Nachfrageschub China und Indien bescheren Siemens Boom-Bilanz

Siemens feiert eines der besten Quartale der Firmengeschichte: Der Nachfrage-Boom in Indien und China lässt Gewinn und Umsatz kräftig steigen. Das gute Ergebnis wird allerdings von Pannen bei der Verarbeitung der Korruptionsaffäre überschattet.

Siemens-Logo: Positives Ergebnis
dpa

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München - Die Siemens-Aktionäre können aufatmen: Erstmals seit Jahren steht der Elektrokonzern vor einer halbwegs geräuschlosen Hauptversammlung. Nach Schmiergeld-Skandal, Schadensersatzstreit und Bremsspuren durch die Wirtschaftskrise stehen dieses Mal vor allem die guten Geschäfte im Fokus.

Der Konzern hat im Winterquartal 2010 einen Gewinnschub verbucht. Das Ergebnis der drei Kerngeschäftsfelder Industrie, Energie und Gesundheit stieg auf 2,2 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr legte es um sechs Prozent zu. Das gab der Konzern am Dienstagmorgen auf seiner Aktionärshauptversammlung in München bekannt. Unter dem Strich kletterte der Gewinn nach Steuern um 15 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro. Damit übertraf Siemens die Erwartungen der Analysten deutlich.

Der Auftragseingang legte im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro zu, der Umsatz wuchs um 12 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Hauptgründe für die Umsatzsteigerung war die kräftige Nachfrage aus Schwellenländern. Insgesamt stünden in den drei Kernsektoren Aufträge im Wert von 92 Milliarden Euro in den Büchern. Allein aus China sei fast die Hälfte mehr bestellt worden als im Auftaktquartal des Vorjahres. Die Aufträge aus Indien legten um 160 Prozent zu.

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China vs. Indien: Zwei Giganten im Vergleich
Im Sektor Industrie legte der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angeführt von den Divisionen Industry Automation und Drive Technologies um 22 Prozent und der Umsatz um 13 Prozent zu. Im Sektor Energie stiegen der Auftragseingang um 27 Prozent und der Umsatz um 14 Prozent. Der Anstieg des Auftragseingangs im Sektor Energie wurde unter anderem vom Geschäft mit erneuerbaren Energien angetrieben.

Ganswindt-Prozess startet neu

Der Ausblick für 2011 ist positiv. "Wir sind voll auf Kurs, unsere für 2011 gesteckten Ziele zu erreichen", teilte Konzernchef Peter Löscher mit. Siemens rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einer anhaltenden Verbesserung in den Märkten und einem deutlich steigenden Auftragseingang. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft soll um mindestens 25 bis 35 Prozent auf 5,3 bis 5,6 Milliarden Euro steigen. An der Börse wurden die Zahlen positiv aufgenommen. Der Dax legte leicht zu, Siemens-Papiere steigen um knapp zwei Prozent.

Die positiven Nachrichten kann der Konzern gut brauchen. Zuletzt war der milliardenschwere Korruptionsskandal des Konzerns wieder verstärkt ins Blickfeld gerückt. Zuerst stellte der frühere Konzern- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer seine Autobiografie "Gipfel-Stürme" in Berlin vor, wenige Tage später folgte dann der Fehlstart des Schmiergeld-Prozesses vor dem Münchner Landgericht gegen den früheren Siemens-Zentralvorstand Thomas Ganswindt.

Der Ex-Manager ist wegen Steuerhinterziehung und einer vorsätzlichen Verletzung der Aufsichtspflicht angeklagt. Seine Anwälte monierten die zu dünne Besetzung der Kammer, verlangten die Aufstockung von zwei auf drei Berufsrichter und sorgten damit für einen Abbruch des Prozesses. Nun muss es einen neuen Anlauf geben, die bisher angesetzten Verhandlungstermine sind hinfällig.

Auf Siemens könnten zudem bald neue Entschädigungsforderungen zukommen. Die griechische Regierung plant, in der Schmiergeld-Affäre Zahlungen von dem deutschen Konzern zu verlangen. Über die Höhe machte Athen bisher keine Angaben.

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Websingularität 25.01.2011
1. Dass ich nicht lache.
Zitat von sysopSiemens feiert eines der besten Quartale der Firmengeschichte: Der Nachfrage-Boom in Indien und China lässt Gewinn und Umsatz kräftig steigen. Das gute Ergebnis wird allerdings von Pannen bei der Verarbeitung der Korruptionsaffäre überschattet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,741405,00.html
Kerngeschäft? Oder eher, Kernkraftgeschäft? Vergessen wir nicht die Siemens-Steuerungsanlagen im Iranischen Kernkraftwerk. Ich bezweifle heute noch, dass Siemens völlig ahnungslos war. Aber als naiver "Kleinaktionär", welcher nur die Oberflächliche Rendite sieht und von den Machenschaften im Hintergrund nichts wissen möchte, für den sieht die Bilanz schon gut aus. Prost! Und hoffen wir, dass die Industrie dieser Milliardenvölker weiter in westlichen Händen bleibt, bzw. unserer Viren. Nur für den Fall, dass diese mal Aufmüpfig werden.
lhr 25.01.2011
2. _
Zitat von WebsingularitätKerngeschäft? Oder eher, Kernkraftgeschäft? Vergessen wir nicht die Siemens-Steuerungsanlagen im Iranischen Kernkraftwerk. Ich bezweifle heute noch, dass Siemens völlig ahnungslos war. Aber als naiver "Kleinaktionär", welcher nur die Oberflächliche Rendite sieht und von den Machenschaften im Hintergrund nichts wissen möchte, für den sieht die Bilanz schon gut aus. Prost! Und hoffen wir, dass die Industrie dieser Milliardenvölker weiter in westlichen Händen bleibt, bzw. unserer Viren. Nur für den Fall, dass diese mal Aufmüpfig werden.
Sie haben defintiv keine Ahnung von Siemens.
derweise 20.03.2011
3. Siemens hat ein Kraftwerk gebaut
Siemens hat in Deutschland ein Kraftwerk gebaut, was vom Prinzip her nicht funktioniert. Siemens muß die Lizenz zum Kraftwerksbau verlieren!
SchneiderG 21.03.2011
4. .
Zitat von lhrSie haben defintiv keine Ahnung von Siemens.
[QUOTE=lhr;7033015] Ich denke er hat keine Aktien, deshalb die Verstimmung.
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