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19. März 2019, 23:17 Uhr

Prozess gegen Bayer-Tochter

Niederlage für Monsanto im Glyphosat-Streit

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist für die Krebserkrankung eines US-Bürgers mitverantwortlich. Zu diesem Ergebnis ist die Jury eines Gerichts in San Francisco gekommen - und entschied damit gegen die Bayer-Tochter Monsanto.

Der Pharmakonzern Bayer hat in den USA einen wichtigen Teilprozess um angebliche Krebsrisiken von Produkten der Unternehmenstochter Monsanto verloren. Eine Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco befand einstimmig, dass das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen ist.

Hademan wirft Monsanto vor, die Risiken des Produkts mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat verschwiegen zu haben. Mit der Entscheidung geht der Prozess nun in eine zweite Phase, in der geklärt werden soll, ob Monsanto über Risiken hinwegtäuschte und wie hoch der mögliche Schadensersatz ausfallen könnte.

Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht von der Entscheidung der Jury. Dennoch sei das Unternehmen weiterhin fest davon überzeugt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen. Bayer sei zuversichtlich, im zweiten Teil des Prozesses beweisen zu können, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte.

Die Prozesswelle rollt erst an

Für Bayer ist dieser Fall hochbrisant, da es sich um einen richtungweisenden "Bellwether Case" handelt. Damit ist im US-Recht eine Art Musterfall in einem Massenverfahren gemeint. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können.

Bei dem zuständigen US-Richter Vince Chhabria sind Hunderte Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt. Insgesamt gibt es in den USA rund 11.200 Kläger gegen Monsanto. In den nächsten Tagen soll bereits ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten.

Der deutsche Chemiekonzern Bayer hatte im vergangenen Jahr den US-Konzern für rund 63 Milliarden Dollar übernommen, um sich die Märkte Agrochemie und Saatgut besser zu erschließen. Bayer verkündete, dass der Name Monsanto verschwinden wird. Doch die rechtlichen Risiken bleiben.

Bayer steckte bereits 2018 Niederlage vor Gericht ein

So hatte der Konzern bereits im vergangenen Jahr eine Niederlage vor einem US-Gericht erlitten. Eine Geschworenenjury hatte entschieden, dass das Unternehmen dem Krebspatienten Dewayne Johnson insgesamt umgerechnet rund 255 Millionen Euro zahlen müsse.

Zwar senkte die zuständige Richterin die Summe später drastisch, und der Konzern legte Berufung ein. Dass es aber überhaupt zu einem Schuldspruch kam, war ein Schock, der die Bayer-Aktie im August massiv einbrechen ließ.

Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Monsantos Unkrautvernichter 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen eingestuft. In der Wissenschaft ist jedoch umstritten, ob Glyphosat krebserregend ist.

kko/dpa-AFX

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