Monopol-Verfahren Rating-Agentur droht EU-Strafe

Ärger für Standard & Poor's: Die EU-Wettbewerbshüter prüfen, ob die Rating-Agentur illegal ein Monopol ausgenutzt hat. Das Unternehmen darf als einziges Identifikationsnummern für US-Wertpapiere vergeben - und soll daran gut verdient haben.


Brüssel - Der US-Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) droht ein Wettbewerbsbußgeld der EU-Kommission. Die EU-Behörde eröffnete am Donnerstag in Brüssel ein förmliches Verfahren wegen vermuteter Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung.

In dem Streit des EU-Wettbewerbshüters mit dem Unternehmen geht es um Identifikationsnummern für Wertpapiere. Die Nummern, die von der Internationalen Standardisierungsorganisation verwaltet werden, sind beim Handel von den Papieren unentbehrlich. S&P sei der einzige autorisierte Herausgeber dieser Nummern für US-Wertpapiere; angeblich missbraucht das Unternehmen sein Monopol, um bei Banken und Informationsdienstleistern Lizenzgebühren für die Nutzung der Wertpapiernummern einzuziehen.

S&P hat nun acht Wochen Zeit, um auf die schriftlichen Vorwürfe der Kommission zu antworten. Die Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung zum Schaden von Kunden und Verbrauchern ist in der Union streng verboten und kann mit einem Bußgeld von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes bestraft werden.

ore/dpa



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Frank Wagner, 07.05.2009
1.
Auf DIESE Frage habe ich schon lange gewartet ! Es ist doch komisch, das die Wirtschaft sich IMMER noch nach diese Ratings richtet, obwohl sie in der Vergangenheit offenkundig falsch waren und mit zu der Finanzkrise geführt haben. Wem gehören diese Läden eigentlich ? Und warum sind die wichtigen 3 ALLE US Unternehmen ? Aber so was darf man ja nicht fragen, sonst ist man der Verschwörungsspinner.....
Tall Sucker, 07.05.2009
2.
Die guten Ratings haben den Verkauf von CDO, CDS (und wie das ganze Neusprech noch heißen mag) sicher sehr befeuert. Da sie aber durchweg in den U.S.A. sitzen, dürften Sie eine hier geführte Debatte - wenn überhaupt - nur am Rande verfolgen.
Stahlengel77, 07.05.2009
3.
Zitat von sysopDie Macht der drei großen US-Rating-Agenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's ist ungebrochen. Mit Bestnoten für Ramschpapiere befeuerten sie die Exzesse auf den Finanzmärkten. Jetzt steuern sie mit brutalen Herabstufungen dagegen. Welche Verantwortung tragen die Agenturen für die Finanzkrise?
Sie sind in soweit wichtig, weil sie unabdingbar für einen Unternehmer oder eine Bank sind, den Gegenüber auf seine Kredit- und Geschäftswürdigkeit einzuschätzen. Damit haben sie aber auch eine enorme Verantwortung und tragen auch maßgeblich Verantwortung an der Bankenkrise. Es gilt auch hier: Wer wacht über die Wächter? In diesem Fall, wer wacht über die Seriosität der Rating-Agenturen und wer bezahlt diese Ratingagenturen? Die Banken (die sich und ihre Produkte bewertet haben wollen) selbst. Noch Fragen ?
privatbahn 07.05.2009
4.
Zitat von sysopDie Macht der drei großen US-Rating-Agenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's ist ungebrochen. Mit Bestnoten für Ramschpapiere befeuerten sie die Exzesse auf den Finanzmärkten. Jetzt steuern sie mit brutalen Herabstufungen dagegen. Welche Verantwortung tragen die Agenturen für die Finanzkrise?
Man muss nicht jeden Ramsch glauben, den vermeintliche Experten von sich geben. So gesehen ist es mir völlig gleich, was diese Rating-Agenturen von sich gegeben haben. Die Gier macht selbst vermeintlich intelligente und gebildete Menschen (in dem Fall Banker und Investment-Manager) total blind. Ich traue unseren Bankern zu, dass sie sehenden Auges gleich nochmal vor die selbe Wand laufen. Die Gier dieser Leute wird nach dieser Krise noch größer, schließlich wollen sie nicht nur ihre Verluste wett machen, sondern gleichzeitig noch besser da stehen als vor der Krise. Folglich werden sie alles glauben was ihnen irgendwelche Experten einflüstern. Was nutzt also all die Schulbildung und Intelligenz von Bankern, Brokern und Investment-Verwaltern, wenn sich die emotionale Intelligenz nie mit entwickelt hat.
Andreas Heil, 07.05.2009
5.
Zitat von sysopDie Macht der drei großen US-Rating-Agenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's ist ungebrochen. Mit Bestnoten für Ramschpapiere befeuerten sie die Exzesse auf den Finanzmärkten. Jetzt steuern sie mit brutalen Herabstufungen dagegen. Welche Verantwortung tragen die Agenturen für die Finanzkrise?
Eine hohe, maßgeblich hervorgerufen durch eine an sich sehr gute Idee im Rahmen von Basel II. Mit Basel II hielt eine risikoabhängige Pflicht, Haftungskapital vorzuhalten, Einzug in das globale Finanzsystem. Und die Risikobewertung würde man doch nicht der Bank selbst überlassen wollen, die die Risiken eingeht. Folglich brauchte man unabhängige Institutionen, die dies besorgen und fertig war ein Teil des Desasters. Aber es hängt noch mehr dran, denn dies ist gleichzeitig Mitursache für die exzessive Ausweitung einerseits der Verbriefungen und andererseits der Kreditversicherungen. Und zum Desaster wurde es mit der nationalistischen merkantilistischen Mikropolitik, die die Politik mit den Lobbyisten in Ohr und Brieftasche in den letzten Jahren hingelegt hat, um die eigenen vereinbarten Regeln, deren Sinn sich durchaus unmittelbar erschließt, zum (angeblichen) Standortvorteil möglichst gerissen zu umgehen. All dem liegen aber Grundaxiome zugrunde: 1. Der freie Markt richtet es schon und auf jeden Fall besser, als die eigene Vernunft oder gar eigene Wünsche zu bemühen. Im Ergebnis kann sich dann allerdings nur kollektivierte Unvernunft, fremdwörtisch also Irrationalität einstellen. 2. Man selbst manövriert sich aus diesem Markt, dem Wettbewerb möglichst weit heraus und kassiert im besten Fall nur noch eine möglichst hohe, möglichst sichere Prämie für Zuschauer- oder Schiedsrichtertätigkeiten. Ziel und Ergebnis war also die Institutionalisierung der kommoden und leistungslosen Unverantwortung.
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