Überwachungsvorwürfe in Frankreich Bayer entschuldigt sich für Monsanto-Vorgehen gegen Kritiker

Die Monsanto-Übernahme beschert dem Bayer-Konzern immer neue Probleme: Die US-Tochter führte geheime Listen mit Hobbys und Privatanschriften ihrer Gegner in Frankreich. Bayer reagiert mit einer etwas verschwurbelten Erklärung.
Protestaktion vor der Bayer-Niederlassung in Paris (März 2019)

Protestaktion vor der Bayer-Niederlassung in Paris (März 2019)

Foto: PHILIPPE LOPEZ/ AFP

Bayer hat eine externe Anwaltskanzlei mit der Aufklärung von Vorwürfen in Frankreich in Zusammenhang mit der umstrittenen US-Saatgut-Tochter Monsanto beauftragt. Bayer hatte die amerikanische Firma im vergangenen Jahr gekauft.

Hintergrund des Vorgangs sind Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft, die am Freitag eine vorläufige Untersuchung gegen Monsanto eröffnete. Monsanto wird vorgeworfen, eine Liste mit rund 200 Kritikern in Frankreich angelegt zu haben. Dabei sei es darum gegangen, diese später gezielt zu beobachten und zu beeinflussen.

Auf der Liste finden sich Journalisten, Wissenschaftler und zahlreiche Politiker, darunter etwa die ehemalige französische Umweltministerin und Spitzenpolitikerin der Sozialisten Ségolène Royal. Die Personen wurden dabei mit Noten von 0 bis 5 bewertet - je nach Einfluss und Grad der Unterstützung für Monsanto. Außerdem seien ihre Privatadressen, Telefonnummern und sogar Hobbys erfasst worden, so die Berichte.

Mehr als 13.000 Kläger in den USA

"Nach einer ersten Analyse verstehen wir, dass ein solches Projekt Bedenken und Kritik ausgelöst hat", teilte Bayer etwas verschwurbelt mit. Das sei "nicht die Art, wie Bayer den Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen und der Gesellschaft suchen würde. Wir bitten daher um Entschuldigung." Bayer sagte zudem zu, die Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft vollumfänglich zu unterstützen.

Der Leverkusener Konzern steht wegen der milliardenschweren Übernahme von Monsanto ohnehin unter Druck. Die Aktionäre hatten der Führung vor Kurzem einen historischen Denkzettel verpasst. Auf der Hauptversammlung wurde der Vorstand nicht entlastet. In den USA sieht sich Bayer wegen der womöglich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat, der von der Tochter Monsanto entwickelt wurde, mit etwa 13.400 Klägern konfrontiert.

beb/Reuters
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