Ein Jahr nach Militärputsch Energieriesen ziehen sich aus Myanmar zurück

Laut Human Rights Watch ist die Gasproduktion eine der zentralen Geldquellen der Militärjunta in Myanmar. Zwei Konzerne senden nun ein wichtiges Signal.
Yangon in Myanmar: Rund die Hälfte des Strombedarfs der Wirtschaftsmetropole werden durch das Gasfeld Yadana gedeckt

Yangon in Myanmar: Rund die Hälfte des Strombedarfs der Wirtschaftsmetropole werden durch das Gasfeld Yadana gedeckt

Foto: ROMEO GACAD/ AFP

Die Energiekonzerne Total und Chevron ziehen sich ein Jahr nach dem Militärputsch in Myanmar komplett aus dem südostasiatischen Land zurück. Die sich weiter verschlechternde Menschenrechtssituation und generelle Lage habe zu der Entscheidung geführt, teilte TotalEnergies in Paris mit. Nach Aufgabe laufender Projekte werde man sich demnach auch aus der Gasförderung im Yadana-Feld zurückziehen.

Das Yadana-Gasprojekt vor der Südwestküste des Landes wird von einem Joint Venture betrieben, zu dem auch der US-Konzern Chevron gehört, der ebenfalls bekannt gab, sich aus Myanmar zurückzuziehen.

Total teilte mit, dass mit dem Schritt auch auf die Forderung von Menschenrechtsorganisationen und Anteilseignern eingegangen werde, die verhindert sehen wollten, dass Erträge aus der Gasförderung den Machthabern in Myanmar zugutekommen. Dazu habe Total am Ende keine andere Möglichkeit als den kompletten Rückzug gesehen. Die Gasförderung unter der Regie von Total werde innerhalb der vertraglichen Kündigungsfrist von sechs Monaten auslaufen.

Die Energieversorgung will Total bis dahin sicherstellen. Eine finanzielle Kompensation für Total werde es nicht geben.

Zentrale Geldquelle der Militärjunta

Total betreibt das Projekt seit 1992, fast ein Drittel davon befindet sich in seinem Besitz. Chevron hält eine Minderheitsbeteiligung an dem Gasprojekt, seine Tochterfirma Unocal Myanmar Offshore ist seit den frühen Neunzigerjahren in Myanmar aktiv. Rund 30 Prozent des produzierten Gases werden laut Total an das vom Militär kontrollierte Energieunternehmen MOGE verkauft, rund die Hälfte des Strombedarfs der Wirtschaftsmetropole Yangon werden demnach dadurch gedeckt.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sind Deviseneinnahmen aus der Gasproduktion eine zentrale Geldquelle der Militärjunta. Die Einnahmen belaufen sich demnach auf mehr als eine Milliarde Dollar jährlich.

Seit dem Putsch in Myanmar Anfang 2021 wurde eine Reihe harter Sanktionen gegen die Militärjunta verhängt. Bei Protesten gegen den Putsch wurden nach Angaben myanmarischer Menschenrechtsaktivisten mehr als 1400 Zivilisten getötet. Gegen die im Zuge des Putsches entmachtete faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi  laufen mehrere Prozesse, unter anderem wegen angeblicher Korruption. Anfang des Jahres wurde sie in einem Verfahren zu vier Jahren Haft verurteilt.

hba/dpa/Reuters