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18. August 2017, 17:06 Uhr

Bayer, Merck und Co.

US-Abgeordnete nehmen Pharmakonzerne wegen Arzneipreisen ins Visier

Die Preise für Medikamente gegen Multiple Sklerose sollen sich seit 2004 verfünffacht haben: US-Demokraten haben nun Ermittlungen gegen mehrere Pharmakonzerne angestoßen - auch gegen deutsche Firmen.

In den USA haben Abgeordnete eine Untersuchung wegen stark gestiegener Preise bei Medikamenten gegen Multiple Sklerose (MS) eingeleitet. Die Demokraten Elijah Cummings und Peter Welch forderten sieben Pharmakonzerne zu Stellungnahmen über die Erhöhungen auf - darunter sind auch die deutschen Arzneimittelhersteller Merck und Bayer.

US-Präsident Donald Trump hatte der Pharmabranche zuvor bereits vorgeworfen, bei der Preisgestaltung "über Leichen" zu gehen. Die Hersteller müssten künftig in den USA produzieren - außerdem kündigte er einen härteren Kurs bei Preisverhandlungen an.

Nachdem sich die Preise für MS-Medikamente seit 2004 nahezu verfünffacht haben, wollen die Abgeordneten nun herausfinden, ob die Unternehmen die Preise im Gleichschritt angehoben haben. Betroffen sind außerdem die Schweizer Konzerne Novartis und Roche, die französische Sanofi, die Ratiopharm-Mutter Teva aus Israel sowie der US-Biotechkonzern Biogen.

Die durchschnittlichen Kosten einer MS-Therapie stiegen laut Nationaler Multiple-Sklerose-Gesellschaft von 16.000 Dollar 2004 auf 78.000 Dollar im vergangenen Jahr. Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für die Pharmaindustrie - sie erzielt dort 40 Prozent ihrer Umsätze. Zudem verdienen die Unternehmen dort überdurchschnittlich gut, weil ihnen bei der Preisgestaltung kaum Grenzen gesetzt sind.

Bisherige Kongressuntersuchungen und Anhörungen über Arzneimittelpreise hatten in den USA aber bereits Folgen. So senkte der Generikakonzern Mylan, der wegen drastischer Preiserhöhungen für seine lebensrettende Allergiespritze Epipen in die Kritik geraten war, die Kosten für das Mittel nach politischem Druck deutlich.

Bayer und Merck bestätigten, den Brief zu den MS-Mitteln erhalten zu haben. Eine Bayer-Sprecherin sagte, das Unternehmen wolle den Kongress-Abgeordneten direkt antworten. Eine Sprecherin des Darmstädter Merck-Konzerns erklärte, die Firma wisse, dass es Bedenken zu Erschwinglichkeit und des Zugangs zu innovativen Behandlungen gebe. Es gebe aber viele Faktoren, die zu den Kosten im Gesundheitswesen beitrügen. Roche erklärte, die Branche müsse den Trend zu einem starken Anstieg der Preise für MS-Medikamente umkehren. Die Kosten für das Roche-Mittel Ocrevus lägen zudem rund 20 Prozent unter den gegenwärtigen durchschnittlichen Behandlungspreisen.

Für die Merck ist das MS-Mittel Rebif mit einem Jahreserlös von zuletzt 1,74 Milliarden Euro bislang das mit Abstand umsatzstärkste Medikament. Bayer setzte mit seinem MS-Mittel Betaferon im vergangenen Jahr 734 Millionen Euro um, davon 386 Millionen in den USA. Das Mittel liegt damit auf Platz sechs der umsatzstärksten Pharmaprodukte der Leverkusener.

apr/Reuters

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