Drohende Verteilungsprobleme Schulze warnt vor Wasserknappheit in Deutschland

Wasser könnte laut Umweltministerin Schulze künftig Mangelware werden. Mit einer nationalen Wasserstrategie will sie Verteilungskämpfe verhindern.
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Mit einer nationalen Wasserstrategie will Bundesumweltministerin Svenja Schulze im Kampf gegen Wasserknappheit punkten. »Für die Zukunft ist es nicht selbstverständlich, dass es überall Wasser im Überfluss gibt«, sagte die SPD-Politikerin der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (NBR). Nötig sei ein stärkerer Ausgleich zwischen wasserarmen und wasserreichen Regionen. »Beim Wasser gibt es kein Mengen-, sondern ein Verteilungsproblem.«

Bei Knappheit könne es zukünftig Priorisierungen beim Wasserzugang geben. »Für diese Notfälle wird man über Nutzungshierarchien und einen Ausgleich der Interessen reden müssen«, sagte die Ministerin der NBR. Der persönliche Trinkwasserbedarf genieße dabei Priorität. »Auch ein Vorrang für wesentliche wirtschaftliche und landwirtschaftliche Nutzungen und ökologische Bedarfe ist denkbar.«

Schulze will Anreize schaffen, damit die Nutzung großer Wassermengen außerhalb von Verbrauchsspitzen stattfindet. »Pools sollten am besten in den Nachtstunden befüllt werden, nicht tagsüber«, sagte sie. »Smarte Wassertarife« könnten eine Lösung sein, um flexibler auf die jeweilige Nachfrage zu reagieren.

Kommunen klagen bereits jetzt über Mammutaufgabe

In der Wasserstrategie ihres Ministeriums, die am Dienstag offiziell vorgestellt wird, plädiert Schulze für einen massiven Ausbau der Wasserinfrastruktur. Kommunen und Wasserversorger sollen dem Plan zufolge stärker überregional kooperieren und sich in Regionalverbänden zusammenzuschließen. »Geraten einzelne Regionen in Schwierigkeiten, können neue oder größere Fernwasserleitungen eine Lösung sein«, sagte Schulze. Auch neue Wasserspeicher wie etwa Talsperren seien denkbar, sofern diese »ökologisch verträglich« seien.

Die Kosten beziffert Schulze, Bezug nehmend auf Angaben der Wasserwirtschaft, auf mehr als drei Milliarden Euro im Jahr. Perspektivisch seien hier auch die Länder und der Bund in der Pflicht. »Einen Großteil davon werden auch künftig Wasserversorger und Kommunen tragen.«

Beim Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) stoßen die Pläne auf Skepsis. »Schon der Erhalt und die Erneuerung der jetzigen Leitungen ist eine Mammutaufgabe«, sagte VKU-Vizepräsident Karsten Specht der NBR. Der VKU pocht zudem darauf, dass Wasserversorgung eine kommunale Aufgabe ist. »Welche Lösungen vor Ort nötig sind, kann man nur vor Ort beurteilen.«

Schulze denkt jedoch längst weiter. Nach den zuletzt vielerorts trockenen Sommern  will sie auch die Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel erhöhen und den Gewässerzustand verbessern. Dafür sollen in den nächsten zehn Jahren jeweils 100 Millionen Euro ausgegeben werden, also insgesamt eine Milliarde Euro.

Teil der Strategie soll auch sein, Abwässer künftig im Sinne der Gesundheitsvorsorge systematisch zu überwachen. Dies ermögliche es, Trendaussagen zur Entwicklung einer Pandemie zu bekommen. Virusvarianten könnten in Proben ebenso identifiziert werden wie multiresistente Keime.

Schulzes Vorhaben muss noch in der Regierung und mit den Bundesländern abgestimmt werden.

apr/AFP/Reuters
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