Abstimmung von Verbrauchern Chipsletten sind "Mogelpackung des Jahres"

Weniger Inhalt, gleicher Preis: Per Online-Umfrage haben Verbraucherschützer die "Mogelpackung des Jahres" ermittelt. Das Votum für den Negativpreis fiel deutlich aus.

VZHH

Die "Mogelpackung des Jahres" sind in diesem Jahr die Chipsletten von Lorenz. Bei einer Online-Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg stimmten mit 58,7 Prozent mehr als die Hälfte der fast 40.000 Teilnehmer für das Produkt.

"Noch nie war das Votum der Verbraucher so klar wie bei dieser Wahl der 'Mogelpackung des Jahres'", sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Ein Denkzettel, den Hersteller Lorenz völlig zu Recht bekommen hat. Der versteckte Preisanstieg bei den Chipsletten ist besonders krass, dreist umgesetzt und nicht der erste dieser Art."

"Mehr Müll fürs Geld"

Lorenz Snack-World hatte die Füllmenge im vergangenen Jahr von 170 auf 100 Gramm gesenkt - die Chips wurden dadurch unterm Strich 70 Prozent teurer, wie die Verbraucherschützer monierten. Die neue Pappdose sei kaum kleiner als die alte und zusätzlich mit einem sogenannten Servier-Tray aus Plastik und Frischefolie bestückt. Valet kritisierte: "Verbraucher bekommen weniger Chips, aber bezogen auf den Inhalt mehr Müll für ihr Geld."

Das Onlinevotum war Anfang Januar gestartet. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte dafür eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 2000 Hinweise auf Mogelpackungen erhalten. Aus diesen wurden fünf Kandidaten ausgewählt.

Nominiert für den Negativpreis waren neben den Chipsletten auch die Smarties von Nestlé - in der Riesenrolle waren 2018 mit 130 Gramm 20 Gramm weniger Schokolinsen als bisher, der Preis blieb aber gleich. Die Firma Bel packte eine Käsekugel weniger ins Netz von Babybel, ebenfalls bei gleichem Preis.

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Ranking: Das sind die "Mogelpackungen des Jahres"

Auch eine Truthahnsalami des Discounters Lidl sowie ein Fruchtaufstrich der Firma Grafschafter standen zur Abstimmung. Die Truthahnsalami Dulano enthält den Verbraucherschützern zufolge nicht weniger Fett als die normale Variante - obwohl die Verpackung das suggeriere. Allerdings sei auch sie teurer. Der Apfelaufstrich namens Obstwiese von Grafschafter wird neuerdings in einem kleineren Glas und unter anderem Namen verkauft - bei gleichem Preis.

Die Hersteller verweisen den Verbraucherschützern zufolge unter anderem auf eine nötige Vereinheitlichung von Produkten in verschiedenen Ländern, auf höhere Produktionskosten durch das Siegel "Ohne Gentechnik" und auf Wünsche der Verbraucher nach kleineren Verpackungsgrößen. Mit dieser Umstellung seien höhere Produktionskosten verbunden.

Die Verbraucherzentrale kritisierte jedoch, dass es keine zusätzlichen Hinweise auf geringere Füllmengen auf den Etiketten gebe. Die Hersteller versuchten im Gegenteil, "ihre Tricksereien clever zu kaschieren".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version waren die versteckten Preiserhöhungen falsch berechnet. So hieß es zum Beispiel, die Chipsletten seien um rund 40 Prozent teurer geworden. Tatsächlich bezog sich diese Zahl auf die Reduzierung der Füllmenge. Die versteckte Preiserhöhung beträgt 70 Prozent. Wir haben die Fehler im Text korrigiert.

apr/AFP

insgesamt 152 Beiträge
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chewbakka 21.01.2019
1.
Na und? Man sollte schon erwarten können, daß der Homo-Smartphonensis imstande ist, mithilfe seines Taschenrechners den Preis pro 100g zu ermitteln. Es soll sogar heute noch Menschen geben, die das im Kopf ausrechnen können. Sehe keinen Handlungsbedarf.
hexenbesen.65 21.01.2019
2.
Da ich mir IMMER die 100-gr.Preise anschau, sehe ich schon, was übertrieben teuer ist oder nicht. Da fällt einem der Preis für dieses eklige Zeug (schmeckt noch nicht mal ) doch auf. Da gibt es BESSERE No-Name- Marken...Nur, weil es "schön angerichtet" ist, bezahl ich doch nicht das dreifache !
barklug 21.01.2019
3. So ein Blödsinn!
Steht doch drauf, wieviel drin ist. Wieso dann Mogelpackung? Dieser Chipsletten-o. Pringelsmumpitz ist doch eh vollkommen überteuert, nur weil alle Chips die gleiche Form und Größe haben. Die gute alte Tüte Chips und gut ist. Unter was für einer Zwangsstörung leidet man, um dafür so viel Geld auszugeben? Genauso sinnfrei ist doch dieser Blödsinn mit der Lebensmittelampel! Steht doch auf der Rückseite in ziemlich genauen Nährwertangaben! Schoki macht fett, Chips macht fett, Fruchtjoghurt macht fett, in Milchschnitte ist keine Milch, Alkohol macht fett, betrunken und das Gehirn kaputt. Das weiß doch jeder! Die, die es nicht wissen, interessiert es auch nicht. So wie andere Dinge die auch nicht interessieren, höchsten noch das Vorabendprogramm von RTLII. Man stelle sich doch nur an die Supermarktkasse und schaue, was für einen Dreck einige Menschen ihren Kindern zu essen kaufen, und kaum bezahlt, gibt's die Flasche Cola an den Hals des Sechsjährigen!!! Für die Schule gibt's fünf Euro Essensgeld, wovon sich die Kinder dann Energydrinks und 'n Burger kaufen und alle wundern sich, warum die Kleinen nicht still sitzen können und dann haben alle natürlich plötzlich ADHS.
tallantis 21.01.2019
4. Die Hersteller und ihre Ausrede
Ich kann mir kaum Vorstellen, dass es einen Wunsch nach kleineren Verpackungen gibt. Erst recht nicht, wenn nicht auch der Preis entsprechend angepasst wird. Die Lüge ist nicht mal kreativ, sondern einfach nur dämlich. Einfach alle Produkte boykottieren, dann gibt es für die Hersteller auch weniger kosten, da sie nicht mehr nachproduzieren müssen.
ignazpietsch 21.01.2019
5. Der Kapitalismus kennt keine Moral
Nur ein Symptom, aber wirklich schlimm. Der Kapitalismus/Neoliberalismus kennt kein Vaterland, keine Moral (klappt bestens in Demokratie, Faschismus uund Kommunismus), keine soziale Verantwortung und versucht die Konsumenten hinters Licht zu führen, wo es nur geht. Schlimmer als auf einem orientalischen Basar.
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