Nach Wallraff-Recherche Wie Burger King aus dem Vegan-Fiasko herauskommen will

»Schmeckt wie Fleisch« – das kann bei veganen Speisen von Burger King auch an einer Verwechslung liegen, recherchierte das Team von Günter Wallraff. Die Kette wollte Vorreiter sein, ist ihre V-Label aber vorerst los.
Werbefoto von Burger King: Vegan, nur wenn es sauber verarbeitet wird

Werbefoto von Burger King: Vegan, nur wenn es sauber verarbeitet wird

Foto: BURGER KING Deutschland GmbH

Zur Erfolgsformel von Burger King gehörte jahrzehntelang unvermeidlich: Hackfleisch. Doch längst ist vegetarisches und veganes Essen kein Nischenprodukt mehr. Wer mit einer Restaurantkette groß bleiben will – und Burger King hat allein in Deutschland 750 Filialen –, der muss mehr bieten als Boulettenbrötchen mit extra Käse.

Eigentlich lief es bei diesem Thema gut für Burger King: Für fast jeden fleischhaltigen Burger hat das Unternehmen in deutschen Restaurants eine fleischlose Alternative im Angebot, fünf Produkte bekamen 2021 das V-Label als Gütesiegel, ein veganer Burger wurde von der Tierrechtsorganisation Peta ausgezeichnet. Diesen Sommer eröffnete sogar eine komplett vegane Filiale der Kette am Wiener Westbahnhof. Der aktuelle Slogan schien glaubhaft: »Normal oder mit Fleisch?«

Veganer Burger mit Huhn?

Bis vorigen Donnerstag. Denn da sendete RTL eine neue Folge der Investigativ-Sendung »Team Wallraff« und zeigte, wie sich die Undercoverreporterin Lea in einer Münchner Burger-King-Filiale einschlich. Die berichtete vom laxen Umgang mit den veganen Burgern: Immer wieder kämen demnach fleischlose Produkte mit fleischhaltigen in Kontakt, teils landeten sie in denselben Wärmebehältern und Fritteusen. Die beiden Produktlinien seien leicht zu verwechseln, vielen Mitarbeitern sei es aber auch egal. Und wenn die vegane Version gerade nicht greifbar sei, lande halt mal doch ein Chickenburger mit Huhn zwischen den Brötchenhälften.

Am nächsten Tag war Burger King Deutschland das V-Label los. Dazu hätte es nicht einmal der Totalverwechslung bedurft: Wer sich auf die Lizenzierungsbedingungen einlässt, muss sicherstellen, dass als vegan angebotenes Essen keinerlei Kontakt mit tierischen Produkten hat.

Wie geht es nun weiter? Hat das Desaster die Tierschutzrevolution bei Burger King durch den Wolf gedreht?

Im Gespräch mit dem SPIEGEL, aber auch in ausführlichen Erklärungen auf der eigenen Internetseite gibt sich das Unternehmen zerknirscht und unbedingt besserungswillig. Die fünf Filialen, die bei »Team Wallraff« gezeigt wurden, habe man umgehend geschlossen und einer Untersuchung unterzogen. Außerdem will man den Angaben zufolge eine Whistleblower-Hotline einrichten, um Missstände aufzuspüren.

Der Tenor: »Offensichtlich haben sich einige wenige Mitarbeiter*innen in einigen Restaurants nicht an die hohen Standards gehalten, die wir für unsere veganen Produkte etabliert haben. Das ist für uns nicht akzeptabel.« Man setze nun verstärkt vor allem auf »intensives Training« für die eigenen Leute.

Ob das ausreicht, darüber verrät ProVeg Deutschland bislang wenig Konkretes. Die Organisation mit Sitz in Berlin lizenziert hierzulande das V-Label, nach eigenen Angaben für bislang rund 14.000 vegane und weitere 4000 vegetarische Produkte. Der Lizenzierungsprozess, berichtet Burger King, habe für die drei Burger und zwei Nugget-Sorten mehrere Monate gedauert. Dafür wurden nicht nur Zutaten offengelegt, sondern auch die Zubereitungsprozesse. ProVeg lässt die Einhaltung der Richtlinien von Dienstleistern wie dem TÜV, Bureau Veritas oder Easy-Cert überwachen. Auch der Lizenzierung von Burger King sind demnach »stichprobenartige Kontrollen von Filialen« vorausgegangen, die »unauffällig« waren.

Nach dem Wallraff-Bericht ist die Verwendung des Labels streng genommen nur ausgesetzt – Rückkehr möglich. Doch wie Burger King den Nachweis einer Läuterung führen könnte, wird aus den Verlautbarungen von ProVeg nicht deutlich: »Das V-Label erörtert deshalb momentan ergebnisoffen, welche Nachweise durch die Systemgastronomie den Anforderungen des Gütesiegels gerecht werden.«

Kurze Aktion: In Köln gab es im Juni für fünf Tage ein fleischloses Burger-King-Lokal, in Kooperation mit The Vegetarian Butcher

Kurze Aktion: In Köln gab es im Juni für fünf Tage ein fleischloses Burger-King-Lokal, in Kooperation mit The Vegetarian Butcher

Foto: Julian Meusel / Eibner-Pressefoto / picture alliance

Ein Eindruck, den die Wallraff-Reportage vermittelt, ist, dass die Trennung der beiden Bereiche oft schwer möglich ist, schon weil die Produkte so ähnlich aussehen. Das wäre verheerend. Auf Nachfrage versichert Burger King, dass überall die technischen Gegebenheiten bestehen, um veganes Essen separat zuzubereiten. In jedem Restaurant gebe es eine getrennte Fritteuse, der Frittierkorb sei »deutlich grün markiert«, jedes pflanzenbasierte Produkt werde seit jeher mit der Abkürzung »PB« versehen. Und: »Seit August 2022 haben wir auch separate Verpackungen für Plant-based Produkte.« Bei manchen Soßen sei eine Vermischung gänzlich ausgeschlossen: »Es gibt nur noch eine vegane Mayo für all unsere Produkte.«

Freilich war das vor dem vergangenen Donnerstag auch schon der Fall. Burger King verspricht nachzubessern: »Hier geht es uns auch darum, die operativen Abläufe so zu gestalten, um Verwechslungen und mögliche Fehler von vornherein auszuschließen.« Dabei werde ProVeg »weiterhin beratend zur Seite stehen«.

Wobei auch die Organisation mit derlei Vorfällen wenig Erfahrung hat. Die fünf Burger-King-Speisen waren die ersten V-Label, die ProVeg in der deutschen Systemgastronomie vergeben hat. Trotz allem sollen es nicht die letzten sein.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass fünf Burger-King-Produkte vor einem Jahr das Vegan-Siegel bekamen, tatsächlich wurden drei davon erst in zeitlichem Abstand als vegan gelabelt; die Passage wurde geändert. Falsch angegeben war zunächst auch der Sitz von ProVeg. Wir haben am 6. Oktober die Stellungnahme von ProVeg ergänzt, dass der Lizenzierung der Burger-King-Produkte Stichprobenkontrollen in Filialen vorausgegangen sind. Außerdem wurde, um Missverständnissen vorzubeugen, an zwei Stellen ergänzt, dass es bei der Frage der V-Label um Burger King Deutschland geht, nicht um eine weltweite Lizenzierung.

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