Bayer Die Ausspäher von Monsanto waren extrem fleißig

Die US-Tochter Monsanto bleibt der mit Abstand größte Unruheherd im Bayer-Konzern. Zum Rechtsstreit mit den Glyphosat-Geschädigten kommt jetzt auch der Spähskandal hinzu, der immer größere Dimensionen annimmt.

Protest gegen Monsanto-Mutter Bayer: Internationale Kanzlei soll Späh-Skandal aufklären
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Protest gegen Monsanto-Mutter Bayer: Internationale Kanzlei soll Späh-Skandal aufklären


Der US-Saatgutkonzern Monsanto hat offensichtlich sehr akribisch Buch über seine Kritiker geführt. Allein für Deutschland seien rund 300 Namen von Politikern, Journalisten und Umweltschützern aufgeführt, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchenkreise berichtet.

Der heutige Monsanto-Eigentümer Bayer hatte am Dienstag erklärt, nach seinen Erkenntnissen habe eine PR-Agentur die Listen für Monsanto in sieben europäischen Ländern zusammengestellt. Bayer beauftragte die internationale Anwaltskanzlei Sidley Austin mit den Nachforschungen zu den Listen. Koordiniert werde die Arbeit vom Brüsseler Büro der Kanzlei. Sie soll auch die Betroffenen kontaktieren.

Derweil will der zuständige Richter Vince Chhabria im Rechtsstreit um mögliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter von Monsanto weiter eine gütliche Einigung herbeiführen. Chhabria, bei dem mehrere Hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt sind, bestellte den angesehenen Mediator Kenneth Feinberg, wie aus Unterlagen vom Mittwoch hervorgeht.

Er soll zunächst vorbereitende Gespräche zwischen Bayer und den Anwälten von Klägern über einen möglichen Vergleich leiten. Beide Seiten müssen Feinberg, nun binnen zwei Wochen treffen. Dann soll entschieden werden, ob der Mediator das Mandat übernimmt.

Bereits mehrere Prozesse verloren

Richter Chhabria hatte die Parteien bereits Mitte April aufgefordert, einen Schlichter einzuschalten, und angekündigt, einen zu bestellen, falls sie sich nicht einigen können. Bayer hatte kurz davor den zweiten Glyphosat-Fall in den USA verloren. Bei den beiden Urteilen waren Krebspatienten jeweils etwa 80 Millionen Dollar an Schadensersatz zugesprochen worden.

Mittlerweile sind es schon drei Niederlagen vor Gericht, die das Management um Bayer-Chef Werner Baumann zu erklären hat. Im jüngsten Prozess ging es um eine Schadensersatzforderung von rund zwei Milliarden Dollar. Bayer bestreitet, dass mit Glyphosat bei richtiger Anwendung Gesundheitsgefahren verbunden sind und verweist auf zahlreiche wissenschaftliche Studien. Der Konzern hofft zudem auf günstigere Urteile von Berufungsrichtern in den nächsten Instanzen. Allerdings dürfte der Druck angesichts von mittlerweile 13.400 Klagen in den USA wachsen, außergerichtliche Einigungen in Betracht zu ziehen.

Bayer hatte Monsanto vergangenes Jahr für eine Rekordsumme von 63 Milliarden Dollar gekauft. Der US-Konzern steht bei Umweltschützern seit Jahren in der Kritik, weil er einer der führenden Anbieter gentechnisch veränderten Saatguts sowie glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel ist. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer weist das zurück.

mik/dpa-AFX

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Marvin__ 23.05.2019
1. Bayers Ausspäher SIND aktuell fleißig - Überschrift irreführend
Erst Anfang die Woche wurde mal wieder eine BAYER-Spionin enttarnt. Diesmal hatte BAYER eine inoffizielle Mitarbeiterin in Marsch gesetzt, um Journalisten aus zu schnüffeln, die über einen Prozess in den USA berichten. Die unappetitlichen Aktivitäten sind also mitnichten eine Monsanto-Aktivität, die vor der Übernahme und ohne Wissen Bayers stattfanden. Sondern offenbar normales Unternehmenspraxis bei BAYER.
bobjesse 23.05.2019
2. Gut so!
Das Böse wird zur Kasse gebeten.
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