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Trotz Zoff mit der Finanzaufsicht Smartphone-Bank N26 sammelt 700 Millionen Euro ein

Die Finanzaufsicht wirft dem Berliner Start-up N26 vor, zu wenig gegen Geldwäsche und Betrug zu unternehmen. Investoren scheint das wenig zu kümmern.
aus DER SPIEGEL 41/2021
N26-Gründer Valentin Stalf (2018)

N26-Gründer Valentin Stalf (2018)

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Die auf mobile Bankangebote spezialisierte N26 hat von alten und neuen Geldgebern nach SPIEGEL-Informationen rund 700 Millionen Euro eingesammelt. Sie wird nach Angaben aus Finanzkreisen nun mit rund acht Milliarden Euro bewertet. Damit ist die Smartphone-Bank vor der Handelsplattform Trade Republic (4,4 Milliarden Euro) das wertvollste deutsche Finanztechnologieunternehmen (Fintech) und teurer als die 151 Jahre alte Commerzbank.

Bislang war N26 auf 3,1 Milliarden Euro taxiert worden. Allerdings hatten die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal in der neuen Finanzierungsrunde eine Bewertung von bis zu 9,3 Milliarden Euro an­gepeilt. N26 bleibt hinter dem schärfsten Konkurrenten zurück, der britischen Revolut (28,8 Mil­liarden Euro).

Ein Konflikt mit der Bafin verun­sicherte die N26-Investoren. Die Aufsicht kritisiert seit mehr als zwei Jahren Defizite in der Betrugs- und Geldwäsche­bekämpfung (Compliance) der Bank. Seit Mai überwacht ein Sonderbeauftragter der Bafin, ob N26 die Compliance wie versprochen verbessert. Ende September drohte die Aufsicht an, das Neugeschäft der Bank zu beschränken. Dies wäre ein herber Rückschlag für das Start-up im Wettlauf der Neo-Banken, die mit auf junge Nutzer zugeschnittenen Bankangeboten den etablierten Kreditinstituten Marktanteile abjagen.

N26 will das neue Geld nutzen, um in den Handel mit Wertpapieren und Kryptowährungen einzusteigen. Die Bank tritt damit in Konkurrenz zu boomenden Platt­formen wie Trade Republic. Zugleich sollen mit den Mitteln die Anti-Geldwäsche-Systeme verbessert werden, um die anhaltenden Bedenken der Bafin auszuräumen. N26 äußerte sich zu den Themen nicht.

Fehlende Balance

Sogenannte Neo-Banken wie N26, Revolut oder Monzo gelten als anfälliger für Betrug, weil Kunden sich ausschließlich online registrieren, die Authentifizierung erfolgt zudem oft über externe Dienstleister. Betreiber von Fake Shops und andere Betrüger eröffnen daher bevorzugt Konten bei Smartphone- oder Online-Banken, um Kunden abzuzocken.

N26 habe keine gute Balance zwischen Wachstum und Compliance hinbekommen, sagten zwei ehemalige Manager der Bank dem SPIEGEL. Zwar habe das Management erkannt, dass Compliance-Probleme die Reputation schädigen könnten, aber »wenn es darum ging, wie man die finanziellen und personellen Ressourcen verteilt, dann lag der Schwerpunkt eben doch meist auf Expansion«. Exponentielles Wachstum bedeute aber auch, dass die Zahl der Betrugskonten exponentiell mitwachse.

Zwar sei die Compliance-Strategie bei N26 nicht schlecht gewesen, sagt einer der Insider, bei der Umsetzung habe es aber gehakt. So seien neue Betrugsmuster teils nur langsam in die Überwachungssysteme eingepflegt worden. Auch die Bafin hatte das verhängte Bußgeld mit der mangelhaften Geschwindigkeit begründet.

Die Compliance-Probleme und der Konflikt mit der Bafin sorgten intern für Unruhe, binnen zwei Jahren verließ rund ein halbes Dutzend hochrangiger Manager die junge Bank.

Risikokapitalgeber, die bereits seit Jahren bei N26 oder anderen Fintech-Firmen investiert sind, halten die Probleme in der Geldwäschebekämpfung für normale Begleiterscheinungen des schnellen Wachstums. »Jedes Unternehmen hat und hatte, bevor es groß wurde, die gleichen Probleme wie N26«, sagt ein solcher Investor, das sei bei Revolut genauso gewesen. Fintechs gingen zudem immer so weit, wie es die Regulierung zulasse.

Aus dem Kreis der N26-Investoren kommt Kritik an der Bafin. Es sei legitim und richtig, dass sie auf eine effektivere Bekämpfung von Betrug und Geldwäsche dränge. Sie schieße jedoch bei N26 mit ihrem harten Vorgehen über das Ziel hinaus und müsse der Bank mehr Zeit geben, fordert einer der Geldgeber. Die Aufsichtsbehörde stehe offenbar noch unter dem Eindruck des Wirecard-Skandals. Dort hatte die Bafin jahrelang zugesehen, wie interne und externe Betrüger den aufstrebenden Finanzkonzern für Untreue und Geldwäsche missbrauchten – bis zum Zusammenbruch.

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