Mit mRNA gegen multiresistente Keime Biontech steigt in Antibiotikaforschung ein

Auch bei Antibiotika setzt das Unternehmen Biontech auf seine mRNA-Technologie. So soll ein Mittel gegen multiresistente Erreger entwickelt werden, die nicht auf herkömmliche Medikamente ansprechen.
Reagenzgläser bei Biontech: Mit mRNA gegen antibiotikaresistente Bakterien

Reagenzgläser bei Biontech: Mit mRNA gegen antibiotikaresistente Bakterien

Foto: Dado Ruvic / REUTERS

Das Mainzer Biotechnologieunternehmen Biontech will verstärkt in die Erforschung neuer Antibiotika investieren. Wie Biontech am Mittwoch bei einer Investorenveranstaltung mitteilte, befinden sich die Planungen noch in einem frühen Stadium. Klinische Tests sollen aber im Jahr 2023 beginnen.

Im Blick hat Biontech vor allem den Kampf gegen antibiotikaresistente Bakterien mit Endolysinen, einem Enzym. Hierbei soll auch die mRNA-Technologie des Unternehmens genutzt werden. »Wir glauben, dass dieser Ansatz in Verbindung mit der mRNA-Technologie sehr schlagkräftig sein könnte«, sagte Vorstandschef Uğur Şahin laut der Nachrichtenagentur Reuters. Als erstes Projekt peilt er ein Endolysin gegen bakterielle Scheideninfektionen an.

Biontech hatte im Oktober 2021 das österreichische Biotechunternehmen PhagoMed übernommen, das auf die Entwicklung einer neuen Klasse von Antibiotika spezialisiert ist.

Resistenzen gegen Antibiotika nehmen in bedrohlichem Ausmaß zu. Herkömmliche Antibiotika stoßen immer mehr an ihre Grenzen, weil sich multiresistente Keime weltweit verbreiten. In den USA und der Europäischen Union sterben schätzungsweise jährlich fast 70.000 Menschen an antibiotikaresistenten Infektionen. Von der Pharmaindustrie wird dieses Forschungsfeld seit Jahren stiefmütterlich behandelt, fast alle großen Konzerne haben sich daraus mangels Lukrativität zurückgezogen.

Die »Pan-Coronavirus-Impfungen« sollen kommen

Auch will Biontech zusammen mit dem US-Partner Pfizer weiter an Impfstoffen und Behandlungen gegen Coronaviren arbeiten. Ein auf die Omikron-Variante angepasster Impfstoff solle im Herbst bereitstehen. In der zweiten Jahreshälfte wollen die Mainzer mit der Erprobung von Impfungen beginnen, die gegen eine Vielzahl von Coronaviren schützen. Die sogenannten »Pan-Coronavirus-Impfungen« sollen »einen dauerhaften Schutz vor verschiedenen Varianten« bieten. Auch sollen T-Zellen-verstärkende Impfungen vor schweren Verläufen schützen.

Bisher deuten alle Studien darauf hin, dass die aktuelle Vakzine nach nur zwei Impfungen deutlich weniger wirksam gegen die derzeit besonders dominante Variante ist. Berater der US-Arzneimittelbehörde FDA haben am Dienstag für den Herbst Änderungen empfohlen, mit denen die aktuell zirkulierenden Varianten des Virus abgedeckt werden können. Mit großer Mehrheit sprach sich das Beratungskomitee der Behörde dafür aus, dass die neue Generation von Boosterimpfungen vor der Omikron-Variante schützen soll. Über die genaue Zusammensetzung will die FDA nun bis Anfang Juli entscheiden.

mgo/jlk/Reuters
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