Übernahme-Angebot Bayer greift nach Monsanto

Bayer macht Ernst: Der Leverkusener Chemiekonzern will Monsanto übernehmen. Der mit 42 Milliarden Dollar bewertete US-Saatgutspezialist bestätigt eine Kaufofferte.
Monsanto-Logo

Monsanto-Logo

Foto: BRENDAN MCDERMID/ REUTERS

Bereits vor einer Woche gab es Gerüchte über Fusionspläne, nun gibt es die Bestätigung: Bayer will den US-Saatgutriesen Monsanto kaufen. Vertreter von Bayer hätten sich kürzlich mit Mitgliedern der Monsanto-Geschäftsführung getroffen, um vertraulich über eine einvernehmliche Übernahme zu sprechen, teilte der Konzern mit . Monsanto sprach von einer unverbindlichen, unerbetenen Offerte, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sei. Sie werde nun vom Verwaltungsrat geprüft.

Details nannten beide Unternehmen nicht, etwa über die Höhe des Übernahmeangebots. Monsanto   kündigte zudem an, sich bis zum Ende der Prüfung nicht näher dazu zu äußern. Derzeit wird der Konzern aus dem US-Bundesstaat Missouri an der Börse mit 42 Milliarden Dollar bewertet. Da normalerweise bei einer Übernahme ein Aufschlag auf den Börsenwert gezahlt wird, könnte der Deal eine Größenordnung von rund 50 Milliarden Dollar erreichen. Bayer   selbst ist an der Börse rund 90 Milliarden Dollar wert.

Bayer begründete sein Interesse an Monsanto damit, dass ein Zusammenschluss die Spitzenposition in seinen Kerngeschäften stärken würde. Nach Einschätzung von Analysten ergänzen sich die Geschäftsbereiche der beiden Konzerne. Der US-Konzern erlöst im Jahr rund 15 Milliarden Dollar mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln.

Gensaatgut und Glyphosat

Allerdings hat Monsanto gerade in Deutschland und Europa einen denkbar schlechten Ruf. Als weltweit größter Hersteller von genetisch verändertem Saatgut wird Monsanto hier ohnehin kritisch gesehen. Zudem steht der Konzern in dem Ruf, als Quasi-Monopol ruppig mit Kunden und Wettbewerbern umzugehen. Monsanto ist außerdem der Hersteller des extrem oft verkauften Breitband-Herbizids Roundup, dessen Wirkstoff das möglicherweise krebserregende Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist.

Die Geschäfte bei Monsanto laufen wie in weiten Teilen der Agrarchemiebranche derzeit jedoch nicht rund. Der Konzern kappte jüngst die Gewinnprognose für dieses Jahr und befindet sich in einem Stellenabbau. Zu schaffen machen der Branche die Krisen in Brasilien und anderen großen Schwellenländern.

Die Unternehmen reagieren mit groß angelegten Übernahmeplänen. So wollen sich etwa die US-Konzerne Dow Chemical   und DuPont zusammenschließen, der chinesische Chemiekonzern ChemChina will den Schweizer Pflanzenschutzspezialisten Syngenta kaufen - zuvor war Monsanto mit einem Übernahmeversuch gescheitert.

Laut dem "Wall Street Journal" würden Monsanto und Bayer gemeinsam 28 Prozent der weltweit verkauften Pflanzenschutzmittel absetzen. Sehr stark wären sie auch im US-Geschäft mit Getreide- und Soja-Samen. Für ein Zusammengehen spreche, dass Monsanto in den USA stärker aufgestellt ist, Bayer in Europa und Asien. Das könnte auch die Kartellbehörden zu einer Zustimmung bewegen.

fdi/Reuters/dpa