Nebenwirkung der EZB-Politik Deutsche-Bank-Manager rechnet mit Strafzinsen auf Spar- und Girokonten

Minus-Zinsen fürs Geld? Bei einer Bank hierzulande jetzt Praxis - und nach Ansicht eines Strategen der Deutschen Bank schon bald keine Seltenheit mehr. Strafzinsen könnten auch Einlagen von Privatkunden treffen.
Asoka Wöhrmann (Archiv): "Einige Banken berechnen schon negative Zinsen"

Asoka Wöhrmann (Archiv): "Einige Banken berechnen schon negative Zinsen"

Foto: DWS

Frankfurt am Main - Der negative Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB) schlägt Wellen. Nach Einschätzung des obersten Vermögensverwalters der Deutschen Bank werden Strafzinsen auf Konten und Sparbüchern bald zur Normalität.

"Einige wenige Banken berechnen ihren Kunden jetzt schon negative Zinsen", sagte laut "Welt am Sonntag"  Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der Deutschen Asset & Wealth Management. "Das dürfte angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bald keine Seltenheit mehr sein." Deutsche Asset & Wealth Management ist der Markenname für die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank AG und ihrer Tochtergesellschaften.

Strafzinsen auch für Privatkunden

Seit Samstag verlangt die Deutsche Skatbank einen Strafzins von 0,25 Prozent von Kunden, die große Summen auf Tagesgeld- oder Girokonten parken: Der Negativzins gilt bei mehr als 500.000 Euro Einlagen auf dem Tagesgeld-Konto. Bei Girokonten gilt er für Summen von mehr als zwei Millionen Euro. Der Tabubruch der kleinen Direktbank aus Thüringen soll nach den Vorstellungen des Raiffeisen- und Volksbanken-Verbandes BVR und des Sparkassenverbands DSGV ein Einzelfall bleiben. "Der BVR spricht sich weiterhin gegen negative Zinssätze für Einlagen von Privatkunden aus", sagte eine BVR-Sprecherin vor wenigen Tagen. In Deutschland sei der Wettbewerb so intensiv, dass er Strafzinsen nicht zulasse, hatte ein DSGV-Sprecher gesagt.

Wöhrmann teilt diese Einschätzung offenbar nicht. Strafzinsen, die bislang höchstens für Geschäftskunden gelten, träfen bald auch Privatkunden, sagte der Deutsche-Bank-Manager.

Die EZB verlangt Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr kurzfristig parken. Europas Notenbanker hatten den Einlagenzins für Banken Anfang Juni auf minus 0,1 Prozent gesenkt und den Leitzins auf 0,15 Prozent. Anfang September senkte die Zentralbank den Einlagesatz weiter auf minus 0,2 Prozent und den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent. Es ist das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen.

Die EZB setzt darauf, dass die Banken das Geld lieber weiterverleihen an Unternehmen und Haushalte und die Konjunktur insbesondere in den Euro-Krisenländern ankurbeln - und der Negativzins wirkt: Bereits einen Tag nach Inkrafttreten haben die Banken ihre Einlagen bei der EZB kräftig reduziert.

bos/Reuters