Insolvente MV Werften Disney kauft unvollendeten Kreuzfahrtriesen »Global Dream«

Der Unterhaltungskonzern Disney übernimmt das fast fertig gebaute Kreuzfahrtschiff »Global Dream« der insolventen MV Werften. Die Branche steht nach der Coronakrise vor einem Comeback.
»Global Dream« im Trockendock in Wismar: Soll weniger Passagieren Platz bieten als ursprünglich geplant

»Global Dream« im Trockendock in Wismar: Soll weniger Passagieren Platz bieten als ursprünglich geplant

Foto: Jens Büttner / dpa

Disney kauft das bisher unter dem Namen »Global Dream« bekannte Kreuzfahrtschiff der insolventen MV-Werften-Gruppe in Wismar. Das teilte der weltweit tätige Unterhaltungskonzern mit . Die hauseigene Reederei Disney Cruise Line will das Schiff demnach am MV-Werften-Standort in Wismar unter ihrer Regie von Experten der Meyer Werft fertigbauen lassen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Auf dem Kreuzfahrtriesen, der auch unter dem Namen »Global One« bekannt war, sollten ursprünglich rund 9500 Menschen Platz finden. Es sollte damit das nach Passagierzahl weltgrößte Schiff werden. Disney plant nun mit einer Kapazität von rund 6000 Passagieren bei etwa 2300 Besatzungsmitgliedern.

Chance für Hunderte Ex-Beschäftigte

Das zu 75 Prozent fertiggestellte Schiff war vom früheren MV-Werften-Eigner – dem chinesischen Kreuzfahrtkonzern Genting Honkong – ursprünglich für den asiatischen Markt bestimmt gewesen. In der Pandemie mussten jedoch zunächst die MV-Werften und später auch der Mutterkonzern Insolvenz anmelden.

Laut dem internationalen Kreuzfahrtverband CLIA sind die Gästezahlen zwischen 2019 und 2020 weltweit um 81 Prozent eingebrochen. Doch die Erholung der Branche ist nun in vollem Gange: Wie der Verband Ende September dieses Jahres auf Basis einer Marktanalyse mitteilte, habe die Nachfrage das Niveau von 2019 wieder übertroffen. Bereits im April gab CLIA-Präsidentin Kelly Craighead die Prognose aus, dass die Gästezahlen bis Ende 2023 das Vorkrisenniveau übertreffen werden.

Der Verkauf des Kreuzfahrtriesen hat für den Schiffbaustandort Mecklenburg-Vorpommern eine große Bedeutung. Nach der Insolvenz der MV-Werften-Gruppe im Januar befinden sich 900 ehemalige Werftbeschäftigte weiter in einer Transfergesellschaft. Diese wurde zuletzt bis Ende November verlängert. Jetzt bietet sich mit dem geplanten Fertigbau durch die Papenburger Meyer-Werft am Standort Wismar eine mittelfristige Perspektive.

Der Insolvenzverwalter der MV-Werften, Christoph Morgen, hat früheren Aussagen zufolge das Werftgelände in Wismar bis Ende 2023 vom neuen Eigner, dem U-Boot-Bauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), zurückgemietet. Morgen hat zudem mit dem Unternehmen vereinbart, dass die »Global Dream« im Folgejahr am Ausrüstungskai zwischengeparkt werden kann.

apr/dpa-AFX
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