Münchner Flughafen Streiten wie beim BER

Im April eröffneten die Bayern stolz das ausgebaute Terminal 2 des Münchner Flughafens - nicht ohne Seitenhiebe nach Berlin. Doch nun zoffen sich die Beteiligten um angebliche Planungsmängel und unbezahlte Rechnungen.

Markus Söder
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Markus Söder


Der 22. April 2016 war ein Tag so ganz nach dem Geschmack von Bayerns Finanzminister Markus Söder. Vor rund 2000 geladenen und handverlesenen Gästen durfte der CSU-Politiker und Aufsichtsratschef der Münchner Flughafengesellschaft zur Eröffnung des fast eine Milliarde teuren Satellitenanbaus zum Terminal 2 sprechen. Klar dass der Heimatminister sich dabei einen Seitenhieb auf den noch immer nicht fertiggestellten Großflughafen Berlin-Brandenburg (BER) nicht verkneifen konnte.

In München feixte er, sei man, anders als im fernen Preußen, pünktlich fertig geworden. Auch die Kosten lägen im Plan, rühmten er und andere Redner. Ende gut, alles gut also im Erdinger Moos? Von wegen: Zwei Monate nach der rauschenden Einweihungsparty (Motto "Verbindung leben") streiten sich die Verantwortlichen und Macher - und dringen unschöne, bislang nicht bekannte Details des Prestigevorhabens nach außen.

Den ersten Schritt an die Öffentlichkeit machte an diesem Montag die Münchner Architektur- und Stadtplanungsfirma K + P, indem sie den Generalplanungsvertrag für das Projekt einseitig kündigte. Grund sind Reibereien mit dem Bauherrn, die fatal an das seit Jahren andauernde Hickhack um den geplanten Berliner Großflughafen erinnern.

Ausstehende Zahlungen reklamiert

Die Münchner Flughafengesellschaft FMG und die Lufthansa als gemeinsame Betreiber hatten das renommierte Büro vor vier Jahren beauftragt, den Anbau zu planen und auch alle nötigen Genehmigungen einzuholen. Ursprünglich sollte das unterirdisch per U-Bahn angebundene Trabantenterminal für elf Millionen Passagiere schon 2012 fertig werden.

Doch selbst der spätere Ersatztermin im Mai 2015 konnte nicht eingehalten werden. Schon damals gab es erste Unstimmigkeiten unter den Partnern, wer für die Verzögerungen verantwortlich sei. Nun eskaliert der Streit - nur zwei Monate nachdem der erste Jet vom Terminalvorbau abhob. Der Generalplaner verlangt von den beiden Bauherren ausstehende Zahlungen in Höhe fast zwei Millionen Euro für bislang nicht vergütete Leistungen.

Im Gegenzug fordern Lufthansa und FMG von dem Architekturbüro mehr als 16 Millionen Euro zurück - wegen gravierender Planungsmängel. Diverse Einigungsversuche scheiterten, selbst ein eingeschalteter Schlichter konnte bislang nichts ausrichten. Vorläufiger Höhepunkt der Schlammschlacht sind Vorwürfe, das Satellitenterminal besitze gar keine gültige, abschließende Genehmigung, sei somit also ein Schwarzbau. Vom zuständigen Landratsamt Erding war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Lufthansa und Flughafengesellschaft schlagen neuerdings zurück. Die vom Generalplaner zu verantwortenden Mängel seien erheblich, wird argumentiert, allerdings könne man diese "aufgrund der zu erwartenden gerichtlichen Auseinandersetzungen derzeit nicht diskutieren". Die Behauptung, dass es sich bei dem Satellitenterminal um einen "Schwarzbau" handelt könne, sei "absurd". Alle Änderungen seien mit den Genehmigungsbehörden abgestimmt worden. Wer recht hat, wird nun wohl die Justiz klären müssen.



insgesamt 19 Beiträge
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power.piefke 27.06.2016
1. bravo Bayern...
...da habt ihr euren unübersichtlichen alten flughafen noch ein bisschen unübersichtlicher gemacht.
trader_07 27.06.2016
2. Der Münchener....
Zitat von power.piefke...da habt ihr euren unübersichtlichen alten flughafen noch ein bisschen unübersichtlicher gemacht.
Der Münchener Flughafen ist nicht unübersichtlich, im Gegenteil, er ist sehr gut ausgeschildert. Man muss allerdings lesen können. Der Münchener Flughafen ist bereits mehrfach zum beliebtesten Flughafen Europas gewählt worden - bestimmt nicht, weil er so unübersichtlich ist... http://www.focus.de/reisen/flug/top-10-ranking-2015-das-sind-die-besten-flughaefen-in-europa_id_4701556.html
AntonM. 27.06.2016
3.
Ausgerechnet heute bin ich in diesem Terminal gelandet. Der Flug dauerte 2 Stunden, nach dem Aussteigen dauerte es fast 1,5 Stunden bis der Taxistand erreicht wurde. Kilometerweise Marschieren durch unübersichtliche Galerien, dann 100 Meter Fahren in einer fahrerlosen Bahn inklusive Wartezeit. An der Passkontrolle zwei völlig unmotivierte Beamter und ziemlich lange Schlange, dann wieder Marschieren... Dem Planer sollte man ... (jeder wer hier landet darf hier einfügen was er will, mögliche Variante: "einen Orden verleihen")
auweia 27.06.2016
4. Glorreiches Bayern
SPON könnte doch mal wieder die Geschichte des neuen Münchner Flughafens bringen. Die Rolle des Grossen Vorsitzenden bei Planung und Durchsetzung des Vorhabens sowie die "Preußisch" anmutende Bauzeit sind durchaus interessant...
Paul Hoffmann 27.06.2016
5. Der Schlichter hatte übrigens...
... im Sinne der Architekten entschieden, der Flughafen hatte sich dann aber plötzlich nicht daran gebunden gefühlt ...
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