Musterverfahren zum Dieselskandal Ex-Porsche-Chef Wiedeking soll als Zeuge aussagen

Hätte der VW-Hauptaktionär Porsche SE die Börse früher über die Dieselaffäre informieren müssen? Um diese Frage geht es in einem Musterverfahren. Nun soll Ex-Porsche-Chef Wiedeking befragt werden.
Früherer Porsche-Chef Wiedeking: Zeugenvernehmung am 7. Dezember

Früherer Porsche-Chef Wiedeking: Zeugenvernehmung am 7. Dezember

Foto:

Bernd Weißbrod / dpa

Im Musterprozess um Schadensersatzforderungen gegen den VW-Haupteigner Porsche SE (PSE) will das Oberlandesgericht Stuttgart die früheren Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter als Zeugen hören. Als Termin für die Zeugenvernehmung setzte der Zivilsenat den 7. Dezember fest.

Außerdem ließ das Gericht einen Erweiterungsantrag eines der klagenden Aktionäre zu. Damit solle geklärt werden, ob die von dem Kläger behauptete Entscheidung von Volkswagen, im Juni 2008 manipulierte Dieselautos in Verkehr zu bringen, für die Porsche SE eine börsenrelevante Insiderinformation darstellte, die hätte veröffentlicht werden müssen. Wiedeking war früher Porsche-Vorstandschef, Härter Finanzchef.

In dem Musterverfahren geht es darum, ob der VW-Hauptaktionär die Börse über den im September 2015 aufgeflogenen Dieselskandal früher hätte informieren müssen. Ein ähnliches Verfahren zieht sich seit Längerem vor dem Oberlandesgericht Braunschweig hin.

Von der Aussage von Wiedeking und Härter, die damals auch Mitglieder im VW-Aufsichtsrat waren, ist abhängig, wie das Verfahren dann weitergeht. Seit Juli 2021 gab es bereits mehrere mündliche Verhandlungstermine. Ein Sprecher der Porsche SE sagte am Mittwoch, das Unternehmen bleibe bei der Einschätzung, dass die angeblichen Schadensersatzansprüche nicht bestünden. »Die Porsche SE ist überzeugt, dass die Beweisaufnahme dies bestätigen wird.«

Ein Knackpunkt in dem Verfahren ist, ob und unter welchen Umständen Porsche SE als VW-Dachgesellschaft überhaupt eigenständig zur Veröffentlichung von Börsen-Pflichtmitteilungen über kursrelevante Vorgänge bei Volkswagen verpflichtet war. Die PSE ist zwar Hauptaktionärin von VW, hat aber selbst kein operatives Geschäft. Eine Pflicht für die Veröffentlichung entstehe dort, wo das Ereignis spiele, argumentierte der Porsche-SE-Anwalt in der Vergangenheit. Hingegen hatten die Klägeranwälte erklärt, die Anleger interessierten die Auswirkungen des Dieselskandals auf die Dachgesellschaft.

sol/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.