Möglicher Computer-Fehler Deutsche Bank verschreckt Japans Börsianer

Schwere Panne bei der Deutschen Bank in Japan: Insidern zufolge hat der Geldkonzern versehentlich Verkaufsaufträge im Umfang von 150 Milliarden Euro platziert. Der japanische Leitindex brach daraufhin ein, die Börsenaufsicht untersucht den Fall.
Zentrale der Deutschen Bank: Fehler im internen Handelssystem

Zentrale der Deutschen Bank: Fehler im internen Handelssystem

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Frankfurt am Main/Tokio - Ein Computerfehler im Handel der Deutschen Bank hat für Aufregung am japanischen Aktienmarkt gesorgt. Nach Angaben mehrerer Insider platzierte das Institut an der Börse in Osaka am Dienstag fälschlicherweise Verkaufsaufträge für Derivate auf den Leitindex Nikkei  . Umfang des Deals: 16,7 Billionen Yen, umgerechnet 150 Milliarden Euro, das zehnfache Volumen eines durchschnittlichen Handelstages.

Der größte Teil der Aufträge sei noch rechtzeitig gestoppt worden. Nur 0,3 Prozent seien tatsächlich ausgeführt worden, sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher in Tokio der ARD - allerdings ohne eine Gesamtsumme zu nennen. Stimmen die Angaben aus Finanzkreisen, wurden Terminkontrakte im Wert von rund 500 Millionen Euro verkauft.

Fest steht: Schon die 0,3 Prozent der Gesamtorder reichten aus, um Japans Börsen aufzuschrecken. Die Preise für Futures gaben nach - und auch der gesamte Nikkei. Er rauschte wenige Sekunden nach Handelsbeginn um 1,1 Prozent nach unten.

Fehler im internen Handelssystem

"Wir nehmen diesen Vorfall extrem ernst und tun alles, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt", teilte das größte deutsche Geldhaus mit, ohne Angaben zur Größenordnung der Orders zu machen. In ihrer Erklärung führte die Bank die Panne auf einen Fehler im internen Handelssystem des Instituts zurück. Demnach wurde ein Verkaufsauftrag mehrfach gesendet.

Die zuständige Marktaufsicht in Osaka prüft den Vorfall. Man untersuche dabei auch, ob es bei der Börse selbst Fehler gegeben haben könnte, wie ein Sprecher sagte.

Die Computerpanne der Deutschen Bank ist möglicherweise schon der zweite Technikfehler, der binnen kurzer Zeit für Aufregung sorgt: Vor einem Monat hatte vermutlich ein Systemfehler eines oder mehrerer Marktteilnehmer zu einem abrupten Kurssturz an den US-Börsen geführt. Der Leitindex Dow Jones   verlor innerhalb von zehn Minuten sechs Prozent. Kurz danach machten Gerüchte die Runde, ein Händler habe versehentlich den Verkaufsknopf gedrückt. Beweise für einen solchen "Fat Finger"-Fehler gibt es jedoch nicht.

In der Vergangenheit rüttelten Fehler schon mehrfach die Finanzwelt auf: So hatte die Schweizer Großbank UBS   2001 versehentlich 610.000 Aktien einer japanischen Firma für 16 Yen das Stück verkauft - und damit für Aufruhr gesorgt. Geplant war eigentlich die Veräußerung von 16 Aktien für 610.000 Yen pro Stück.

ssu/Reuters
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