Nach Rating-Rundumschlag Börsen rutschen weltweit ab

Die Sorge um die europäischen Krisenländer treibt die Börsianer um. Rating-Agenturen haben Griechenland und 16 spanische Banken abgewertet. Weltweit gaben die Kurse nach. Der Dax lag zum Handelsstart mit einem Prozent im Minus. Es gibt aber auch gute Nachrichten für Anleger.
Geschäftsleute in Japan vor einer Börsentafel: Die Anleger sind nervös

Geschäftsleute in Japan vor einer Börsentafel: Die Anleger sind nervös

Foto: TOSHIFUMI KITAMURA/ AFP

Frankfurt am Main - Schlechte Nachrichten zur Euro-Krise könnten einen versöhnlichen Wochenausklang an den Börsen vermasseln. Der Dax startete am Freitag zum Handelsauftakt bei 6246 Zählern mit einem Prozent im Minus. Besonders Bankenwerte standen unter Druck. Die Aktien der Deutschen Bank   gaben um 1,6 Prozent nach, die Papiere der Commerzbank   notierten 2,7 Prozent schwächer. "Es ist ein einziges Trauerspiel", sagte ein Händler.

Die Börse in Tokio schloss am Freitag mit schweren Verlusten. Der Nikkei  -Index sackte auf den tiefsten Stand seit rund vier Monaten und schloss mit einem Minus von drei Prozent bei 8611 Punkten. Der Hongkonger Hang-Seng-Index sackte um 2,6 Prozent auf 18.702 Punkte ab. Auch an der Wall Street hatte der Dow-Jones  -Index am Donnerstag zum fünften Mal in Folge im Minus geschlossen.

Grund für die schlechte Stimmung der Börsianer weltweit waren negative Nachrichten aus Europa. Am Donnerstagabend hatte die Rating-Agentur Moody's nach ihrem jüngsten Rundumschlag gegen italienische Banken auch die Bonität von 16 spanischen Banken gesenkt. Die Finanzexperten begründeten die Entscheidung mit der neuerlichen Rezession, der andauernden Immobilienkrise und anhaltend hohen Arbeitslosenzahlen in Spanien.

Euro auf dem tiefsten Stand seit Januar

Auch Griechenland nahmen die Rating-Agenturen erneut ins Visier. Fitch stufte die Kreditwürdigkeit des Krisenstaats herab. Die Rating-Agentur warnte vor einem Austritt des Landes aus dem Euro-Raum und einer Staatspleite. Griechische Staatsanleihen bewertet Fitch nun mit CCC. In dieser Kategorie bestehen beträchtliche Risiken, und nur bei günstiger Entwicklung sind keine Ausfälle zu erwarten.

Die schlechten Nachrichten drückten auch auf den Kurs der Gemeinschaftswährung. Der Euro   sank am Freitag im frühen Handel auf bis zu 1,27 Dollar und kostete damit so wenig wie zuletzt Mitte Januar. Allein seit Anfang Mai hat der Euro sechs Cent oder fast fünf Prozent an Wert verloren.

Bei den Ölpreisen gab es ebenfalls einen Abwärtstrend. Am Freitagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent   zur Juli-Lieferung 106,87 Dollar. Das waren 62 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Juni sank um 76 Cent auf 91,80 Dollar. Seit Anfang Mai haben die Ölpreise um mehr als zehn Prozent nachgegeben.

Facebook und Solarfirmen könnten den Anlegern Freude bereiten

Allerdings dürfte es neben der Schuldenkrise auch ein erfreuliches Thema an den Finanzmärkten geben: In New York steht der Börsengang von Facebook an. Das soziale Netzwerk stemmt den größten Börsengang eines Internetunternehmens aller Zeiten und nimmt mindestens 16 Milliarden Dollar ein. Die Aktien gingen für 38 Dollar das Stück an Investoren, wie das Unternehmen mitteilte.

Auch Solarfirmen konnten dem Negativtrend an den Börsen trotzen. Der Grund: Das US-Handelsministerium verhängte Strafzölle zwischen 31 und 250 Prozent gegen chinesische Solarimporte. Grund sei, dass Firmen aus China dank der Subventionierung durch den Staat ihre Produkte unter den Herstellungskosten anböten, hieß es.

Die endgültige Entscheidung über die Strafzölle wird erst Anfang Oktober getroffen, die Aktien von US-Herstellern zogen aber deutlich an. Der Kurs der US-Firma First Solar   war um knapp sieben Prozent hochgeschnellt, der Kurs des an der Wall Street gelisteten chinesischen Konkurrenten Trina Solar dagegen um fast acht Prozent abgesackt. "Diese Nachrichten sollten zumindest heute auch Solarworld   und den anderen deutschen Solaraktien helfen", sagte ein Händler.

mmq/Reuters/dpa-AFX
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