Nach 67 Jahren Renault-Erben wollen für Enteignung entschädigt werden

Er baute nicht nur Autos, sondern auch Panzer für die Wehrmacht. Deshalb verlor Louis Renault nach 1945 sein Unternehmen. Nun fordern die Erben Entschädigung.

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Paris - Die Erben des französischen Autobauers Louis Renault wollen eine staatliche Entschädigung für die Enteignung des Unternehmens 1945 durchsetzen. Sie riefen das Landgericht in Paris an, um die Verfassungsmäßigkeit der Enteignung zu klären. Das teilte ihr Anwalt Thierry Lévy am Donnerstag mit.

Nach Ansicht seiner Mandanten verstoße die Enteignung gegen das Menschenrecht auf Eigentum, teilte Lévy mit. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Le Monde" geht es den acht Enkeln von Louis Renault, der 1944 starb, weniger um Geld als um die Rolle ihres Großvaters zur Zeit der Nazi-Besatzung.

Louis Renault war nach der Befreiung von Paris im September 1944 wegen Kollaboration inhaftiert worden, da seine Firma für die Wehrmacht produziert hatte. Renault starb einen Monat nach seiner Inhaftierung unter ungeklärten Umständen, seine Witwe warf den Behörden Mord vor.

Nach Renaults Tod im Oktober 1944 wurde die Firma, deren Kapital damals auf 240 Millionen Francs geschätzt wurde, beschlagnahmt und verstaatlicht. Der Schritt, der ohne eine vorherige Verurteilung Renaults wegen Kollaboration erfolgte, war laut Parlamentsprotokollen schon damals umstritten.

Die Renault-Erben hatten bereits im vergangenen Sommer durchgesetzt, dass in einer Gedenkstätte im südfranzösischen Ouradour-sur-Glane ein Foto ihres Großvaters abgehängt wurde. Das Bild zeigt Renault gemeinsam mit Adolf Hitler, darunter stand "Louis Renault baute Panzer für die Wehrmacht".

dab/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Michael KaiRo 12.05.2011
1. Wer wird verklagt?
Zitat von sysopEr baute nicht nur Autos, sondern auch Panzer für die Wehrmacht. Deshalb verlor Louis Renault nach 1945 sein Unternehmen. Nun fordern die Erben Entschädigung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,762266,00.html
Soll jetzt Frankreich oder letztenendes doch wieder Deutschland verklagt werden? Oder holt sich Sarkozy dann die Kohle von D ab? Auch egal, neben den ganzen EU-Milliarden zahlen wir gerne noch ein paar 100 Millionen - wir habens ja.
berndschlüter 12.05.2011
2. Das Recht des Siegers
Der französische Zentralismus in Paris hatte nicht nur Freunde. So verwundert es nicht, dass Bretonen und vor allem von Frankreich unterdrückte Flamen nebst vielen anderen Volksgemeinschaften nach Unabhängigkeit strebten. Renault fand also unter den Franzosen viel Unterstützung, die man nach dem Sieg der Aliierten blutig unterdrückte. Zwar gegen das Völkerrecht, aber wer fragt schon danach. Die Zentralmacht hat immer recht, das wird vermutlich immer so bleiben. Tatsächlich zementiert das Völkerrecht bestehende Machtverhältnisse, den status quo. Daran ändert Europa voraussichtlich auch nichts. Selbstbestimmung? Was ist das? Wir Bayern (als Düsseldorfer fühle ich mich als halben Bayern) haben zwar im Süden einen Freistaat, aber richtig frei sind wir auch nicht. Der preußische Geier hat auf dem Regierungsgebäude ein fettes Nest gebaut. Ich sehe schwarz für die Reinholds.
lauterbachheiner 12.05.2011
3. vergleich
Zitat von Michael KaiRoSoll jetzt Frankreich oder letztenendes doch wieder Deutschland verklagt werden? Oder holt sich Sarkozy dann die Kohle von D ab? Auch egal, neben den ganzen EU-Milliarden zahlen wir gerne noch ein paar 100 Millionen - wir habens ja.
Nach 67 Jahren kommt da gut was zusammen. Da werden aus 250 Millionen bei 4% pro Jahr (mal ganz sachte angenommen) 8,5 Milliarden. Ohne Verurteilung gibt es da nicht wirklich einen Aufhaenger fuer die Enteigner. Auf den Vergleich bin ich gespannt.
sirhenry, 12.05.2011
4. Niemand will Geld von Deutschland
Zitat von Michael KaiRoSoll jetzt Frankreich oder letztenendes doch wieder Deutschland verklagt werden? Oder holt sich Sarkozy dann die Kohle von D ab? Auch egal, neben den ganzen EU-Milliarden zahlen wir gerne noch ein paar 100 Millionen - wir habens ja.
Was für eine dümmliche Interpretation: Weshalb soll Deutschland zahlen? Eingeklagt wird der französische Staat und niemand sonst. Die Erben Renault haben Recht mit ihrer Klage. Louis Renault wurde ermordet aus Staatsräson im Gefängnis ermordet, was heute zweifelsfrei dokumentiert ist. Man fürchtete einen ordentlichen Prozess, weil sonst die ganze französische Industriellenelite - Panhard, Berliet, Michelin, etc. - ebenfalls vor Gericht hätte erscheinen müssen. Louis Renault war ein hochbegabter, arroganter Alleinherrscher, gehasst von seinen vornehmlich in der kommunistisch beherrschten Gewerkschaft CGT. General de Gaulle, der damals einen kommunistischen Putsch fürchtete, richtete sein Fähnlein nach dem Wind und liess Renault verschwinden. Dies Exzesse bei der Liberation werden wohl eines Tages aufgearbeitet werden müssen - der Fall Renault könnte hier einen Anfang bilden. Falls nicht, wie in Frankreich üblich, die Staatsräson über das Recht triumphiert.
Tiit, 12.05.2011
5. Wer liest
aus diesem Artikel den heraus, dass Deutschland verklagt werden soll? Renault wurde ja schließlich nicht von Deutschland verstaatlicht. Da sind die Franzosen wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen damals. Man stelle sich, die USA hätten das auch so gemacht? GM und IBM hätten verstaatlicht werden müssen und Herr Ford genauso enteignet, wie Herr Renault. Man muss nur schauen zu wem Renault heute gehört, dann weiß mann, aus welcher Richtung die Verstaatlichung kam. Und wer war der erste Chef von Renault nach der Verstaatlichung. Sehr einfach.
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