Monsanto-Übernahme Bayer verschafft sich offenbar Luft

Für die umstrittene Übernahme der US-Agrarchemiefirma Monsanto hat Bayer sich offenbar den nötigen finanziellen Spielraum gesichert. Damit könnte Bayer auch sein Angebot erhöhen.

Die Logos von Bayer und Monsanto
AP, DPA

Die Logos von Bayer und Monsanto


Bayer hat sich für die angepeilte Übernahme der US-Agrarchemiefirma Monsanto Kreisen zufolge eine Brückenfinanzierung organisiert. Das berichten mehrere Medien.

Demzufolge habe sich der Chemiekonzern rund 60 Milliarden Euro gesichert, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Bank of America, Credit Suisse, Goldman Sachs, HSBC und JP Morgan würden jeweils kurzfristig 12,5 Milliarden Dollar finanzieren, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Diese könne bei Bedarf auf bis zu 75 Milliarden Euro aufgestockt werden.

Bayer gewinnt damit Zeit, um die endgültige Finanzierung auf die Beine zu stellen. Der Konzern wollte sich dazu nicht äußern. Monsanto hatte die umgerechnet gut 55 Milliarden Euro schwere Übernahmeofferte als zu niedrig zurückgewiesen, sich aber offen für Verhandlungen gezeigt.

Dem "Handelsblatt" zufolge verlangen die Banken einen Zins von rund 0,5 Prozent für das erste Halbjahr. Dieser steige, falls sich die Laufzeiten verlängerten. Bayer plane, langfristige Kredite aufzunehmen, deren Volumen 20 Milliarden Euro betragen könnte, berichtete das Blatt weiter.

Riskantes Geschäft

Der deutsche Chemie- und Pharmakonzern hatte vor gut einer Woche die Übernahme des Saatgut- und Pflanzenschutzspezialisten aus den USA angekündigt. Für den Erwerb bieten die Leverkusener 62 Milliarden US-Dollar. Nachdem das Monsanto-Management die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen hatte, wird nun über einen Preisaufschlag spekuliert, der angeblich kurz bevorsteht.

Der Erwerb des Unternehmens gilt nicht nur aus finanziellen Gründen als ein Wagnis. Auch wegen des schlechten Rufes von Monsanto sind die Übernahmepläne von Bayer in die Kritik geraten. Dem US-Hersteller von genmanipuliertem Saatgut wird unter anderem ruppiges Verhalten im Umgang mit seinen Kunden vorgeworfen.

Außerdem vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Die Zulassung des umstrittenen Herbizids soll laut EU-Kommission nun doch aller Voraussicht nach über Juni hinaus um zwölf bis 18 Monate verlängert werden. Monsanto vermarktet Glyphosat unter dem Namen Roundup.

brt/dpa/Reuters

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hagen winglmeyr 06.06.2016
1. Wenn ich Monsanto wäre,
hätte ich einen verbesserten Nachfolger für Glyphosat entwickelt und patentiert und an eine "unverdächtige Firma übereignet. Das Gleiche würde ich mit weiteren Innovationen machen. Dann verkaufe ich für ein Heidengeld die "alten" Produkte teuer an Bayer.Damit schwäche ich Bayer.Und nach einer Schamfrist verkauft die unverdächtige Neufirma erfolgreich meine verbesserten Produkte . Schaden zwei für Bayer.Nach einer weiteren Schamfrist verklage ich Bayer, daß es kracht.Schließlich weiß Monsanto am besten wie gut die Produkte sind. Schaden Drei für Bayer.
dreamrohr2 06.06.2016
2. hoffentlich knickt Bayer ein
und hoffentlich gehen die mit dem Kauf pleite. Weder Monsanto, noch Bayer mit ihrem Umweltdreck ist es wert, auf den Markt zu verbleiben. Hoffentlich platzt der Deal ....
inecht 07.06.2016
3. und Bayer Leverkusen sorgt vor.
eine Krankenkasse als neuer Sponsor!
jochenErte1 10.06.2016
4. Bank of America, Credit Suisse, Goldman Sachs, HSBC und JP Morgan
Da sind sie ja wieder alle beieinander, ein G'schmäckle nach 2008, es fehlt DB, aber die ist bereits im ursprünglichen Betrag engagiert. Nun also doch: Draghi hat das Ankaufprogramm der EZB ausgedehnt auf Firmenanleihen. Bekannt war, dass Draghi Anleihen der Bad Bank hält, ganz Südeuropa in seinem Portfeuille vertreten ist, speziell Griechenland mit mindestens 200 Mrd. EURO. Und nun kommt für die höchst riskante Übernahme von Monsanto die Absicherung der oberen 5 Banken nochmal ein 2-stelliger Milliardenbetrag dazu. Das ganze wäre ja noch akzeptabel, wenn nicht das Gemauschel in der EU wegen Glyphosatzulassung bestünde und wenn das Krebsrisiko eindeutig durch neutrale Untersuchungen vom Tisch wäre. Da Bayer angibt, man habe sich Rückendeckung für ein höheres Angebot beschafft, liegen wohl dieZusagen vor. Wenn ich EZB und Draghi höre, klingelt eine Sirene: Griechenland EURO Beitritt 2001, Goldman Sachs 1/2 Milliarde EURO Honorar für die Beratung und Wegbereitung. Draghi war leitender Boss in einer Spezialfirma innerhalb des Konzerns GoldmanSachs, bevor er vor 3 Jahren EZB Chef wurde. Schäuble gehört als Finanzminister zum Aufsichtsrat der EZB. Wie hoch ist für die europäischen Steuerzahler das Risiko, wenn die Übernahme klappt aber anschliessend Regressansprüche aufgrund Krebserkrankungen oder Umweltschäden durch amerikanische Bürger, Umweltbehörden und Strafgerichte gegen Deutschland geltend gemacht werden.
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