Bundesregierung Zwei amtierende Minister auf Monsanto-Schnüffelliste

Der Glyphosat-Hersteller Monsanto ließ von PR-Agenturen Listen mit Kritikern und Unterstützern zusammenstellen. Nach SPIEGEL-Informationen finden sich in den Dossiers auch die Namen zweier Minister der Bundesregierung.

Monsanto-Firmensitz in St. Louis, Missouri
Daniel Dreifuss/ dpa

Monsanto-Firmensitz in St. Louis, Missouri


Der von Bayer übernommene US-Konzern Monsanto führte auch zwei Minister der amtierenden Bundesregierung in seinen umstrittenen Listen. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Betroffen sind je ein Minister der CDU und der SPD. Die Namen der Minister nennt die Bundesregierung in ihrer Antwort nicht.

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Ob die Minister als Kritiker oder Unterstützer von Monsanto geführt wurden, sei der Bundesregierung nicht bekannt, hieß es in der Antwort zur Anfrage. Auch einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums standen demnach auf den Listen sowie eine Person des Bundesinstituts für Risikobewertung. Das Institut war wegen seiner unkritischen Haltung zum umstrittenen Monsanto-Herbizid Glyphosat in die Kritik geraten.

Auf den 2016/17 von PR-Agenturen für Monsanto erstellten Listen befanden sich in Deutschland 202 Personen, in Frankreich sogar 466. Angesichts solcher Zahlen mache einen der mangelnde Aufklärungswille der Bundesregierung "fassungslos", sagt Jan Korte, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken. Die Regierung habe sich von den Statements der Bayer AG "einlullen" lassen.

Bayer selbst hatte nach Bekanntwerden der Schnüffelei die Praktiken scharf kritisiert und um Entschuldigung gebeten. Eine amerikanische Kanzlei wurde mit der Aufklärung beauftragt. Vergangene Woche dann ging Bayer nach dem Bericht der Kanzlei wieder in die Offensive : Die Listen mit Freunden und Feinden seien rechtmäßig. Man habe "keinen Nachweis für die Vorwürfe gefunden, dass auf den Stakeholder-Listen Hobbys, Freizeitaktivitäten oder andere persönliche Interessen dokumentiert wurden", schrieb Bayer.

Marius Stelzmann von der konzernkritischen NGO "Coordination gegen Bayer-Gefahren" hält das für fragwürdig. Die zuständige Agentur FleishmanHillard habe laut französischen Medienberichten andere Agenturen beauftragt, die nicht öffentliche Daten über Personen gesammelt hätten. Grüne EU-Abgeordnete wie Michèle Rivasi oder José Bové wollen deswegen klagen. Vor einem Monat war bekannt geworden, dass auch die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf Monsantos Geheimliste stand.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes hieß es, in Frankreich stünden mindestens 1450 Personen auf der Liste, tatsächlich waren es 466. Wir haben die Passage korrigiert.

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insgesamt 19 Beiträge
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Liudin69 13.09.2019
1. Monsanto ist ein toller Kauf für Bayer gewesen
Leider schützt unsere liebe Bundesregierung weiterhin die Leverkusener Truppe. Damit der Konzern nicht sofort vor die Hunde geht, darf das Gift Glyphosat auch zur unser aller Freude noch ein paar Jährchen auf dem Markt bleiben. Ist doch egal, wer alles daran zu Grunde geht. Der Konzern und vor allem Herr Baumann gehören an den Pranger. Ach ja, sorry. Da war ja nicht einmal VW. Also dann. Im Sinne der Wirtschaft und der Raffgier einiger Aktionäre bleibt einfach alles beim Alten. Und da wundert sich noch jemand über die aktuellen Wahlergebnisse? Einfach mal Hirn einschalten. Danke.
Supertramp 13.09.2019
2. in Monsanto Stecken wohl die Gene von Stasi 2.0
einem Monopolist im Bereich Unkraut Vernichter sollte nicht gestattet werden auch noch gefügige Monokulturen unter den politischen Führungen durch Übewachung zu infiltrieren. Wir sind noch nicht im skrupellosen Kapitalismus angekommen wie es in der USA immer mehr kommt
proffessor_hugo 13.09.2019
3.
Anstatt sehr fragwürdige Schnüffeleien gegen Politiker zu starten, solle Bayer lieber wieder Antibiotika gegen resistente Keime entwickeln....
unixv 13.09.2019
4. Bringt kein Geld!
Zitat von proffessor_hugoAnstatt sehr fragwürdige Schnüffeleien gegen Politiker zu starten, solle Bayer lieber wieder Antibiotika gegen resistente Keime entwickeln....
Die Antibiotika Forschung liegt am Boden, weil man damit keine Kohle generieren kann! Ich bin mir sicher, unsere Politiker haben längst alle einen Privaten Doktor samt Krankenhaus, wo Medikamente verabreicht werden, an die wir Bürger niemals kommen könnten! Denen ist unsere Gesundheit wie auch unser Leben/zusammen Leben komplett Wurst. Die gehen sollten sie Krank werden, nach Amerika oder sonst wo, wo man ihnen helfen kann, können sich das eben leisten, wir nicht! Wir dürfen dann, wie mein Vater, sechs Wochen mit den Keimen kämpfen und sterben! Einen elendigeren Tot gibt es kaum! Nur mit Geld, bleibt man in diesem Land, wo es sich ja sooo super leben lässt, Gesund!
fatrick 13.09.2019
5.
Das ein nicht unbedingt kleiner Teil des seit Jahrhunderten in Deutschland bestehenden alteingesessenen Geld und Macht Adels sich mittlerweile alte Gemaeuer Gutshoefe und Schloesser gekauft haben ,in die sie dann im Schatten DENKMALSCHUTZ steuerfrei investieren koennen bzw extrem steuerbeguenstigt und sich gleichzeitig von Bayer und BASF bzw Monsanto dann gentechnisches Gemuese Korn Mais usw auf Ihre steuerbefreiten bzw steuerbeguenstigten gigantischen Laendereien stellen und dann obendrauf fuer den ...ich nenne es mal...vergifteten Kram.....nochmal schoen abkassieren..... WAS SAGT UNS DAS ? Politik Macht Pharma und Chemie und Waffen * eine Angelegenheit fuehre ich mal nicht auf denn sie ist offiziell illegal * ist ein einziger Haufen........ Man sollte , legt man dass zu Grunde.....und das ist leider die Wahrheit........weiterdenken......dann sieht man evtl das Ausmass der Abgruende des Haufens....... Und genauso und deswegen wird mit solchen Methoden gearbeitet Und das ist leider kein Wahnwitz ...es ist die dumme und zugleich toedliche Realitaet
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