Insolventer Schiffsbauer Mitarbeiter der MV Werften sollen Dezembergehalt noch bekommen

Nach dem Insolvenzantrag für die MV Werften sorgt sich die Belegschaft. Der vorläufige Verwalter hat ihnen zumindest die Zahlung ausstehender Löhne zugesagt. Doch nun droht die Zerschlagung des Betriebs.
Werftgelände in Stralsund: Findet sich ein Käufer für alle MV Werften – oder werden sie zerschlagen?

Werftgelände in Stralsund: Findet sich ein Käufer für alle MV Werften – oder werden sie zerschlagen?

Foto: Stefan Sauer / dpa

Das zunächst drängendste Problem für die rund 1900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MV Werften scheint gelöst: Spätestens Montag sollen sie ihre Dezemberlöhne ausgezahlt bekommen, kündigte der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Morgen auf einer Belegschaftsversammlung in Wismar an.

An der Versammlung nahmen nach Angaben von Betriebsrätin Ines Scheel rund 700 Mitarbeiter des Standortes teil. Weitere Belegschaftsversammlungen sind im Lauf des Tages in Rostock und Stralsund geplant.

Am Montag war für die MV Werften Insolvenz beantragt worden. Der Mutterkonzern Genting Hongkong ist mit seinem Kreuzfahrtgeschäft infolge der anhaltenden Coronapandemie in Schieflage geraten. Nach den großen Werftenkrisen der Neunziger sind nun erneut mehrere Schiffsbaustandorte bedroht – außer den MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund wurde auch für die Lloyd-Werft in Bremerhaven ein Insolvenzantrag gestellt. Sie gehört ebenfalls zum Genting-Konzern.

Was wird aus dem fast fertigen Milliardenschiff?

Verwalter Morgen sagte nach der Belegschaftsversammlung, er bemühe sich, den erhofften Weiterbau des Kreuzfahrtliners »Global One« in Wismar abzusichern. Das Schiff ist zu 75 Prozent fertig und soll 1,5 Milliarden Euro kosten.

Am Freitag werde er dazu ein Gespräch mit Spitzenvertretern des Mutterkonzerns führen. Offen sei, ob Genting, auf dessen Bedarf das Schiff zugeschnitten sei, den Kauf finanzieren könne. Es gebe weltweit nur sehr wenige andere Abnehmer, die für ein solches Schiff infrage kämen. Es gilt mit Platz für knapp 10.000 Passagiere als eines der größten Kreuzfahrtschiffe weltweit.

Ministerpräsidentin Schwesig und Verwalter Morgen in Wismar: Finden sie noch einen Abnehmer für die »Global One«?

Ministerpräsidentin Schwesig und Verwalter Morgen in Wismar: Finden sie noch einen Abnehmer für die »Global One«?

Foto: ANNEGRET HILSE / REUTERS

Nach den Worten von MV-Werften-Geschäftsführer Carsten Haake hat der Chairman von Genting, Lim Kok Thay, noch am vergangenen Sonntag Interesse an dem Schiff bekundet. Doch Genting steckt selbst in großen Schwierigkeiten.

Genting-Aktie bricht um 56 Prozent ein

Nach der Insolvenz der MV Werften ist die Aktie des Genting-Konzerns bei der Wiederaufnahme des Handels an diesem Donnerstag eingebrochen. Bis zum Handelsschluss in Hongkong betrug der Kursverlust 56 Prozent.

Der Handel war am vergangenen Freitag wegen der unklaren Lage der MV Werften ausgesetzt worden. Der asiatische Tourismuskonzern hatte die Werften 2016 gekauft, um Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf zu bauen.

Genting betreibt Schiffe unter den Marken Star Cruises, Dream Cruises und Crystal Cruises sowie die Resorts World Manila (RWM). Die Pandemie hatte das Geschäft aber in Schwierigkeiten gebracht. Hinter dem Unternehmen steht ein Konglomerat des malaysischen Casino-Magnaten und Milliardärs Lim Kok Thay.

Die MV Werften könnten zerschlagen werden

Das Insolvenzverfahren für die MV Werften wird nach den Worten von Morgen voraussichtlich am 1. März eröffnet. So verblieben zunächst sieben Wochen für die Klärung der drängendsten Fragen. Dabei geht es auch um langfristige Perspektiven. Ihm zufolge gibt es in Stralsund die Idee, einen maritimen Gewerbepark auf dem Werftgelände zu entwickeln. An anderen Standorten werde über den Bau von Offshore-Windkraft-Plattformen nachgedacht.

Offen ist laut Verwalter Morgen bislang, ob die MV Werften als Ganzes erhalten oder einzeln veräußert werden sollen. Die Chancen, jemanden für das Ganze zu finden, seien kleiner, als Interessenten für die einzelnen Standorte zu gewinnen, sagte er.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sicherte die Unterstützung der Politik zu. Dabei werde es nicht ohne den Bund gehen, sagte die SPD-Politikerin in Richtung Berlin.

Mit den Insolvenzanträgen für die MV Werften befasst sich am Mittag auch der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern in einer Dringlichkeitssitzung. Wie ein Sprecher mitteilte, berät das Parlament auf Antrag der Landesregierung, die einen Bericht vorlegen will.

Auch Linken-Finanzpolitiker Victor Perli forderte eine Unterstützung der Angestellten durch den Bund. »Die Bundesregierung darf die Beschäftigten der Werften nicht hängen lassen. Sie muss die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Bremen bei der Standortsicherung und der Neuausrichtung der Werften unterstützen«, teilte er mit.

Schwesig hatte am Mittwoch gesagt: »Das Insolvenzverfahren ist bitter, besonders für die Beschäftigten, weil sie hervorragende Schiffe bauen können und keine Schuld daran tragen.«

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.