500 Milliarden Dollar für Neom Ex-Siemens-Chef Kleinfeld soll Saudi-Arabiens Megacity bauen

Größer als Mecklenburg-Vorpommern - und mit 500 Milliarden Dollar ziemlich kostspielig: Saudi Arabien will mit "Neom" den modernsten Technologiepark der Welt in den Wüstensand betonieren. Dabei helfen soll ein Deutscher.

Klaus Kleinfeld, Mohammed bin Salman
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Klaus Kleinfeld, Mohammed bin Salman

Von manager-magazin-Redakteur Sven Clausen


Saudi-Arabiens Königsfamilie legt ein Kernstück ihrer Modernisierungsstrategie in deutsche Hände. Klaus Kleinfeld, bis 2007 Konzernchef von Siemens, werde CEO des groß angelegten Wirtschaftsprojekts Neom, das gab der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz Al Saud bekannt.

Mit Neom will das Königreich auf einer Fläche von 26.500 Quadratkilometern den modernsten Technologiepark der Welt und eine komplett neue Stadt schaffen. Zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern hat eine Fläche von rund 23.000 Quadratkilometern.

Kleinfeld solle helfen, "eine der künftigen Hauptstädte für Wirtschaft und Wissenschaft, den lebenswertesten Ort der Welt und das künftige Handelszentrum Saudi-Arabiens" zu schaffen, so der Kronprinz. Dafür seien Investitionen in Höhe von bis zu 500 Milliarden US-Dollar vorgesehen, für die Saudi-Arabien garantiere, so der Kronprinz.

Ein Großteil des Geldes soll vom saudischen Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) kommen. Im Nordwesten des Landes sei bereits eine Fläche am Roten Meer ausgewählt, die sich auch auf Ägypten und Jordanien erstrecke. In Neom sollen laut dem Thronfolger eigene Gesetze und Steuersätze gelten, auch eine eigene Werbe-Website gibt es bereits.

Das Projekt ist Teil einer Modernisierungsoffensive der Königsfamilie, mit der sie Wirtschaft und Gesellschaft unabhängiger von den Einnahmen der Ölförderung machen will. DieEmirate am Golf wie Katar oder Dubai hatten in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls Großprojekte - wenn auch in deutlich kleineren Dimensionen - außerhalb der Öl- und Gaswirtschaft gestartet und waren damit zum Teil gescheitert, wie etwa im Fall der Ökostadt Masdar.

Der vor 59 Jahren in Bremen geborene Kleinfeld war bis vor wenigen Monaten CEO und Chairman des amerikanischen Aluminium-Veredlers Alcoa und Arconic, zuvor war er Vorstandschef des Dax-Konzerns Siemens. Für beide Aufgaben hat er enge Regierungskontakte aufbauen und pflegen müssen, da Staaten und öffentliche Institutionen jeweils zu seinen wichtigsten Kunden zählten. "Neom ist eine einzigartige Gelegenheit, höchsten Lebensstandard mit exzellenten wirtschaftlichen Aussichten zu verbinden. Ich bin geehrt und begeistert, diese Führungsrolle zu übernehmen", lässt sich Kleinfeld zitieren.

Für sein Projekt Neom formuliert Kronprinz Mohammed zum Teil radikale Vorgaben. Alle Dienstleistungen und Standardprozesse sollten "zu 100 Prozent automatisiert" sein und "von Robotern ausgeführt" werden. Dies könne dazu führen, dass in der Zukunftsstadt "die Zahl der Roboter die der Menschen übersteige", was Neom wiederum zu dem Ort mit dem "wahrscheinlich höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf" machen werde. Die klimatischen Bedingungen in der ausgewählten Region sollen dazu führen, dass Neom seinen Energiebedarf ausschließlich aus Wind- und Sonnenkraft speise.



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