Krisenbank Italien erlässt Rettungspaket für Monte dei Paschi

Italien fürchtet den Zusammenbruch von Monte dei Paschi. Weil die Kapitalerhöhung der wohl ältesten Bank der Welt gescheitert ist, hat die Regierung nun ein Rettungspaket verabschiedet.

Logo von Monte dei Paschi in Mailand
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Die italienische Regierung hat ein Notfall-Dekret für die Rettung der angeschlagenen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) erlassen. Der neue Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte, das Ziel der Intervention des Staates sei, die Ersparnisse von Bürgern so weit wie möglich zu schützen und Italiens angeschlagenen Bankensektor zu stärken.

Zuvor war bekannt geworden, dass die geplante Kapitalerhöhung von MPS gescheitert war. Die drittgrößte Bank Italiens braucht aber bis Ende des Jahres fünf Milliarden Euro, um Verluste bei der Auslagerung fauler Kredite auszugleichen. Eine Intervention bedeutet die faktische Verstaatlichung des Geldhauses, das 1472 gegründet wurde und als älteste Bank der Welt gilt.

Experten hatten bereits damit gerechnet, dass MPS durch den Umtausch von Anleihen in Aktien und den Verkauf neuer Aktien nicht die nötige Summe zusammenbekommt. Die italienische Regierung hatte sich daher bereits am Dienstag beim Parlament die Erlaubnis für eine Kreditaufnahme von bis zu 20 Milliarden Euro geholt, um angeschlagene Banken im Notfall zu retten.

Am Mittwoch hatte die Monte dei Paschi mitgeteilt, dass ihr das Geld früher ausgehe als gedacht. Die flüssigen Mittel könnten nur noch für vier Monate reichen, hieß es. Zuvor hatte das schwer angeschlagene Geldhaus aus Siena angegeben, dass das Geld noch für elf Monate ausreiche. Zum Stichtag 16. Dezember hatte MPS 10,6 Milliarden Euro an Liquidität.

Bei einem Zusammenbruch von MPS würden womöglich weitere italienische Banken ins Wanken geraten. Unter anderem ist auch die größte Bank des Landes, Unicredit, zu der in Deutschland die HypoVereinsbank gehört, schwer angeschlagen.

max/dpa



insgesamt 40 Beiträge
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laotse8 23.12.2016
1. Und wieder nichts mit den unter großem Tamtam,
angekündigten EU-Regeln zum bail-in und damit verbundener Haftung der Spekulanten und Zocker, wenn es um das große, politisch relevante Geld geht. Da werden nicht die Aktionäre und Anleihegeber der Pleitebank mit einbezogen. Die werden stattdessen monatelang gewarnt und aus der Haftung entlassen, damit dann der italienische Staat (mit welchem Geld bzw. von wo "ausgeliehener" Bonität eigentlich?) die Soße übernimmt. Die wunderbare Allianz aus Politik, Finanzwirtschaft und angeschlossenen Medien zeigt so immer mehr, dass sie nicht bürgerfreundlich agiert. Dafür haben wir Deutsche Anleger dann aber eine "Zockersteuer" seit 2009 selbst dann zusätzlich zu entrichten, wenn wir jahrelang Wertpapiere halten und zuvor regelmäßig Dividenden- und Zinssteuern abgegeben haben. Irgendwie muss der Zaster eben reinkommen ...
_Mitspieler 23.12.2016
2. Des einen Freud, den andern Leid
Der neue Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte, das Ziel der Intervention des Staates sei, die Ersparnisse von Bürgern so weit wie möglich zu schützen. Gemeint sind italienische Bürger. Der italienische Staat wird also notfalls die angeschlagene Bank mit Krediten retten. Jede Kreditaufnahme erfordert stets in gleicher Höhe einen Kreditgeber. Im Euroraum läuft dies letzten Endes auf Deutschland hinaus. Siehe die Entwicklung der Target II Salden, deren Brisanz mit Ausnahme von Prof. Sinn und einigen Wenigen selbst die meisten Volkswirte entweder nicht kapieren oder aus Feigheit nicht öffentlich kommentieren. Da gibt also der Einbeinige italienische Staat der beinlosen Fossilienbank einen Kredit. Sollte der Euro crashen, was zunehmend nicht weniger wahrscheinlich wird, wird zwar die älteste Bank der Welt ohne Regress auf deren italienische Eigner und Kunden gerettet worden sein, doch die spiegelbildliche Gläubigerposition der Deutschen Bundesbank im Euroverbund wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unbedient bleiben. Mit anderen Worten rettet Italien seine älteste Bank der Welt auf Pump und dem deutschen Steuerzahler wird die Bürde der Schuldentilgung dieser generösen Rettungsaktion aufgelastet. Das wissen unsere Politiker. Deshalb sind sie mitschuldig am Risiko der potenziellen Entreicherung der Deutschen. Aus gleichem Grund werden auch den Griechen ihre Schulden nicht teilweise erlassen. Lieber prolongiert man unter Nullverzinsung bis zum St. Nimmerleinstag, als zuzugeben, dass die Forderungen uneinbringlich sind. Täte man das, würde das Fiasko für eine ungleich größere Menge von sogenannten Fachleuten evident, als dies derzeit der Fall ist. Letzten Endes verpuffen sich die deutschen Forderungen im Liquidationsfall auf Monopoly-Spielgeldniveau.
thequickeningishappening 23.12.2016
3. Wer glaubt es ginge da um 5, 10 oder 20 Mrd
Der glaubt auch an den ...? Ach ja: frohe Weihnachten!
notbehelf 23.12.2016
4. Bail in bail out
Mit welcher Begründung hat man nun die gerade verabschiedeten EU-Vereinbarungen wieder über den Haufen geworfen? Ich meine nicht den wahren Grund, dass man ja wieder gewählt werden will und sich keinen polituschen Ärger einfangen will. Ich frage nach der offiziellen Begründung, warum das, trotz gegenteiliger Vereinbarungen, ja doch wieder EU-konform ist.
ofelas 23.12.2016
5. Eu
beschliesst was und umgeht es dann sobald es hart wird....nuff said
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