Musikmarkt Fusion von Warner Music mit EMI droht zu scheitern

Der geplante Verkauf des britischen Musikkonzerns EMI an den Warner-Music-Besitzer Blavatnik könnte doch noch platzen: Der russische Milliardär hat sich laut Berichten aus dem Mega-Deal zurückgezogen - offenbar konnte er sich mit dem derzeitigen Besitzer Citigroup nicht auf einen Preis einigen.

Warner-Headquarter in Kalifornien: Schon lange Interesse an dem Konkurrenten EMI
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Warner-Headquarter in Kalifornien: Schon lange Interesse an dem Konkurrenten EMI


London/New York - Der Verkauf des traditionsreichen Musik-Konzerns EMI wird immer komplizierter. Investor Len Blavatnik, der im Frühjahr bereits den Konkurrenten Warner Music gekauft hatte, hat sich vorerst aus der Auktion zurückgezogen. Wie die "Financial Times" und die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichteten, hätten der Verkäufer Citigroup und Blavatnik zu unterschiedliche Preisvorstellungen gehabt.

Blavatnik galt als aussichtsreichster Anwärter auf das Kerngeschäft mit Musikaufnahmen. Der russische Milliardär habe rund 1,5 Milliarden Dollar für das EMI-Musikgeschäft geboten, hieß es. Die Citigroup wolle aber 1,7 Milliarden Dollar. Es werde jedoch nicht ausgeschlossen, dass der Warner-Music-Besitzer am Ende doch noch den Zuschlag bekommt.

Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, die größte Fusion auf dem Musikmarkt seit sieben Jahren stehe kurz bevor. Die Citygroup habe Blavatnik Exklusivität bei den Verhandlungen eingeräumt. Andere Interessenten seien damit erst einmal aus dem Rennen. Warner Music hatte bereits mehrfach Interesse an EMI signalisiert, bislang jedoch ohne Erfolg.

EMI Chart zeigen ist das Zuhause der Beatles und heutiger Stars wie Coldplay oder Katy Perry. Bei Warner Music Chart zeigen stehen unter anderem Eric Clapton und die Red Hot Chili Peppers unter Vertrag. Blavatnik könnte durch die Zusammenlegung von EMI mit Warner Music schätzungsweise um die 350 Millionen Dollar einsparen. Er hatte für Warner Music insgesamt 3,3 Milliarden Dollar hingeblättert. Rund zwei Milliarden davon machten übernommene Schulden aus.

EMI war im Februar an die Citigroup Chart zeigen gefallen, nachdem der bisherige Eigentümer Guy Hands seine Schulden nicht bezahlen konnte. Hands hatte EMI 2007 für insgesamt 4,2 Milliarden Pfund hauptsächlich auf Pump gekauft, sich aber in der Krise der Musikindustrie mit der Investition übernommen.

Schon zuvor gab es Berichte, der Verkauf gerate ins Wanken, weil die Angebote niedriger seien als von der Citigroup erhofft. Angesichts der Branchenkrise gilt der EMI-Musikverlag, der Rechte für rund 1,3 Millionen Songs verwaltet, als der lukrativere Teil. Als Favorit gilt hier laut Bloomberg BMG Rights Management, ein Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann und dem Finanzinvestor KKR mit einem Gebot von 1,8 bis 2,0 Milliarden Dollar. Allerdings versuche auch Sony noch, Investoren für ein Angebot zusammenzutrommeln.

Der Branchenprimus Universal Music soll unterdessen aus dem Bieterrennen ausgestiegen sein. Der Citigroup liegt auch ein Angebot des Milliardärs Ron Perelman für den gesamten Konzern vor.

lgr/dpa

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