Saatgutkonzern Monsanto gibt Kampf für Gentechnik in Europa auf

Der Protest war offenbar zu groß: Der Saatguthersteller Monsanto beendet seinen Kampf für Gentechnik in Europa. Das Unternehmen will weder die Zulassung neuer Pflanzen beantragen, noch für solche Nahrung lobbyieren.
Protest gegen Monsanto: Lobbyarbeit für Genfood soll gestoppt werden

Protest gegen Monsanto: Lobbyarbeit für Genfood soll gestoppt werden

Foto: Kim Ludbrook/ dpa

Düsseldorf - In Europa gab es lange heftigen Protest gegen Monsantos gentechnisch veränderte Produkte - jetzt lenkt der weltgrößte Saatguthersteller offenbar ein: "Wir machen keine Lobbyarbeit mehr für den Anbau in Europa", sagte Monsantos Europa-Pressechef Brandon Mitchener der "taz" . "Derzeit planen wir auch nicht, die Zulassung neuer gentechnisch veränderter Pflanzen zu beantragen." Grund sei die geringe Nachfrage der Bauern.

"Wir haben verstanden, dass das im Moment nicht die breite Akzeptanz hat", ergänzte die Sprecherin von Monsanto Deutschland, Ursula Lüttmer-Ouazane. "Wir sind über die Jahre in Europa nicht weitergekommen. Es ist kontraproduktiv, gegen Windmühlen zu kämpfen."

In der Europäischen Union sind Monsantos   gentechnisch veränderter Mais MON810 und die Kartoffel Amflora des deutschen Unternehmens BASF für den Anbau zugelassen. Weitere Genpflanzen sind zur Verarbeitung in Futter- und Lebensmitteln erlaubt.

Gegen den Anbau solcher Pflanzen gibt es jedoch in Deutschland seit Jahren eine breite Protestbewegung. Sie hatte dazu beigetragen, dass die Bundesregierung 2009 den Anbau von MON810 in Deutschland untersagte. Auch Amflora ist auf deutschem Gebiet verboten, ebenso in sieben weiteren EU-Ländern. BASF hatte im Januar angekündigt, sich nicht mehr um die Zulassung weiterer Genkartoffeln zu bemühen.

Umweltschützer fürchten unkalkulierbare Risiken für die Umwelt, wenn genetisch verändertes Saatgut in Umlauf gebracht wird. Monsanto dagegen verspricht sich Ertragssteigerungen und deutlich weniger Aufwand für Pflanzenschutz durch die Gentechnik. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan sprach von einem "Verlust für Deutschland". Mit der Entscheidung gingen Wissen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung im eigenen Land verloren.

Zurückhaltender äußerte sich der Sprecher von Agrarministerin Ilse Aigner. Es handle sich um eine "unternehmerische Entscheidung, die wir nicht zu bewerten haben", sagte er. "Dass wir der Gentechnik kritisch gegenüber stehen, ist bekannt." Die Heilsversprechen der Gentechnik-Industrie hätten sich bisher nicht erfüllt.

ssu/cte/AFP/dpa-AFX
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