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20. März 2019, 09:52 Uhr

Glyphosat-Prozess gegen Monsanto

Bayer-Aktie stürzt nach Gerichtsentscheid ab

Die Bayer-Tochter Monsanto hat in einem Prozess eine Teilniederlage erlitten. Ein US-Gericht wies dem Unkrautvernichter Glyphosat eine Mitschuld an der Krebserkrankung eines Mannes zu. Die Bayer-Aktie stürzte ab.

Nach einer weiteren Schlappe in einem Glyphosat-Prozess in den USA ist die Bayer-Aktie eingebrochen. Das Papier verlor mit Eröffnung der Börse in Frankfurt am Morgen mehr als zehn Prozent. Im Laufe des Vormittags rutschte die Aktie weiter ab und stand zeitweise mit mehr als zwölf Prozent im Minus. Anleger sorgen sich, dass auf den Konzern weitere Milliardenbelastungen zukommen.

Wenige Stunden zuvor hatte der Pharmakonzern in den USA einen wichtigen Teilprozess um angebliche Krebsrisiken von Produkten der Unternehmenstochter Monsanto verloren. Eine Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco befand einstimmig, dass das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen ist. Die sechs Geschworenen trafen die Entscheidung einstimmig.

Hardeman wirft Monsanto vor, die Risiken des Produkts mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat verschwiegen zu haben. Mit der Entscheidung geht der Prozess nun in eine zweite Phase, in der geklärt werden soll, ob Monsanto über Risiken hinwegtäuschte und wie hoch der mögliche Schadensersatz ausfallen könnte.

Für viele Investoren kam die Entscheidung offenbar unerwartet. Viele hätten offenbar darauf gesetzt, dass die Aufteilung des Prozesses in zwei Phasen Bayers Chancen verbessere, sagte Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan. Wäre die Jury nämlich zum Schluss gekommen, dass Roundup nicht für Hardemans Erkrankung mitverantwortlich ist, hätte es gar keine zweite Prozessrunde gegeben.

Prozess ist eine Art Pilotverfahren

Die nun verkündete Entscheidung der Jury ist von besonderer Bedeutung, weil es sich um einen sogenannten "Bellwether"-Prozess handelt. Dessen Ausgang ist zwar nicht rechtlich bindend für die mehr als 11.000 anderen Klagen gegen Bayers US-Tochter Monsanto - der Prozess gibt den anderen Gerichten und Klägern aber Hinweise zu deren Erfolgsaussichten.

"Bellwether"-Prozesse sind keine Sammelverfahren. Sie werden dann eingeleitet, wenn viele ähnliche Klagen vor US-Bundesgerichten eingehen und sollen den Aufwand reduzieren, jedes Mal die gleichen strittigen Fakten klären zu müssen - etwa die Frage, ob Glyphosat Krebs erregt oder nicht. Dafür versuchen die Richter, einen möglichst repräsentativen Fall auszuwählen, der auch auf andere übertragen werden kann. Die Erkenntnisse aus dem Pilotverfahren können die anderen Gerichte dann für ihre individuellen Urteile übernehmen.

Für Monsanto handelt es sich um die zweite juristische Niederlage binnen eines Jahres. In einem anderen Prozess im August vergangenen Jahres hatte eine Jury in San Francisco Monsanto zur Zahlung von Schadensersatz an einen früheren Schulhausmeister verurteilt. Bayer ging gegen das Urteil in Berufung.

Es geht vor allem um Schadensbegrenzung

Der Dax-Konzern weist die Vorwürfe eines Krebsrisikos von Monsantos Unkrautvernichtern zurück und zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht von der aktuellen Entscheidung der Jury. Bayer sei weiter fest davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen. Der Konzern will nun im zweiten Teil des Prozesses beweisen, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte.

Für Bayer dürfte es nun eigentlich nur noch darum gehen, den Schaden zu begrenzen, sagte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research.

mmq/dpa-AFX

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