Schuldenkrise Moody's stuft 15 Banken herab

Betroffen sind Schwergewichte wie Goldman Sachs, Citigroup und die Deutsche Bank: Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von mehr als einem Dutzend Großbanken gesenkt. Angesichts der Krise im Finanzsektor fordert IWF-Chefin Lagarde direkte Bankenhilfen aus den Rettungsfonds EFSF und ESM.

Rating-Agentur Moody's: Rundumschlag gegen die Bankenwelt
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Rating-Agentur Moody's: Rundumschlag gegen die Bankenwelt


New York - Die Rating-Agentur Moody's hat am späten Donnerstagabend die Kreditwürdigkeit von 15 großen Banken herabgestuft, darunter auch die der Deutschen Bank Chart zeigen und mehrerer US-Häuser wie Goldman Sachs Chart zeigen, Bank of America Chart zeigen, Citigroup Chart zeigen und JP Morgan. Moody's hat damit vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise zu einem Rundumschlag gegen die Bankenwelt ausgeholt.

In Europa waren unter anderen Credit Suisse, UBS Chart zeigen, HSBC Chart zeigen, Barclays Chart zeigen, Royal Bank of Scotland Chart zeigen, BNP Paribas Chart zeigen, Credit Agricole Chart zeigen und Société Générale Chart zeigen betroffen. In den USA traf es auch Morgan Stanley, in Kanada die Royal Bank of Canada Chart zeigen. Die Banken seien in besonderer Weise den Risiken und der Volatilität des Kapitalmarkts ausgesetzt, erklärte der zuständige Moody's-Experte Greg Bauer in New York. Er betonte allerdings, dass die Häuser auch Geschäfte besäßen, die stabilisierend wirkten. "Diese Aktivitäten können bedeutende 'Schock-Absorber' sein."

In einem Fall ging es drei Bonitätsnoten nach unten. Das traf auf die Credit Suisse Chart zeigen zu, die von der zweitbesten Bewertung "Aa1" auf ein noch gutes "A1" abrutschte. Am härtesten traf es der Mitteilung von Moody's zufolge die US-Häuser Bank of America und Citigroup. Deren Bonität wurde demnach auf die Note "Baa2" herabgestuft. Sie liegt damit nur kurz über dem Ramschniveau. Bei der Deutschen Bank ging es um zwei Stufen runter von einem guten "Aa3" auf ein befriedigendes "A2".

Eine schlechtere Kreditwürdigkeit kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern. Allerdings gibt es keinen Automatismus. Die stark am Kapitalmarkt aktiven Großbanken mussten bereits Gewinnrückgänge wegen der Schuldenkrise hinnehmen.

Moody's hatte bereits Mitte Juni elf Geldhäuser in den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Luxemburg ins Visier genommen. Im Februar hatte die Agentur erklärt, wegen der lahmen Wirtschaft und der Flaute auf den Kapitalmärkten 114 Banken und Versicherer zu überprüfen, darunter die Allianz und die Deutsche Bank. Dabei hatte Moody's zum Teil bereits angekündigt, um wie viele Stellen sich das Rating der einzelnen Häuser verschlechtern könnte. Dementsprechend hatte es bei Bekanntgabe der ersten Herabstufungen vor einigen Tagen auch kaum Reaktionen an den Finanzmärkten auf die Schritte gegeben.

Moody's hatte sein Vorhaben im Februar unter anderem mit der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa und den mauen Aussichten auf den Kapitalmärkten begründet. Die Agenturen S&P und Fitch hatten schon zum Jahreswechsel die Bonitätsnoten für mehrere Länder und Banken gesenkt oder damit gedroht, dies zu tun. Kritiker haben den US-Agenturen vorgeworfen, die Krise in Europa mit ihren Herabstufungen zu verschärfen.

Lagarde fordert direkte Bankenhilfe aus Rettungsfonds

Angesichts der Turbulenzen im Finanzsektor fordert die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, direkte Bankenhilfe aus den Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM. Das Geld müsse "ohne Umweg über die Staaten" an die Banken gegeben werden, sagte Lagarde nach einem Treffen der Euro-Gruppe am Donnerstag in Luxemburg.

Damit erhöht der IWF den Druck auf Deutschland, Berlin sperrt sich bislang gegen eine solche Maßnahme. Bisher sind direkte Bankenhilfen aus den Rettungsfonds auch rechtlich nicht möglich. Lagarde forderte, dass die Europäische Zentralbank mit einer "kreativen Geldpolitik" helfen müsse, die Krise einzudämmen. Dazu könnte eine Wiederaufnahme des Ankaufs von Staatsanleihen finanzschwacher Euro-Länder gehören.

Vor allem in Spanien stehen Geldhäuser unter massivem Druck. Die angeschlagenen Banken des Landes brauchen Gutachten zufolge für ihre Sanierung bis zu 62 Milliarden Euro. Dies geht aus zwei Untersuchungen der Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Roland Berger hervor. Der Vizegouverneur der spanischen Zentralbank, Fernando Restoy, gab die Ergebnisse am Donnerstag in Madrid bekannt.

Die Euro-Gruppe hatte vor knapp zwei Wochen beschlossen, den spanischen Banken Hilfen im Umfang von bis zu hundert Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Der offizielle Antrag Madrids auf Notkredite von den Euro-Partnern steht aber noch aus. Zuvor hatte Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos in Luxemburg vor Beratungen der Euro-Gruppe gesagt, Madrid werde den offiziellen Antrag erst in den nächsten Tagen stellen.

kha/dpa/AP/AFP/Reuters



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