Nach Abberufung von Patricia Schlesinger RBB-Geschäftsleitung legt Gehälter offen

Der RBB hat einem Medienbericht zufolge im Intranet eine Liste der Bezüge und »leistungsorientierten Vergütungen« veröffentlicht. Die Bezüge der abberufenen Intendantin Patricia Schlesinger fehlen demnach.
Die Gehälterstruktur im RBB rückt in den Fokus

Die Gehälterstruktur im RBB rückt in den Fokus

Foto: IMAGO/Schöning

Auf internen und öffentlichen Druck hin hat die RBB-Geschäftsleitung ihre Gehälter und Bonuszahlungen offengelegt. Wie die dpa berichtete, veröffentlichte der Sender am Abend im Intranet für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Liste der Bezüge und »leistungsorientierten Vergütungen«. Die Bezüge der abberufenen Intendantin Patricia Schlesinger sind dort demnach nicht aufgeführt.

Auf den Posten des Verwaltungsdirektors entfällt den Informationen zufolge 2022 eine Jahresgrundvergütung von 230.000 Euro. Hinzu kommt die Zahlung aus einem Bonussystem in Höhe von 30.738 Euro für 2021/2022. Seitdem Schlesinger zurückgetreten ist, übt Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter die Funktion als geschäftsführender Intendant aus.

Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus erhält demnach 215.425 Euro und darüber hinaus 30.915 Euro Bonus. Bei Produktions- und Betriebsdirektor Christoph Augenstein sind es 196.000 Euro sowie zusätzlich 38.144 Euro. Auf den Posten Juristische Direktorin entfielen 198.900 Euro sowie ein Bonus von 39.195 Euro.

Die Boni beliefen sich somit insgesamt auf einen sechsstelligen Betrag. Darüber hatten zuvor das Onlinemedium »Business Insider«  und auch der RBB  berichtet. Wie hoch Schlesingers Bezüge tatsächlich sind, ist nicht bekannt. Laut »Business Insider« soll sie bereits vor einer Gehaltserhöhung 2021 mehr als 303.000 Euro jährlich verdient haben – dank einer Aufwandspauschale, einem Familienzuschlag, geldwerter Vorteile sowie einer Zielprämie in Höhe von mehr als 60.000 Euro.

Die Debatte über die Gehaltsstruktur in der Führungsriege reiht sich ein in zahlreiche Vorwürfe der Vetternwirtschaft, denen sich Schlesinger ausgesetzt sieht. Sie war seit 2016 Intendantin und wurde am Montag vom Rundfunkrat abberufen, nachdem sie selbst rund eine Woche zuvor vom Amt als Intendantin des RBB zurückgetreten war. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Chefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf, Schlesinger sowie gegen den Ehemann und Ex-SPIEGEL-Journalist Gerhard Spörl wegen des Verdachts der Untreue und Vorteilsannahme.

Anwaltskanzlei arbeitet den Fall auf

Eine externe Anwaltskanzlei arbeitet den Fall auch auf, Ergebnisse werden erst in einigen Wochen erwartet. Zu den Vorwürfen zählen unter anderem umstrittene Beraterverträge für ein auf Eis gelegtes RBB-Bauprojekt sowie ein teurer Dienstwagen mit Massagesitzen.

Derweil gibt es auch in anderen ARD-Häusern Folgen unter dem Eindruck der Krise beim RBB. So erwägt der Westdeutsche Rundfunk (WDR) eigenen Angaben zufolge den Ausbau seines Compliance-Managements. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) will seine Auftragsvergabe künftig sensibler behandeln. Das NDR Compliance Board werde prüfen, ob die bisherigen Regelungen noch ausreichen, teilte der NDR gegenüber der dpa mit.

dam/dpa
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