warum". Das gleiche gilt für VW und Moia. Wenn Konzerne Geld verschenken, machen die das nicht aus Nächstenliebe oder wegen der Umwelt. Aber bei diesem Journalisten und bei den meisten anderen finden solche Reflexe nicht mehr statt. Insbesondere der Spiegel ist vom "Sturmgeschütz der Demokratie" zum Sturmgeschütz der Industrie mutiert.
vegataxi 21.09.2019
4. Die Taxis arbeiten jetzt mit den gleichen Mitteln
Obwohl Mietwagen, die unter UBER oder jetzt FREE NOW fahren, der Haßgegner Nr. 1 des Taxigewerbes sind und man gegen deren Rabatte gerichtlich vorgegangen ist, hat Herr Waldner aus Berlin, der mächtigste und reichste Mann im deutschen Taxigerwerbe, im Februar eine Zusammenarbeit mit dem Autovermieter SIXT vertraglich vereinbart. Dieser soll angeblich unter seiner App 'SIXT rides' Taxis vermitteln. Auch diese arbeiten mit Rabatten, was ja beim Gegner immer kritisiert wurde. Weiterhin sieht man sich als 'preisgünstige Taxialternative'. Man vermittelt dort, wie auch bei den anderen Systemen zunächst einmal seine eigenen Mietwagen und erst dann Taxis, wenn man zum Beispiel in den Außenbezirken Hamburgs keine eigenen Wagen hat! Und selbst die werden dann zum Dumpingpreis angeboten, wobei dann SIXT, genau wie bei UBER oder FREE NOW, die Differenz bezahlt. So wie ich das sehe, versucht SIXT hier nur an die Daten der Taxikunden zu gelangen. Das Taxigerwerbe wird hier ziemlich sicher letztlich nicht von profitieren. Mietwagen waren und sind seit ewigen Zeiten der Gegner der Taxis. Trotzdem werden sie auch von den Taxiverbänden mit vertreten!? Und an die derzeit diskutierte Rückkehrpflicht hat sich noch nie einer von denen gehalten. Wurde aber erst mit UBER zum Problem der Gewerbevertreter. Natürlich arbeitet UBER unkoscher, aber das Gewerbe tut das ebenfalls, und keiner von deren Vertretern versucht auch nur, mal etwas Sauberkeit reinzubringen. Erst nach einer wirklich umfassenden Säuberung und Reform des Gewerbes selber könnten wir wieder oderdentlich und mit erhobenem Haupt auftreten.
senapis 22.09.2019
5. Qualitätsjournalismus???
Zitat hansmichl: "Wenn man dann noch weiter recherchiert - z.B. in dem man bei der Hamburger Verkehrsbehgörde eine einfache Frage stellt - dann erfährt man wieviele Mietwagen Freenow in Hamburg am Start hat. Kleiner Tipp: Die Zahl ist einstellig. Wenn man dann 1 + 1 zusammen rechnet ergibt das einen relevanten Artikel zum Thema, denn dann ist man bei der Frage, wie billige Preise zustande kommen und wer die Zeche bezahlt. Dass Daimler und BMW zusammen den Verlust ausgleichen, der sich aus der Unterschreitung des Taxi-Tarifs ausgleichen, sollte bei einem Spiegel-Journalisten eine gewisse Neugier auslösen und die Frage nach dem "warum". Das gleiche gilt für VW und Moia." Wo er recht hat, hat er Recht! Eine wichtige Fragestellung vorweg: Warum kostet Taxi soviel, wie es kostet und wie kommt der Taxitarif zustande? Bei der Tarifermittlung werden in der zust. Behörde alle relevanten Kosten zum Betrieb einer Taxe incl. der Preissteigerungen berücksichtigt und daraus die notwendige Tarifhöhe ermittelt. Reich werden kann man davon aber nicht! Wer solcherart Dienstleistungen unterhalb Taxitarif anbietet, muss dazu fremdes Geld ausgeben, anders lässt es sich, auch mit Blick auf Mindestlohn und ohne Arbeitszeittricksereien, nicht darstellen. Die enorm hohen Preise für Moia-Fahrzeuge bedeuten eigentlich wirtschaftliches Harakiri, wenn da nicht ausreichend Geld der jeweiligen Mutterkonzerne bereit stünde. Merke deshalb: Taxigesetze sind Verbraucherschutz. Luftdruckabhängige Preisgestaltung ala Uber (Surgepricing) wird dazu führen, dass die Kunden sich erstaunt die Augen reiben, wenn die Rechnung präsentiert wird. Irgendwann wollen die Konzerne Rendite sehen, das ist Zweck der Übung. Das hätte der Autor auch selbst herausfinden dürfen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.