Monsanto-Prozesse in den USA Feilschen um den Wert eines Lebens

In den USA steht Bayer wegen des Glyphosat-Unkrautvernichtungsmittels vor Gericht. Im Hintergrund wird über einen außergerichtlichen Milliardenvergleich verhandelt. Doch einer der Klägeranwälte pokert hoch.
Aus Washington berichtet Ines Zöttl
Pharmakonzern Bayer

Pharmakonzern Bayer

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Odd Andersen/AFP

Diese Woche beginnt in den USA die Ausstrahlung einer neuen Gerichtsserie. Im Unterschied zur populären Krimireihe "Law & Order" ist das Geschehen diesmal allerdings real. Das Verfahren spielt im Gerichtsgebäude des Circuit Court von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri, und auf der Anklagebank sitzt der Bayer-Konzern. Der Vorwurf: Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup des Herstellers Monsanto – den Bayer 2018 für die gigantische Summe von 63 Milliarden Dollar übernommen hat – macht krebskrank.

Gegen den Widerstand des Unternehmens hat Richterin Elizabeth Hogan verfügt, dass der kostenpflichtige Streamingdienst Courtroom View Network (CVN) das Verfahren am Heimatstandort von Monsanto filmen darf. Die Auswahl der Geschworenen fand am Dienstag noch hinter verschlossenen Türen statt. Doch schon die Eröffnungsstatements am Freitag sollen die CVN-Abonnenten live verfolgen können.

Es ist ein Coup der Klägeranwälte und der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung, die in den vergangenen Monaten eher hinter den Kulissen stattfand. Während über einen außergerichtlichen Vergleich verhandelt wird, wird Bayer von einer Klagewelle überrollt. Nach offiziellen Angaben des Unternehmens wurden bisher "deutlich unter 50.000" Klagen wegen des Herbizids Glyphosat zugestellt. Insider aber schätzen, dass sich mindestens 80.000 Fälle auf den Schreibtischen der Anwälte stapeln – und jeden Tag werden es mehr. Denn die Juristen, die vom Erfolgshonorar leben, buhlen auf allen Kanälen um weitere Mandanten. "Wurde bei Ihnen oder einem Ihrer Angehörigen wegen des Kontakts mit Unkrautvernichtungsmitteln Krebs diagnostiziert? Die Frist, um Schadensersatzansprüche geltend zu machen, läuft bald aus", wirbt marktschreierisch eine der unzähligen Kanzleien im Internet um neue Kunden. Die Beratung ist kostenlos: "Kein Sieg - keine Gebühren."

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