Nach Deal mit ACS Hochtief-Betriebsrat fordert Rücktritt von Gewerkschaftern

Beim Baukonzern Hochtief eskaliert der Streit zwischen den Arbeitnehmervertretern. Der Betriebsrat wirft der Gewerkschaft IG Bau vor, Absprachen mit dem Interessenten ACS getroffen zu haben. Die Spanier geben sich optimistisch, die strategisch wichtigen 30 Prozent der Anteile zu erreichen.
Mitarbeiter von Hochtief: Arbeitnehmervertreter streiten über Umgang mit ACS

Mitarbeiter von Hochtief: Arbeitnehmervertreter streiten über Umgang mit ACS

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Klaus Wiesehügel

Berlin - Zoff im Arbeitnehmerlager von Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief: In einem internen Schreiben, aus dem die "Welt" zitiert,erhebt der Betriebsratsvorsitzende Siegfried Müller schwere Vorwürfe. Er wirft dem Chef der Gewerkschaft IG Bau, , vor, mit dem spanischen Baukonzern ACS Absprachen zugunsten der IG Bau und zulasten der Mitarbeiter getroffen zu haben.

Müller verlangte daher erneut den Rücktritt der beiden Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat von Hochtief, da "eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle der Belegschaft nicht mehr möglich erscheint". Müller forderte ACS und IG Bau auf, alle Protokolle der geführten Gespräche zu veröffentlichen.

Kurz vor Weihnachten hatte die Gewerkschaft eine Vereinbarung mit ACS getroffen, die eine Zerschlagung des Essener Traditionsunternehmens ebenso verhindern soll wie betriebsbedingte Kündigungen unter den 11.000 Hochtief-Mitarbeitern in Deutschland. Betriebsrat und Vorstand waren an dieser Absprache nicht beteiligt. ACS hat den Hochtief-Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot gemacht, das am Mittwoch um Mitternacht ausläuft.

Die Spanier geben sich optimistisch, die wichtige 30-Prozent-Marke zu knacken. Am Dienstag erhielt ACS rund 90.000 zusätzliche Hochtief-Aktien und steigerte damit seinen Anteil an dem Essener Baukonzern auf 29,4 Prozent.

ACS bietet den Hochtief-Aktionären neun eigene Aktien gegen fünf Hochtief  -Papiere an. Wenn die Spanier die 30-Prozent-Hürde überschreiten, kann das Unternehmen weitere Hochtief-Aktien kaufen, ohne ein kostspieliges Pflichtangebot vorlegen zu müssen. "ACS ist zuversichtlich, mit dem Angebot den 30-Prozent-Anteil zu erreichen", sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Sie verwies zudem auf die gesetzlich vorgeschriebene erweiterte Annahmefrist, die bis zum 18. Januar gilt.

"Es gibt keinen Zeitdruck"

Branchenkennern zufolge nehmen institutionelle Investoren Angebote zur Aktienübernahme oft erst ganz zum Ende der Frist an. Wenn alle Fristen abgelaufen sind, wolle ACS weitere Hochtief-Aktien auf dem Markt zukaufen, um auf einen Anteil von mehr als 50 Prozent zu kommen, sagte die Sprecherin. Eine Frist für die Übernahme der Mehrheit an Hochtief sei nicht gesetzt. "Es gibt keinen Zeitdruck dafür."

Hochtief wehrt sich hartnäckig gegen die Übernahme. Da diese nun aber unausweichlich erscheint, hat der Essener Konzern Vorkehrungen getroffen. Der Hochtief-Finanzvorstand Burkhard Lohr sagte der "Börsenzeitung", sein Unternehmen wolle auch im Falle der Übernahme durch ACS finanzielle Stabilität wahren.

Dafür seien alle wichtigen Darlehensverträge "an die aktuelle Situation angepasst" worden. Das Hochtief-Management habe sich den Banken gegenüber verpflichtet, "keine Verträge mit ACS zu unterzeichnen, die die Kreditwürdigkeit von Hochtief schwächen würden".

cte/dapd/dpa
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