Nach Brexit-Votum Bundesbank wirbt für Börsenfusion

Der Zusammenschluss der Börsen in Frankfurt und London rückt trotz des Brexit-Votums näher. Für die Fusion macht sich nun auch die Bundesbank stark - im Gegensatz zur Wertpapieraufsicht BaFin.

Deutsche-Börse-Zentrale in Eschborn
DPA

Deutsche-Börse-Zentrale in Eschborn


Die Bundesbank stellt sich nach der Brexit-Entscheidung hinter den Zusammenschluss der Deutschen Börse Chart zeigen mit der London Stock Exchange (LSE) Chart zeigen. "Es mag zunächst bizarr klingen, aber ein solcher Zusammenschluss macht nach dem Referendum wirtschaftlich noch mehr Sinn", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret auf einer Veranstaltung in Frankfurt laut Retext.

Wenn Großbritannien die EU verlasse, seien Brücken zwischen den Volkswirtschaften wichtiger denn je. "Die angekündigte Fusion zwischen LSE und Deutscher Börse hat das Potenzial, eine solche Brücke zu werden", so Dombret.

Das Bundesbank-Vorstandsmitglied ist der bisher ranghöchste deutsche Amtsträger, der sich so deutlich für den rund 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss ausspricht. BaFin-Präsident Felix Hufeld hatte Ende Juni erklärt, die Fusion sei schwer vorstellbar, wenn die fusionierte Mega-Börse wie geplant in London angesiedelt werde.

Firmensitz ist entscheidendes Thema der Verhandlungen

Die Deutsche Börse spricht deshalb mit der LSE über eine Verlagerung des Firmensitzes in die EU beziehungsweise über die Schaffung eines doppelten Firmensitzes für die Holding, wie mehrere mit der Fusion vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Auch Dombret deutete an, dass er Anpassungen für angebracht hält: "Die betroffenen Parteien müssen eine Unternehmensstruktur finden, in denen alle vernünftigen Interessen berücksichtigt werden - selbst wenn dies zulasten von Synergien gehen sollte."

Nahezu parallel zur Veröffentlichung des Redetextes von Dombret teilte die Deutsche Börse mit, dass sie die Zustimmung ihrer Aktionäre zur Fusion mit der LSE fast sicher hat. Bis Mittwochmittag hätten 53 Prozent der Anteilseigner das Angebot zum Umtausch ihrer Papiere in Aktien des künftigen Unternehmens angenommen. Damit ist die Mindestannahmequote von 60 Prozent nahe.

msc/Reuters/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Badischer Revoluzzer 13.07.2016
1. Ich denke mal
bei der Bundesbank ist noch nicht durchgedrungen, daß die Briten aus Europa austreten. Frankfurt hat jetzt die ganz große Chance zum 1. Finanzplatz aufzusteigen und sollen bevor das noch geschehen ist, diesen mit London teilen. Frankfurt wird im EU-Korsett gegenüber den Kürzeren ziehen und in der Bedeutungslosigkeit versinken. Wann fängt man oben damit an endlich zu denken.
wastl300 13.07.2016
2. Geld regiert die Welt
Normale Menschen können solche Vorgänge nicht mehr nachvollziehen. Erst warten auf Votum, dann trotzdem durchziehen. Muss da viel Geld übrig bleiben, für die Gierigen.
CyberfeldReloaded 13.07.2016
3.
Zitat von wastl300Normale Menschen können solche Vorgänge nicht mehr nachvollziehen. Erst warten auf Votum, dann trotzdem durchziehen. Muss da viel Geld übrig bleiben, für die Gierigen.
Auch die Begabten kommen hier an ihre Grenzen, das ganze ist do Bizzar ich sehe nicht was der Vorteil einer Fusion haben soll wen beide schon Quasimonopole haben , außer den Firmenwert zu steigern kommt dabei nicht viel rum eher ihm Gegenteil man läuft Gefahr ihn viele Rechtliche Problem zu laufen.
Europa! 13.07.2016
4. Gehört uns eh' nicht
Man darf bei alledem nicht vergessen: Die Deutsche Börse heißt zwar "deutsch", gehört aber mehrheitlich Briten und Amerikanern. Dass die "Mehrheit" für den "Zusammenschluss" ist, war also ohnehin klar. Und wenn die Deutschen weiter so doof sind, lieber Bundesanleihen ohne Verzinsung zu kaufen, als die Aktien von deutschen Firmen, dann verschwinden immer mehr Firmen ins Ausland.
Miere 14.07.2016
5. Der Zeitpunkt ist so dämlich wie's nur geht.
Niemand hat den Hauch einer Ahnung, wie die rechtlichen Beziehungen zw GB und EU sein werden. Unternehmensrecht etc pp. Wäre London in der EU geblieben könnte man über Synergieeffekte reden. Aber wozu gerade jetzt diese Fusion, wenn der Standort London genausogut das neue Nepal werden kann?
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