Überwachungsvorwürfe in Frankreich Bayer entschuldigt sich für Monsanto-Vorgehen gegen Kritiker

Die Monsanto-Übernahme beschert dem Bayer-Konzern immer neue Probleme: Die US-Tochter führte geheime Listen mit Hobbys und Privatanschriften ihrer Gegner in Frankreich. Bayer reagiert mit einer etwas verschwurbelten Erklärung.

Protestaktion vor der Bayer-Niederlassung in Paris (März 2019)
AFP

Protestaktion vor der Bayer-Niederlassung in Paris (März 2019)


Bayer hat eine externe Anwaltskanzlei mit der Aufklärung von Vorwürfen in Frankreich in Zusammenhang mit der umstrittenen US-Saatgut-Tochter Monsanto beauftragt. Bayer hatte die amerikanische Firma im vergangenen Jahr gekauft.

Hintergrund des Vorgangs sind Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft, die am Freitag eine vorläufige Untersuchung gegen Monsanto eröffnete. Monsanto wird vorgeworfen, eine Liste mit rund 200 Kritikern in Frankreich angelegt zu haben. Dabei sei es darum gegangen, diese später gezielt zu beobachten und zu beeinflussen.

Auf der Liste finden sich Journalisten, Wissenschaftler und zahlreiche Politiker, darunter etwa die ehemalige französische Umweltministerin und Spitzenpolitikerin der Sozialisten Ségolène Royal. Die Personen wurden dabei mit Noten von 0 bis 5 bewertet - je nach Einfluss und Grad der Unterstützung für Monsanto. Außerdem seien ihre Privatadressen, Telefonnummern und sogar Hobbys erfasst worden, so die Berichte.

Mehr als 13.000 Kläger in den USA

"Nach einer ersten Analyse verstehen wir, dass ein solches Projekt Bedenken und Kritik ausgelöst hat", teilte Bayer etwas verschwurbelt mit. Das sei "nicht die Art, wie Bayer den Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen und der Gesellschaft suchen würde. Wir bitten daher um Entschuldigung." Bayer sagte zudem zu, die Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft vollumfänglich zu unterstützen.

Der Leverkusener Konzern steht wegen der milliardenschweren Übernahme von Monsanto ohnehin unter Druck. Die Aktionäre hatten der Führung vor Kurzem einen historischen Denkzettel verpasst. Auf der Hauptversammlung wurde der Vorstand nicht entlastet. In den USA sieht sich Bayer wegen der womöglich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat, der von der Tochter Monsanto entwickelt wurde, mit etwa 13.400 Klägern konfrontiert.

beb/Reuters



insgesamt 7 Beiträge
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waldschrat_72 12.05.2019
1. Wie der Bayer Konzern mit seinen stakeholdern umgeht..
..ist das eine. Und man muss zuerst einmal davon ausgehen, dass hier keine Monsanto-Methoden praktiziert werden. Aber mal ehrlich: wie konnte man überhaupt diese völlig verrückte strategische Entscheidung treffen, ausgerechnet Monsanto zu kaufen ? Für die Wahnsinnssumme von mehr als 60 Milliarden Euro wohlgemerkt ! Die Chancen stehen nicht schlecht, dass selbst ein Riese wie Bayer sich an diesem Deal nachhaltig verschlucken könnte.
Käpten Ahab 12.05.2019
2. Bei dem Aufsichtsrat wundert mich gar nichts mehr
Vielleicht sollte man wirklich mal den Aufsichtsrat in die Pflicht nehmen. Herr Wenning hat m.E. kaum irgendwelche wirklichen Kompetenzen gezeigt und wer sich sein Wirken bei E.ON angesehen hat, dem müsste klar sein, dass es Herrn Wenning um alles mögliche geht, aber bestimmt nicht um die Irrungen, Wirrungen oder gar den Erfolg des zu kontrollierenden Unternehmens! Für E.ON ist es zu spät (die Ratten haben das sinkende Schiff schon längst verlassen). vielleicht ist bei Bayer noch was zu retten - allein, mir fehlt der Glaube.
Nordstadtbewohner 12.05.2019
3. Immer locker bleiben
Ich sehe die Sache mit der Sammlung der Privatadressen nicht so ernst. Vielleicht gibt es ja auch mal einen Grund, den/ die Gegner zu kontaktieren, um sie über etwas aufzuklären und vom Gegenteil zu überzeugen. Das ist nichts Schlimmes. Die Monsanto-Übernahmen birgt gewisse Risiken in sich, aber wenn sie erfolgreich verläuft, wird Bayer global gesehen ein echter Big Player, vor dem die Konkurrenz den Hut ziehen wird.
hansriedl 13.05.2019
4.
Zitat von NordstadtbewohnerIch sehe die Sache mit der Sammlung der Privatadressen nicht so ernst. Vielleicht gibt es ja auch mal einen Grund, den/ die Gegner zu kontaktieren, um sie über etwas aufzuklären und vom Gegenteil zu überzeugen. Das ist nichts Schlimmes. Die Monsanto-Übernahmen birgt gewisse Risiken in sich, aber wenn sie erfolgreich verläuft, wird Bayer global gesehen ein echter Big Player, vor dem die Konkurrenz den Hut ziehen wird.
wird Bayer global gesehen ein echter Big Player, vor dem die Konkurrenz den Hut ziehen wird.?? War da eben nicht eine Spitzelaffäre in Frankreich, wo Gegner von Monsanto wie Bayer Produkten gelistet wurden um sie zu drehen. Brüssel kann und wird nicht zusehen wie Äcker mit Glyphosat und ähnlichen Giften Lebensmittel vergiftet, das Bienen, Insekten u. Vogelsterben weiter geht. Bayer wird andere Produkte brauchen um zu überleben.
Peletua 13.05.2019
5. Alte Kumpels
Bayer gibt sich jetzt also reumütig und unschuldig. Na ja. Bayer und Monsanto fanden nicht zufällig zueinander; die Firmen einte bereits lange vor der Übernahme eine enge Zusammenarbeit: Als Mit-Lieferanten von Agent Orange im Vietnamkrieg (Lieferant Mobay war ein Zusammenschluss von Monsanto und Bayer) zum Beispiel. Das muss natürlich nicht zwingend bedeuten, dass Bayer auch Kenntnis von Monsantos Schwarzen Listen hatte, aber auszuschließen ist es ebenfalls nicht. Anders als Forist Nordstadtbewohner (Beitrag #3) sehe ich die Monsanto-Übernahme als katastrophale Entscheidung, die vermutlich nur einigen Wenigen genutzt, die US-Konzernlandschaft von einem fiesen Schandfleck befreit, aber Bayer - auch imagemäßig - nachhaltig beschädigt hat.
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