Nach Abmahnung Vorstandschef der Marseille-Kliniken gibt Posten auf

In der Führungsriege des Krankenhaus-Betreibers Marseille-Kliniken herrscht das Chaos: Unternehmenschef Stefan Herzberg wirft nach wenigen Wochen im Amt hin. Zuvor war er vom Aufsichtsrat abgemahnt worden - an dessen Spitze steht seit kurzem Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff.

Ex-Vorstandschef Stefan Herzberg: "Die Abmahnung ist substanzlos"
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Ex-Vorstandschef Stefan Herzberg: "Die Abmahnung ist substanzlos"


Hamburg/Frankfurt am Main - Der Hamburger Pflegeklinik-Betreiber Marseille-Kliniken befindet sich in schweren Führungsturbulenzen. Nach nur wenigen Wochen an der Spitze hat der Vorstandsvorsitzende Stefan Herzberg nach Unternehmensangaben mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt. Zuvor hatte demnach der Aufsichtsrat Herzberg abgemahnt, weil er seine Pflichten verletzt haben soll. Der Beschuldigte wehrt sich gegen den Vorwurf und will nun Schadensersatz einklagen.

Herzberg stand dem Vorstand der Klinikkette erst seit Anfang September vor - noch kürzer ist allerdings Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff im Amt. Der ehemalige Arcandor- und Bertelsmann-Chef wechselte vor zwei Wochen an die Spitze des Gremiums. Welche Pflichtverletzung die Kontrolleure dem ehemaligen Karstadt-Chef Herzberg vorwerfen, teilte das Unternehmen nicht mit. Herzberg hatte Firmengründer und Hauptaktionär Ulrich Marseille abgelöst, der wiederum wegen Bestechung einer Krankenkassen-Gutachterin zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war.

"Die Abmahnung ist substanzlos", erklärte Herzberg nun in einer Mitteilung zusammen mit dem ehemaligen Finanzchef des Unternehmens, Thomas Klaue. Sein Ex-Vorstandskollege hatte sich ebenfalls mit dem Kontrollgremium überworfen und wurde vor einigen Tagen fristlos entlassen. Herzberg verwies in der Mitteilung auf Differenzen mit dem Aufsichtsrat über Fragen der guten Unternehmensführung. Es habe keine Einigung gegeben, so dass er zusammen mit Klaue versucht habe, dies durch einen externen Gutachter klären zu lassen. Nun will Herzberg Schadensersatz fordern.

Ex-Finanzchef Klaue will ebenfalls juristisch gegen seine Kündigung vorgehen. "Die Abberufungsgründe sind an den Haaren herbeigezogen und konstruiert", erklärte er - auch Klaue hatte der Aufsichtsrat Pflichtverletzungen vorgeworfen. Den Konzern soll jetzt bis auf weiteres der neue Finanzvorstand Michael Thanheiser zusammen mit dem Generalbevollmächtigten Andreas Sielemann führen. Thanheiser hatte nach dem Weggang von Klaue bereits das Finanzressort mit übernommen.

fdi/Reuters/dpa



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