Klimaprotest gegen Automesse Polizei geht mit Schlagstöcken gegen Anti-IAA-Demonstranten vor

Auf einer Demo gegen die IAA haben Klimaschützer versucht, eine Absperrung zu durchbrechen, die Polizisten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Auf das Privathaus von VW-Chef Diess wurde ein Farbanschlag verübt.
Polizei warnt: Absperrungen hätten nicht bloß »Empfehlungscharakter«

Polizei warnt: Absperrungen hätten nicht bloß »Empfehlungscharakter«

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Peter Kneffel / dpa

In München ist es am Rande einer Kundgebung von Klimaschutzaktivisten zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Ein Polizeisprecher sagte, etwa hundert Demonstranten hätten versucht, eine Absperrung an der Theresienwiese zu durchbrechen. Um das zu verhindern, hätten die Beamten auch Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. Die Demonstranten protestieren gegen die Automesse IAA Mobility.

Bereits am Dienstagvormittag hatten Demonstranten an mehreren Autobahnen Banner angebracht und sich teils von Brücken abgeseilt. Fernstraßen mussten deswegen vorübergehend gesperrt werden. Es bildeten sich teils lange Staus. Die Polizei teilte mit, dass gegen 26 Beteiligte unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung ermittelt werde – mehrere von ihnen kamen in Untersuchungshaft. Vertreterinnen und Vertreter der Autoindustrie verurteilten die Aktion.

Klimaaktivisten besetzen Haus

Weitere Blockaden und Störaktionen bei der IAA sind angekündigt. In einer am Freitag verbreiteten Erklärung eines Bündnisses von Klimaaktivisten heißt es: »IAA und Autoindustrie stehen für ein Wirtschaftssystem, in dem Profite über dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage stehen.« Ein Polizeisprecher sagte, dass man gegen Straftaten konsequent vorgehen werde. Polizeiabsperrungen hätten nicht bloß »Empfehlungscharakter«.

Derweil haben Aktivisten bei den Protesten in München auch ein Haus besetzt. Man wolle dort einen »Open Space for Future« als Kontrapunkt setzen zu den von der IAA genutzten Ausstellungsflächen (Open Spaces) im Stadtgebiet, hieß es vom Aktionsbündnis »No Future for IAA«. Aus Fenstern des Gebäudes wurden am Freitag Fahnen des Aktionsbündnisses geschwenkt. Die Polizei bestätigte die Besetzung, es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Einsatzkräften.

Diess sieht sich zu Unrecht kritisiert

Auf das Privathaus von Volkswagen-Chef Herbert Diess wiederum ist ein Farbanschlag verübt worden. Unbekannte Täter hätten mit roter Farbe auf die Eingangstür des Gebäudes in München »Diess enteignen« geschrieben, sagte ein VW-Sprecher. »Business Insider« zufolge hatten die Täter ein Schreiben hinterlassen, in dem Diess als »Vertreter des deutschen Autokapitals« bezeichnet werde. Diess habe Strafanzeige erstattet.

Polizisten vor dem besetzten Haus: Auseinandersetzung mit Einsatzkräften

Polizisten vor dem besetzten Haus: Auseinandersetzung mit Einsatzkräften

Foto: LUKAS BARTH-TUTTAS / EPA

Diess hatte sich wiederholt der Diskussion mit Umweltschützern gestellt. Am Rande einer Veranstaltung des Konzerns vor der IAA diskutierte er mit Vertretern der Umweltorganisation Greenpeace. Dabei hob er die Investitionen von Volkswagen in die Elektromobilität hervor und nannte die Klage von Umweltverbänden gegen die deutschen Autobauer ungerechtfertigt.

Der Konzernchef sagte: »Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, dass wir im Mittelpunkt der Proteste stehen.« Belangt werden sollten diejenigen, die mit der Erdölförderung und dem Verbrennen Gewinne machten. Die Autoindustrie unternehme große Anstrengungen, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern.

apr/dpa/Reuters
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